Sana saniert Bewegungsbad nicht

Wasserpraxis geht in die Insolvenz

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Wegen zu hoher Kosten wird Sana das Bewegungsbad im Klinik-Anbau nicht sanieren. Vor allem für die seit einem Verkehrsunfall in Existenznot lebende Nicole Perner hat sich Bettina van Nüss (rechts) stets über die Therapie hinaus eingesetzt. Nun steht die Betreiberin des Bewegungsbades selbst vor dem finanziellen Nichts. Eine bittere Erfahrung.

Offenbach - Alle Hoffnungen haben sich zerschlagen: Wegen zu hoher Kosten wird Sana das Bewegungsbad im Klinik-Anbau nicht sanieren. Von Fabian El Cheikh

Alle Hoffnungen haben sich zerschlagen, das Sana Klinkum wird der Betreiberin der beliebten Wasserpraxis, Bettina van Nüss, nicht unter die Arme greifen. Die seit Ende September geschlossene Praxis bleibt damit endgültig zu.

Begründung: „Die Sanierungskosten sind höher als erwartet. “ Die 45-jährige Physiotherapeutin und alleinerziehende Mutter eines neunjährigen Sohnes steht damit vor dem existenziellen Aus. „Das ist vernichtend“, lautete gestern ihre erste Reaktion. „Ich werde morgen in die geordnete Insolvenz gehen. “.

Zuvor hatte ihr der neue Träger des Klinikums mitgeteilt, dass eine Sanierung des von wöchentlich bis zu 500 Patienten besuchten Bewegungsbades aus wirtschaftlichen Gründen nicht gestemmt werden könne: „Mehr als 535.000 Euro wären hierfür notwendig“, heißt es in einer Pressemitteilung. Zu diesem Ergebnis sei ein von der Geschäftsleitung des Klinikums beauftragter, unabhängiger Gutachter gekommen.

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Das Bad war aufgrund baulicher und hygienischer Mängel bereits Ende September von der Bauaufsicht der Stadt geschlossen worden. In den Wasserfiltern sollen zweimal geringfügig erhöhte Konzentrationen an Legionellen gefunden worden sein. Das Klinikum hatte daraufhin Gutachter mit einer Analyse beauftragt, um aufgrund dieser Bewertung eine Entscheidung treffen zu können.

Sana-Geschäftsführer Dr. Jens Schick bedauerte gestern, dass es nun keinen Weg mehr gebe, die privat betriebene Praxis wieder zu eröffnen. „Angesichts dieser hohen Kosten und vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Gesamtlage ist sicher nachvollziehbar, dass das Klinikum nicht in der Lage ist, eine solche Investition zu schultern“, sagte er.

Womit die hohe Differenz zu den bislang geschätzten Kosten einer Sanierung in Höhe von 200.000 Euro zu begründen ist, teilte das Klinikum nicht mit. „Für mich ist das unerklärlich“, sagte van Nüss. Die in Bieber lebende Therapeutin hatte zuletzt 14 freie Mitarbeiter beschäftigt, die Kleinkindern auch das Schwimmen beibrachten, und sich auch über den Betrieb hinaus für ihre Patienten engagiert. „Mein ganzes Vermögen steckt in dieser Praxis und jetzt weiß ich nicht einmal, wie ich meine nächste Miete bezahlen soll.“

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