Tag der Organspende

Dankbar für geschenkte Jahre

+
Zum Tag der Organspende werben am Samstag Dr. Thomas Stiegler vom Sana-Klinikum und Gerlinde Schick von der Selbsthilfegruppe Dialyse-und Nierenpatienten für den Spenderausweis.

Offenbach - Mit einer Informationsaktion haben das Offenbacher Sana-Klinikum und die regionale Selbsthilfegruppe Dialyse- und Nierenpatienten am „Tag der Organspende“ der Öffentlichkeit ein sensibles Thema näher gebracht. Von Harald H. Richter 

Für Gerlinde Schick ist die Entscheidung, sich in der Selbsthilfegruppe Dialyse- und Nierenpatienten zu engagieren, richtig gewesen. Für wichtig erachtet sie es, die Bevölkerung aufzuklären und jene Menschen, die noch keinen Organspenderausweis besitzen, zu einer persönlichen Entscheidung zu motivieren. Denn der kann für einen anderen überlebenswichtig sein. Das diesjährige Motto des bundesweiten „Tags der Organspende“ am 6. Juni konnte also kaum treffender gewählt sein: „Richtig. Wichtig. Überlebenswichtig“.

Gemeinsam mit Felizitas Schäfer, der 2. Vorsitzenden der Selbsthilfegruppe, die sich in Stadt und Kreis Offenbach sowie in der Stadt Hanau um Betroffene und deren Angehörige kümmert, verteilt sie Samstagmittag am Stand im Foyer des Sana-Klinikums Informationsbroschüren und Flyer an neugierig stehenbleibende Patienten und Krankenhausbesucher. „Organspende geht uns alle an“, sind die beiden Frauen überzeugt. Jeder könne unerwartet durch Unfall oder schwere Erkrankung in die Situation geraten, selbst ein Organ zu benötigen. Rund 11.000 Menschen warten in Deutschland darauf. Vor allem Herz, Niere, Leber, Lunge und Bauchspeicheldrüse werden gebraucht.

Wenn der behandelnde Arzt sich erkundigt, ob ein schwer krankes Familienmitglied im Todesfall als Organspender in Frage kommt, trifft eine solche Frage die Angehörigen meist unvermutet. Sie sehen sich überfordert mit der Entscheidung, ob sie ihre Zustimmung zur Entnahme geben sollen. „Darauf sollte man aber vorbereitet sein“, empfiehlt Dr. Thomas Stiegler, Transplantationsbeauftragter des Sana-Klinikums und Oberarzt der Medizinischen Klinik III. Noch immer hat die Mehrheit der deutschen Bevölkerung keinen Organspenderausweis. „Daher wollen wir mit unserem heutigen Informationsangebot den Prozess anstoßen und mit interessierten Fragestellern ins Gespräch kommen.“ Noch ist die Resonanz eher mäßig, „aber wir sind ja noch eine Weile da“, meint Gerlinde Schick zuversichtlich. Die 66-Jährige ist ohnehin ein optimistischer Mensch. Ihr Ehemann war Dialysepatient. „Und an dem Tag, als er das erste Mal ans Gerät angeschlossen wurde, habe ich den Organspenderausweis ausgefüllt, entweder um ihm eines Tages helfen oder einem anderen das Leben retten zu können.“

Diese Promis sind Organspender

Ähnliche Beweggründe haben auch Felizitas Schäfer (50) zum Handeln veranlasst. Schon seit den 80er-Jahren hat sie das Dokument im handlichen Scheckkartenformat stets dabei. „Meine Mutter war, ebenso wie ich, Dialysepatientin und bekam durch Transplantation ein neues Organ. Damals gab es gar kein langes Überlegen, ich habe mir den Ausweis besorgt.“ Vor vier Jahren bekam Felizitas Schäfer ebenfalls eine fremde Niere, ohne die sie heute möglicherweise nicht mehr leben würde. „Die Wartezeiten sind leider wieder länger geworden“, lautet die Erfahrung des Transplantationsbeauftragten. Er weiß von etwa 50 bis 100 Organsuchenden allein in und um Offenbach. Bis zu sieben Jahre müssten Dialysepatienten sich wegen eines neuen Organs in Geduld üben. Diese Phase sei nicht nur in physischer Hinsicht beschwerlich, auch der psychische Druck hoch. „Fortwährend gehen einem Selbstzweifel durch den Kopf“, erinnert Gerlinde Schick sich der Gefühlslage ihres Mannes. „Wie oft habe ich ihm dann gesagt: Sei der Dialyse dankbar, denn trotz aller Kräftezehrung schenkt sie dir weitere Lebensjahre.“

Nach ihrer Bereitschaft zur Organspende im Fall des Todes gefragt, hat zwar knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung mit Ja geantwortet, aber nur 28 Prozent ist im Besitz eines Spenderausweises. Schon ab dem 16. Lebensjahr kann jeder Mensch – ohne Zustimmung eines Erziehungsberechtigten – seine Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende festhalten und so zu einem potentiellen Lebensretter werden. „Wichtig ist daher, die Angehörigen über die getroffene Entscheidung zu informieren und mit ihnen das von Ängsten und Zweifel belastete Thema in Ruhe zu erörtern“, rät der Transplantationsbeauftragte Dr. Thomas Stiegler zu einem offenen Gespräch.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare