Was können wir noch Gutes tun?

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Dynamisch in die Stadtwerke-Zukunft - Teamarbeiter Peter Walther mal allein auf dem weiten Flur des Stadtwerke-Domizils an der Senefelderstraße.

Offenbach ‐ Er stehe auf Teamarbeit, schickt er voraus. Peter Walther will damit nicht nur begründen, wieso er zum ersten Pressegespräch als Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) seine Öffentlichkeitsarbeiter Regina Preiß und Oliver Gaksch hinzugebeten hat. Es soll wie ein Motto für eine neue Ära an der Senefelderstraße klingen. Von Thomas Kirstein

Und es kann als dezenter Hinweis gedeutet werden, dass der alleinige SOH-Geschäftsführer Peter Walther mit dem herausgehobenen und für die großen Projekte verantwortlichen Prokuristen Dieter Lindauer ein starkes Team bilden will. Politischen Turbulenzen um die Nachfolge des die SOH und ihre Firmen jahrelang prägenden Joachim Böger ist geschuldet, dass die beiden nicht die ursprünglich als gleichberechtigt gedachte Doppelspitze bilden.

Teamarbeit ist für den Betriebswirt Walther in seiner neuen Rolle als „Steuerer“ ohnehin geboten: Schließlich sollen 16 Gesellschaften mit jeweils eigenen selbstbewussten Geschäftsführern unter dem einen Dach der SOH gedeihen.

„Verantwortung, Positives zu bewirken.“

Der neue Mann auf einer der einflussreichsten nicht-politischen Positionen der Stadt ist ein Offenbacher Kind. Der Stadt seit jeher verbunden und nie untreu geworden; mit Frau und beiden Kindern hier verankert; Kickers-Fan; in der Stadtfirmen-Familie beruflich aufgestiegen; früh gefördert vom Vorgänger Böger, der ihm zutraut, eigene Akzente zu setzen; 15 Jahre Einblick in den Stadtkonzern. Prokurist der Verkehrsbetriebe und des Stadtdienstleisters ESO; nach SOH-Gründung 2000 zunächst Mitglied eines Führungs-Triumvirats neben GBO-Chef Winfried Männche und Böger; weiterhin Chef des ESO.

Peter Walther wurde am 21. Januar 1966 in Offenbach geboren. Er besuchte die Beethoven- und anschließend die Leibnizschule. Von 1985 bis 1987 absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der MAN Roland Druckmaschinen AG. Von 1988 bis 1993 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Als private Aktivitäten nennt der zweifache Vater die Mitgliedschaft im Lions-Club Lederstadt Offenbach und das soziale Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde.

„Ich will auch gar nicht weg aus meiner Stadt“, sagt Peter Walther und übt sich in gewichtigen Worten: „Als Offenbacher sehe ich für mich die ganz feste Verantwortung, langfristig etwas Positives für die Stadt zu bewirken.“

Aktuell heißt das, erst einmal den Auftrag des Magistrats zu erfüllen und ein Konzept vorzulegen, wie sich der kommunale Konzern für die Zukunft ausrichten soll. Peter Walther kennt die Befindlichkeiten, die damit zusammenhängen.

Manch einem Kommunalpolitiker in der Koalition aus SPD, Grünen und FDP ist suspekt, dass sich die Stadtentwicklung immer mehr der Stadtverordnetenversammlung zu entziehen scheint. Zunehmend übernimmt der Stadtkonzern unter dem Einfluss des Magistrats das, was die Stadt selbst nicht finanzieren kann. Für Unruhe sorgte ein inoffizielles Strategiepapier aus der Feder von Ex-Chef Böger und Prokurist Dieter Lindauer, das eine recht selbstständig als „Werttreiber für Offenbach“ agierende SOH skizziert.

„Bewiesen, dass wir uns behaupten können.“

Peter Walther mag sich in einem so frühen Gespräch noch nicht auf Strategie-Details festlegen. Die Stadtwerke Holding wird er jedenfalls nicht neu erfinden. Vieles sei bei der Gründung 2000 richtig gewesen, über andere Dinge müsse man heute nachdenken. An der Grundidee gebe es nichts zu rütteln: Damals galt es, relativ kleine, seit den frühen 90er Jahren durch die Auslagerung vormals amtlicher Aufgaben entstandene Unternehmen unter ein Dach zu packen. Schlagkräftiger sollten sie werden, Kosten in den Griff bekommen, Arbeitsplätze sichern, fit für den Wettbewerb mit Privaten werden.

