Kneipengänger parken weiter frei

Offenbach - Dank Wirtschaftskrise bleibt Kneipengängern und Anwohnern die Möglichkeit erhalten, kostenlos am Wilhelmsplatz zu parken. „Am Status quo ändert sich nichts“, versprach gestern Oberbürgermeister Horst Schneider. Von Alexander Koffka

Auch künftig werden Anwohner mit entsprechendem Ausweis, die allerdings um die Hälfte reduzierten Parkplätze auf dem Wilhelmsplatz rund um die Uhr gratis nutzen können. Alle anderen müssen nur tagsüber ein Ticket am Automaten ziehen. Abends bleibt das Abstellen der Blechkarossen auf dem Platz, der zwar um sieben Bäume beraubt worden ist, aber weiter als Offenbachs schönster gilt, kostenfrei.

Damit sind die Gastwirte umliegender Lokale einer Sorge ledig, die sie seit Jahren umtrieb: Dass motorisierte Gäste ausbleiben, wenn sie nicht kostenlos vor der Kneipentür parken können. Dieses Privileg wäre verloren gegangen, wenn der Plan der Stadt funktioniert hätte, die Hälfte des Platzes für 15 Jahre an einen privaten Parkplatzbetreiber zu verpachten. Als Gegenleistung sollte der Investor den Umbau des Platzes finanzieren - und die von der Stadt erarbeiteten Gestaltungsvorgaben umsetzen. Um die Investition zu erwirtschaften, hätte ein Privater die Parkflächen mit einer Schranke abgeriegelt und von allen Nutzern rund um die Uhr Geld verlangt.

Wie Schneider gestern erläuterte, hat sich kein Betreiber bereitgefunden, den Platz zu den Bedingungen der Stadt umzubauen. Das führen die Verantwortlichen im Rathaus auf die Liquiditätsprobleme der Unternehmen zurück. „Für uns liegt in der Wirtschaftskrise eine Chance“, sagt Schneider. Denn das Konjunkturprogramm von Land und Bund gibt der Stadt nun die Möglichkeit, den Platz in eigener Regie umzubauen. „Einige hatten kritisiert, wir würden den Platz privatisieren. Das hat sich nun erledigt.“

2,8 Millionen Euro von den insgesamt 11,1 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II für Investitionen jenseits der Schulen will die Stadt in die Umgestaltung des Wilhelmsplatzes stecken. Das beinhaltet auch den zweiten Bauabschnitt. In diesem ist geplant, die Straßen an den Längsseiten auf das Niveau des Platzes zu bringen. Für den Umbau der eigentlichen Platzfläche will Schneider im Mai oder Juni eine Projektvorlage im Stadtparlament einbringen. Allerdings sei es nicht ganz leicht, auf die Schnelle ein Planungsbüro für die Detailplanung zu finden. „Wir dachten ja, das macht ein Investor für uns.“ Für den unter Anwohnern, die über die Straßenbeitragssatzung mit zur Kasse gebeten werden sollen, heftig umstrittenen 2. Bauabschnitt werde die Projektvorlage frühestens im Herbst vorliegen.

Der Wilhelmsplatz wird bereits am Montag, 23. März, ab 18 Uhr in der öffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Rathaus Thema sein. „Dann wird auch über die desaströse Baumfällaktion gesprochen“, kündigte Schneider an.

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