Radikale Einschnitte beim Service

350 Jobs am Offenbacher Klinikum weg

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Im Service-Bereich des Sana-Klinikums stehen gut 350 Stellen vor dem Wegfall.

Offenbach - Ein schmerzlicher Eingriff: Gut 350 Mitarbeiter des Sana-Klinikums Offenbach stehen vor der betriebsbedingten Kündigung. Betroffen sind vor allem die Servicekräfte. Der unmittelbare medizinische Bereich, Ärzte und Pflegepersonal, wird verschont. Von Peter Schulte-Holtey

Entsetzen bei vielen am Sana-Klinikum Offenbach. Gut 350 Mitarbeiter, die zum Teil schon länger als 20 Jahre im Krankenhaus beschäftigt sind, verlieren spätestens zum 30. Juni 2014 ihren Arbeitsplatz. Konkret betroffen sind Schlosserei, Technik, die interne Logistik, Bettenaufbereitung, zentraler Reinigungsdienst, Cafeteria, Kiosk, Café Medicus, Mitarbeiterrestaurant, Verpflegungsassistenten, Servicekräfte, Zentralsterilisation inklusive Transport, Warentransport, Versorgungsassistenten, Patiententransport und die Müllentsorgung.

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Geschäftsführer Jens Schick will nun mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan beraten. Einsparungen insbesondere in diesem Teil des Krankenhauses seien unumgänglich: „Ohne spürbare Reduzierungen des Personals rücken schwarze Zahlen in Offenbach in weite Ferne - und das hätte negative Auswirkungen auf alle Mitarbeiter.“ Eine Alternative zum nun angestrebten Personalabbau gebe es nicht - dies hätten auch die Untersuchungen der vergangenen Wochen gezeigt.

Medizin und Pflege nicht betroffen

Sana hatte entsprechende Maßnahmen bereits bei Vertragsabschluss zur Übernahme der Verantwortung angekündigt, aber zunächst gründliche und vollständige Prüfungen vornehmen wollen. Medizin und Pflege sind von diesen Plänen nicht betroffen. Durch die Teilbetriebsstilllegung in der OKM und die Vergabe der unterschiedlichen Dienstleistungen an Sana-eigene Servicegesellschaften wird - so die Berechnungen des Klinikbetreibers - ein Einsparpotential in Millionenhöhe pro Jahr erreicht.

Betriebsratsvorsitzender Holger Renke zeigte sich völlig überrascht von dem Umfang der Kündigungen. Er kritisierte vor allem, dass die Stadt beim Verkauf des Klinikums an Sana versäumt habe, die Beschäftigten ausreichend vor betriebsbedingten Kündigungen zu schützen. Renke hat der Geschäftsführung einen 19-Punkte-Fragenkatalog zugeleitet: „Natürlich wollen wir jetzt wissen, wer denn in Zukunft die Arbeit der Kollegen unter welchen Bedingungen machen soll.“

Namen aus der Klinikgeschichte

Namen aus der Klinikgeschichte

Bürgermeister Peter Schneider wies die Vorhaltungen zurück. „Die Stadtverordnetenversammlung hat damals dem besten Kaufangebot zugestimmt - dem von Sana. Der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen ist darin nicht enthalten; wir fanden aber die Einrichtung eines Sozialfonds mit 20 Millionen Euro überzeugend. Der wird beim Sozialplan jetzt bestimmt eine entscheidende Rolle spielen.“ Zudem erinnerte Schneider daran, dass schon die alte Klinikleitung, mit Zustimmung des Stadtparlaments, den Abbau von 300 Arbeitsplätzen angestrebt habe. „Explizit sind damals auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen worden“, sagte Schneider.

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