König Fußball regiert bis in die frühen Morgenstunden

Offenbach - Städtisches Angebot bleibt ein Renner / Prävention ist Ziel, Fair Play das Gebot

Bürgel/Rumpenheim Eine Kleiderordnung gibt’s beim Mitternachtssport nicht. Die einen tragen kurze, die anderen lange Hosen, einige haben ihre T-Shirts oder Pullis in die Hose gesteckt, andere lassen sie lässig aus dem Hosenbund baumeln. Auch die Athletik ist unterschiedlich ausgebildet: „Wohlstandbäuche“ und „Six-Packs“ findet man gleichermaßen. Alle Sportler verbindet jedoch eines: die Freude am Kicken. 50 Jugendliche sind es an diesem Abend, die in der Jahnhalle auf Torejagd gehen.

Sie stellen selbst die Teams zusammen und geben sich Namen. Da treffen „Loser“ auf „Gummibären“. „Yes we can“ bekommt’s mit „Kanack Attack“zu tun. Die zwei 5er-Gruppen übernehmen die Mitarbeiter des Jugendamtes, das gemeinsam mit der Polizei die Veranstaltung organisiert. Und das schon seit 15 Jahren. „Die Idee haben wir damals von der Stadt Köln übernommen, seitdem bieten wir den Mitternachtssport regelmäßig an“, erklärt Rolf Scherer, Regionalverantwortlicher für den Bezirk Offenbach-Ost: jeden ersten Freitag im Monat in der Gewerblich-Technische Schule, jeden dritten Freitag in Bürgel.

Das dahinter stehende Konzept ist klar formuliert. „Der Mitternachtssport ist ein präventives Angebot, um der Jugendkriminalität einen Riegel vorzuschieben“, betont Scherer. „Wir haben in Offenbach viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, die wenige Freizeitmöglichkeiten besitzen und hier ihren Spaß haben.“ Die Zeiten, als auch andere Ballsportarten angeboten wurden, sind passe: König Fußball regiert.

Aus allen Stadtteilen sowie aus Nachbarstädten wie Hanau und Dietzenbach kommen die Teilnehmer zusammen, um ihrem gemeinsamen Hobby nachzugehen. Auch die heutigen Fußballprofis Christopher Reinhard und Daniel Endres nahmen in früheren Jahren am Budenzauber teil. Auf den „Fair-Play“-Gedanken legen die Verantwortlichen großen Wert. „Wir spielen hier nach den offiziellen Hallenregeln. Wer sich nicht benehmen kann, fliegt raus“, sagt Scherer. Das sei bislang aber noch nicht vorgekommen.

„Alles verläuft friedlich, die meisten Spieler kennen sich schon länger“, sagt Bernd Cölsch vom Jugendamt. Mit der Zeit sei die gegenseitige Akzeptanz gewachsen und die Integration fortgeschritten. „Klar gibt es mal Spannungen und Unstimmigkeiten, aber eskaliert ist’s hier noch nie“, erzählt Mostafa Harchaouen. Der Ausländerbeauftragte der Polizei ist stets vor Ort und sorgt als Schiedsrichter für Ruhe und Ordnung auf dem Platz.

Auch an diesem Abend verläuft alles friedlich und ohne Zwischenfälle. Auf Grätschen und absichtliche Fouls wird bewusst verzichtet. Die Spieler sehen sich ohnehin mehr als Einheit denn als Konkurrenz. „Es macht Spaß mit Freunden zu spielen, die Platzierung ist nebensächlich“, sagt Amine, der ansonsten für die SKG Rumpenheim aufläuft. „Alles läuft hier ungezwungener ab, man kann auch mal tricksen“, ergänzt Sharaf, der für den BSC 99 kickt. Das Teilnehmerfeld setzt sich aus Vereins-Fußballern und Hobby-Kickern zusammen. Ein neues Gesicht beim Mitternachtssport ist Marvin, der es schön findet, dass „hier nicht alles auf die Leistung fixiert ist.“

Gökay ist seit drei Jahren regelmäßig dabei und hat auch schon den einen oder anderen Kontakt geknüpft. „Man lernt schnell andere Leute kennen, die Veranstaltung hat sich gut herumgesprochen“, berichtet er. Punkt Mitternacht ist für die unter 18-Jährigen Feierabend. „Das wurde klar kommuniziert, die Jugendlichen wissen Bescheid“, erklärt Harchaouen. „Bei Unstimmigkeiten ist die Polizei ja auch gleich zur Stelle“, ergänzt er schmunzelnd. Das Turnier endet in der Regel dann gegen zwei Uhr morgens. „Wir haben aber auch schon bis um vier gespielt“, erinnert sich Scherer. Der Gewinner erhält weder Pokal noch Siegprämie, dafür aber jede Menge Süßigkeiten.

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