Verkauf bis März 2013

Klinikum schrammt an Pleite vorbei

Offenbach - Der Gang zum Amtsgericht war für heute fest eingeplant. Doch in dramatischen Verhandlungen mit dem Land wurde am Wochenende die drohende Pleite des Offenbacher Klinikums abgewendet. Von Frank Pröse und Matthias Dahmer

Mit Kassenkrediten sichert die Stadt den Betrieb ihres Krankenhauses, das bis 31.März 2013 unter Regie eines vom Land eingesetzten Bevollmächtigten verkauft werden soll. 

In der Nacht zum Samstag gelang in Verhandlungen mit dem Land offenbar eine Vereinbarung, welche die Pleite abwendet. Danach kann die Stadt über Kassenkredite in Höhe von bis zu 90 Millionen Euro die Liquidität des Klinikums bis zu dessen Verkauf sichern.

Nicht unbedingt als Vertrauensbeweis für die derzeitige Klinikleitung, dafür aber als Verantwortungsübernahme seitens des Landes ist zu werten, dass Professor Friedrich Grimminger das Verkaufsverfahren leiten soll. Der Ärztliche Direktor der Gesundheitszentrum Wetterau gGmbH und Leiter der Abteilung Pneumologische Onkologie an der Kerckhoff-Klinik berät seit Jahren die Landesregierung in gesundheitspolitischen Fragen. Fachleute bescheinigen ihm beste Kontakte sowohl zu öffentlichen als auch zu privaten Trägern von Krankenhäusern.

Kernziele der Vereinbarung sind dem Vernehmen nach, dass die medizinische Versorgung in Offenbach sichergestellt ist, dass ein wirtschaftlich vertretbarer Verkaufspreis erzielt, das Klinikum mithin nicht verramscht wird und dass die Arbeitnehmerrechte so weit wie möglich Berücksichtigung finden. Weitere Details der Vereinbarung werden heute vorgestellt.

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Dass die Gespräche Freitagnacht in Wiesbaden, an denen neben der Stadt das Sozial- und das Innenministerium sowie die Klinikleitung beteiligt waren, allein auf Druck von Ministerpräsident Volker Bouffier zustande kamen, wollte gestern niemand bestätigen.

Öffentlichkeit und Klinik-Mitarbeiter musste es in den vergangenen Tagen überraschen, dass zuletzt wieder von drohender Insolvenz die Rede war, hatte mit dem Verkaufsbeschluss des Stadtparlaments genau diese Gefahr ja abgewendet werden sollen. Doch hatte sich die Notlage weiter zugespitzt - unter anderem wegen einer Neubewertung der Kreditlinie durch die Sparkasse, die deshalb mit der Stadt in Verhandlungen stand.

Dem Vernehmen nach war nicht etwa fehlende Liquidität dafür verantwortlich, dass in den beteiligten Gremien mit dem unvermeidlichen Gang der Klinik-Geschäftsführung zum Amtsgericht gerechnet wurde. Es war vielmehr die Überschuldungsbilanz, die zwar erst am Freitag vorgelegt wurde, deren Ergebnis doch wohl abzusehen war. So wurde eine Überschuldung aktenkundig, worauf der Insolvenzantrag hätte erfolgen müssen.

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