Altes Bettenhochhaus fällt nicht vor 2022

Klinikum: 2,8 Millionen Euro Gewinn, steigende Patientenzahl

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Das Klinikum von oben: In den nächsten Jahren wird sich der Blick auf den Gebäudekomplex ändern – es stehen diverse Bau- und Abrissarbeiten bevor.

Offenbach - Das zweite Jahr in Folge schreibt das Offenbacher Sana-Klinikum schwarze Zahlen. Mit 2,8 Millionen Euro konnte es 2016 das Ergebnis des Vorjahres mehr als verdoppeln. In den nächsten Jahren sind bauliche Erweiterungen für rund 80 Millionen Euro vorgesehen. Von Veronika Schade 

Das alte Bettenhochhaus fällt aber nicht vor dem Jahr 2022. Der Traum vom gewinnbringenden Krankenhaus am Standort Offenbach hat sich für den Sana-Konzern erfüllt. Seit dem Zwangsverkauf aus kommunaler Hand im Jahr 2013 schrieb es im vergangenen Jahr zum zweiten Mal schwarze Zahlen: Mit 2,8 Millionen Euro wurde das Vorjahresergebnis von 1,1 Millionen Euro mehr als verdoppelt. „Es ist uns weiter gelungen, die Ausgaben zu reduzieren und gleichzeitig in die medizinisch-technische Ausstattung und die Standortentwicklung zu investieren“, zieht Geschäftsführer Sascha John eine positive Bilanz.

Der finanzielle Umschwung sei geschafft, das Haus habe sich einen guten Ruf erarbeitet, was sich an steigenden Patientenzahlen zeige. 38.409 Patienten wurden stationär behandelt, fast 900 mehr als im Vorjahr (37.513). In ambulanter Behandlung befanden sich 62.610 Patienten. Die Notaufnahme suchten 62.500 Personen auf.

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Die Gewinnsteigerung ist nicht durch Personaleinsparungen zu begründen, abgesehen von den an Sana-Tochterfirmen übertragenen Dienstleistungen wie Reinigung, Catering, Transportdienste und Pforte. Die Zahl der Vollzeitstellen ist auf 1594 gestiegen (1867 Mitarbeiter), im Jahr zuvor waren es 1577 Vollzeitstellen. Die meisten arbeiten im Pflegedienst (670 Mitarbeiter, davon 560 Vollzeit), es folgt der ärztliche Dienst (392 Mitarbeiter, davon 340 Vollzeit).

Das deutschlandweite Problem der fehlenden Pflegekräfte schlägt sich auch in Offenbach nieder. Zwar sind laut John derzeit alle Stellen besetzt, dennoch werden ständig Fachkräfte gesucht – vor allem in der Intensiv- und OP-Pflege. Deshalb startete das Haus die breit angelegte Kampagne www.komm-zu-sana.de. „Die Fluktuation in dem Beruf ist groß“, weiß der Geschäftsführer.

Er begründet dies mit der Lebensplanung der meist jungen, weiblichen Pflegekräfte. Deshalb sei das hauseigene Ausbildungsinstitut, die Akademie für Pflegeberufe, besonders wichtig und werde stetig weiterentwickelt. „Hier rekrutieren wir unseren Nachwuchs“, betont der Ärztliche Direktor Professor Norbert Rilinger.

Gesundheitstage am Klinikum

Dennoch ging das Klinikum im vergangenen Jahr einen ungewöhnlichen Weg und stellte 19 Pflegekräfte aus Vietnam ein. Diese haben zuvor ein komplexes Auswahlverfahren durchlaufen. „Sie sind eine gute Verstärkung für uns, alles hoch motivierte Mitarbeiter“, lobt Rilinger.

Um den Wachstumskurs fortzuführen, sind weitere Bauarbeiten erforderlich. In den nächsten fünf bis sechs Jahren wird das Gelände eine Dauerbaustelle bleiben. Rund 80 Millionen Euro will der Sana-Konzern in Erweiterungs- und Neubauten investieren. 2016 fielen die beiden Schwesternwohnheime, der ebenerdige Zugang zum Klinikum aus Richtung Parkhaus wurde hergerichtet. Im Herbst folgt auf der freien Fläche im Norden der Neubau eines sogenannten Modulgebäudes mit zwei Stationen und 60 Betten.

Danach ist eine Erweiterung der OP-Kapazität um zwei Operationssäle vorgesehen, die an die Ostfassade des Hauptgebäudes angebaut werden. Das Reinhold-Latzke-Haus, derzeit noch Verwaltungsgebäude, wird abgerissen. Eine Renovierung des 1959 errichteten Baus wäre nicht wirtschaftlich. An dessen Stelle, angedockt ans Haupthaus, erhält die Psychiatrie einen Neubau. Diesen fördert das Land Hessen mit 8,5 Millionen Euro. Außerdem sollen in dem Gebäude weitere Betten-, OP-Säle, Intensiv- und Interventionsräume Platz finden. Im Untergeschoss werden die Apotheke und Materialwirtschaft untergebracht, wofür zusätzlich der Wirtschaftshof vergrößert wird. Ein neuer Verwaltungsbau soll auf der Fläche der Schwesternwohnheime errichtet werden.

Nachtarbeit in der Stadt

Zum wiederholten Male aufgeschoben wird der größte Brocken, der Abriss des alten Bettenhochhauses. „Nicht vor dem Jahr 2022“, sagt John. Das zentrale Gebäude muss Stockwerk für Stockwerk abgetragen werden, allein das kostet 15 bis 17 Millionen Euro. „Den Standort weiter zu entwickeln ist ein Prozess, der langen Atem erfordert“, so der Geschäftsführer. „Uns ist ein ruhiger Übergang gelungen, wir sind auf einem guten Weg.“

Damit meint er auch die medizinische Entwicklung. Seit 2016 werden in Offenbach sogenannte Impella-Pumpen eingesetzt, die das Herz- und Kreislaufsystem bei akutem Herzversagen unterstützen. Bei Brustvergrößerungen kommen 3D-Simulationen zum Einsatz. Professor Peter Niehoff ist neuer Chefarzt der Strahlenklinik, Dr. Jörg Schulze kommt als Chefarzt des Instituts für Labordiagnostik und Krankenhaushygiene der gesetzlichen Verpflichtung nach, einen eigenen Krankenhaushygieniker vorzuhalten.

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