In Rumpenheim

Kneipensterben: Schiffchen ist dicht

Rumpenheim - „Wie war es einst bequem, ins Restaurant, ins Gasthaus oder in die Kneipe zu gehen.“ Mit diesen Worten eröffnete Myke Findeklee das beliebte Erzählcafé der BI Rumpenheim. Sie wollte mit Gästen herausfinden, wie es zum Kneipensterben gekommen ist.

Und an alte Plätze erinnern, wo man früher ein kühles Bier und ein Schnitzel bestellen konnte. Geschlossene Lokalitäten – die gibt es in jüngster Zeit zuhauf. Ein Gast zählte auf: „Der Frankfurter Hof ist schon länger dicht. Im Schiffchen wechselte mehrfach der Pächter und ist mal wieder ganz zu. Nicht zu vergessen der Tennisclub. Und vor allem die ,Krone’ mit dem wunderschönen Biergarten ist verkauft und anders genutzt. Auch der ,Pferdestall’ ist zu, und das Angebot, im Goldockerhof Station zu machen, gehört der Vergangenheit an“.

Findeklee erinnerte an beinahe historisch zu nennende Häuser wie „Die alte Post“ und den „Goldenen Engel“. Da wurde deutlich, dass Rumpenheimer frühere Lokale auch mit den im Volksmund üblichen Namen im Gedächtnis haben: So firmierte die „Gaststätte Hartmann“ nur als „bei de Mutter“. „Da gab es die besten Rumpsteaks“, wusste Hans-Jürgen Burmeister. Wenn ein Lokal genannt wurde, setzte Gemurmel ein, konnte sich doch jeder an Besonderheiten erinnern. „Ja, da haben wir immer Kinderfasching gefeiert“, erinnerten sich einige. Und Hannelore Grotemeyer entsann sich mit Wehmut der früher groß gefeierten Kerb, die jährlich am ersten Juli-Samstag stattfand: „Das Fest ging über drei Tage und endete mit dem Schubkarrenrennen. Die Leute kamen von überall her, in drei Gaststätten war etwas los, alle waren proppenvoll.“

Aus und vorbei. Aber warum gibt es in Bieber noch Lokalitäten, die weit über die Grenzen hinaus Gäste bekannt sind? Was hat Bieber, was wir nicht haben? Schnell waren sich die Anwesenden einig: Bieber ist ein ganzes Stück größer als Rumpenheim und hat sich ein stärkeres Eigenleben bewahrt. Daran allein liegt’s wohl nicht. Einige meinten, das Kneipensterben habe mit dem Einzug des Fernsehens begonnen. „Rumpenheim hat sich eben zum reinen Schlafstadtteil entwickelt“, hieß es. Bruno Persichilli erinnerte sich an seine Zeit als Ernst-Reuter-Schulleiter: „Es war selbstverständlich, dass wir nach einem Elternabend in ein Lokal eingekehrt sind. Es gab etliche, die sich sogar zu regelmäßigen Stammtischen getroffen haben. Diesen Zusammenhalt gibt es heute wohl nicht mehr.“

Rainer Rist und Hans-Jürgen Burmeister meinten, das Kneipensterben hänge auch damit zusammen, dass Leute „ohne entsprechenden fachlichen Hintergrund“ versuchten, mit einer Kneipe schnellen Erfolg zu haben. „Früher sagte man: Wer nichts wird, wird Wirt“, so Burmeister. „Heute reicht das nicht mehr. Die Anforderungen in diesem Gewerbe sind immens gestiegen“, ergänzte Rist. Ein weiterer Grund für das Kneipensterben mag auch in der gestiegenen Mobilität der Menschen liegen, meinte ein Zuhörer. „Heute fährt man schnell überall hin. Oft gelten neue Lokale außerhalb von Rumpenheim als attraktiver, der Prophet im eigenen Land gilt nichts.“

Persichilli führte einen weiteren Grund an: „Früher aktive Vereine haben kaum noch Nachwuchs, einige haben sich aufgelöst. Sie brauchen keine Vereinsgaststätte mehr.“ Abschließend forderte Findeklee, einen Blick in die gastronomische Zukunft zu wagen. Der Rumpenheimer Rist: „Es kommt darauf an, jemanden zu finden, der eine gastronomische Ausbildung hat und weiß, wie man einen Betrieb führt und Gäste an sich bindet. Gerade die Gaststätte ,Zum Schiffchen’ müsste man doch erfolgreich führen können. Sie liegt günstig am Mainuferweg, Ausflügler kommen zum nahen Schlosspark, die Voraussetzungen sind günstig...“

brup

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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