Kneipenkultur erhalten

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Fred Hofmann (links) und Dieter Rogge in ihrem Raucherlokal „Schneider‘s Musiktreff“ an der Seligenstädter Straße. Im ganzen Raum verteilt findet man Motorräder. Die lassen den Biker nicht los und gehören für die beiden Wirte einfach dazu.

Offenbach - Die Schlagersänger Michael Wendler und Florian Silbereisen haben bei Fred Hofmann und Dieter Rogge Hausverbot. Nicht als Privatpersonen, aber ihre Musik. Denn in dem Lokal, das sie betreiben, kommt nur echter Rock auf die Plattenteller. Von Katharina Skalli

Seit etwa einem Jahr steht das Duo hinter der kleinen Theke der ehemaligen Cocktailbar an der Seligenstädter Straße 30 und bewahrt mit seinem klassischen Konzept die Kneipenkultur vor dem Aussterben. Unter dem Motto: „Best rock music in town“.

Wer das Ecklokal betritt, wird überschwänglich von Hausdame Charlotte begrüßt. Gerade so, als sei man ein Familienmitglied, das von einer zwölfmonatigen Weltumsegelung zurückgekehrt ist. Erst wenn alle Küsschen verteilt sind, sind Fred Hofmann und Dieter Rogge an der Reihe. Und erst dann, wenn Charlotte, eine zehnjährige Jack-Russel-Hündin, wieder auf ihrem kleinen Kissen Platz genommen hat.

Whiskey-Zapfsäule

Das Gespann hat aus der Bar „Schneider´s“ den „Schneider´s Musiktreff“ gemacht, eine Rockkneipe, in der geraucht werden darf. Schwer fiel es ihnen nicht, für das Ambiente zu sorgen, denn ihr persönlicher Geschmack entspricht ziemlich genau dem, was so ein Lokal ausmacht. An den Wänden hängen Plattencover aus den 70ern und 80ern. Ein Foto von David Hasselhoff darf wohl deswegen dazwischen hängen, weil Hofmann ein Autogramm von ihm hat.

Auf der Theke steht eine Whiskey-Zapfsäule und im Regal dahinter beleuchtet indirektes Licht die Gläserreihen. Es gibt nur hohe Stehtische und Barhocker. „Die lassen sich schnell umstellen und es passt immer noch einer mehr dran als man denkt“, sagt Hofmann. Im ganzen Raum verteilt findet man Motorräder. Die lassen den Biker nicht los und gehören für die beiden Wirte einfach dazu. Im Schaufenster auf einem Podest thront ein altes, schwarzlackiertes Motorrad. „Das ist eine BSA“, erklärt Fred Hofmann nicht ganz ohne stolz. Seit über 30 Jahren fährt der 52-Jährige Motorrad. Und zu diesem Hobby gehöre eben nun mal die Rockmusik. Auch im Leben von Dieter Rogge spielt die Musik eine wichtige Rolle. Vor der Idee mit der Rockkneipe und der Zusammenarbeit mit Hofmann führte Rogge das Schneider´s als Cocktailbar.

Handgemachte Musik

Donnerstags, freitags und samstags öffnet der Musiktreff ab 18 Uhr. In unregelmäßigen Abständen bittet das Duo zu Rockfeten oder lädt zum Konzert. In den Wintermonaten spielt jeden zweiten Sonntag im Monat eine Band oder ein Solokünstler. Der Eintritt ist immer frei. „Wir sehen die Konzerte als Service für unsere Gäste“, erläutert Hofmann. „Und es ist gute Werbung für uns.“ Wer spielen darf, entscheiden sie gemeinsam.

Auch wenn sonst die Musik nur aus der Anlage kommt. Im Schneider´s Musiktreff läuft nichts zufällig. Hofmann und Rogge schätzen Musik, die handgemacht ist und nicht am Computer entsteht. Selbst stehen sie nicht auf der Konzertbühne. „Das überlassen wir denen, die es besser können“, sagt Rogge, der noch als Personal- und Unternehmensberater arbeitet. Fred Hofmann kommt aus der Gastronomie. Er betreibt das mobile Rock ´n Bike Café „Coffee on Wheels“, mit dem er in den Sommermonaten durch Deutschland tourt und auf Biker-Treffen Kaffee serviert.

Im Sommer wollen sie wieder die Terrasse im Innenhof nutzen. Für Samstag, 26. März, bitten sie zur Rocknacht in die Turnhalle (Seligenstädter Straße 32). Aufspielen werden „Kiss forever“ und die „Hells Belles“. Zunächst lockt jedoch Keith Coles am Sonntag, 13. Februar, 19 Uhr, in den Musiktreff.

Im Ecklokal schwebt ein feines Gespinst Zigarettenrauch. Fred Hofmann dreht selbst. Auch am Tag hängt die typische Stimmung einer Nacht mit Rockmusik und Whiskey-Cola im Raum. Die Longdrinks gibt es wahlweise in „soft“ und „hardcore“. Aus der Anlage hinter der Bar singt Joan Jett „I love Rock ´n Roll“ und weiß nicht, wie sehr sie den beiden Gastronomen damit aus der Seele spricht. Den Offenbachern geht es aber nicht nur um die Musik. „Wir wollen, dass sich die Leute nicht mehr nur im Internet treffen, sondern wieder in der Kneipe“, sagt Hofmann. Diese Kneipenkultur wollen sie am Leben erhalten. „Der Zeitgeist hat sich verändert“, pflichtet ihm Rogge bei und meint damit die moderne Bar- und Clubszene. „Aber damit ist nicht jeder glücklich.“

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