Für das Jahr 2008 weist der Konzernabschluss der Stadtwerke Offenbach Holding eine Bilanzsumme von 336,8 Millionen Euro aus, die Umsatzerlöse belaufen sich auf 89,9 Millionen Euro, als Jahresergebnis blieben 8,7 Millionen übrig - der Gewinn ist in erster Linie der Dividende aus der Beteiligung an der Energieversorgung Offenbach zu verdanken.

„Wir haben bewiesen, dass wir uns auf dem freien Markt behaupten können und als stadtinterner Dienstleister auch ohne Konkurrenz wirtschaftlich arbeiten können“, betont Walther. Die Stadtfirmen haben jetzt gemeinsame Personalplanung, werfen Ressourcen zusammen, sind teils mit privaten Partnern zusammengegangen.

Man behauptet sich überregional gegen private Mitbewerber. Der ESO entsorgt zunehmend in Kreisgemeinden. „Bis 2014 soll der ESO nur noch 50 Prozent seines Umsatzes mit der Stadt Offenbach machen“, nennt Walther ein ehrgeiziges Ziel für das Unternehmen, das er neben der SOH leitet.

Was aus seiner Sicht geändert werden sollte, ist die Intensität des Einflusses auf die Unternehmen. Walther packt Kritik am Status Quo in eine Frage: „Wie hat die SOH in den letzten Jahren ihre Führungsrolle gegenüber den Töchtern erfüllt?“ Mehr Kompetenzen sind dem neuen Mann nicht unbedingt zugestanden worden. Ausdrückliche Weisungsbefugnis gegenüber nachgeordneten Chefs besteht nicht, aber Walther setzt sowieso auf kollegiale Überzeugungskraft: „Die Geschäftsführer haben eine große Selbstständigkeit - Aufgabe der SOH ist, die Aktivitäten zusammenzubinden.“

Vorgänger verzichtete auf Vertragverlängerung

„Ich bin der Kaufmann, zuständig für finanzielle Planung und Abstimmung der Zahlen“, beschreibt Walther einen Teil seiner Rolle. „Wir nehmen über unser Knowhow zwar Einfluss auf die Töchter, reden ihnen aber nicht in ihr eigentliches Geschäft rein.“ Partnerschaftlich müsse man miteinander umgehen, „um für die Stadt Offenbach gemeinsame Verantwortung zu tragen“.

Echte Tochterfirmen sind: ECO (Event Center Offenbach, Capitol), EEG (Entwicklung, Erschließung, Gebäudemanagement), ESO Dienstleistungsgesellschaft und ESO Servicegesellschaft, GBM (Gebäudemanagement), GBO (Gemeinnützige Baugesellschaft), Mainviertel GmbH (Hafen), MMO (Main Mobil Offenbach, Busse), OPG (Offenbacher Projektverwaltungsgesellschaft), SFO (Sport- und Freizeit GmbH, Stadion), Stadthalle Offenbach Veranstaltungs GmbH.

Dies soll auch für die Entwicklungsphase des von der Politik geforderten Vorschlags zur strategischen Ausrichtung gelten. Es werde ein intern abgestimmtes Papier geben, nach einem Diskussionsprozess. „Aber keinem, der ergebnisoffen wäre“, schränkt der SOH-Chef ein und preist seine Geschäftsführer umgehend als „überzeugte Arbeiter für ihre Stadt Offenbach“.

Als Vorgänger Böger auf Vertragverlängerung verzichtete, gerieten die Stadtwerke ins Polit-Spiel. SPD-Vorsitzender Stephan Wildhirt erhob mit Unterstützung der Fraktion Anspruch auf den Chefposten. SPD-OB, FDP, Grüne und CDU votierten für Lindauer und/oder Walther. Zur personellen Debatte gesellte sich die inhaltliche. „Es war nicht ganz klar, wo’s hingehen sollte, nachdem Joachim Böger seinen Rücktritt erklärt hatte“, sagt Walther.

Für die Zukunft wünscht er sich eine möglichst breit getragene politische Rahmensetzung. Formal kein Problem: „Der Magistrat ist der Gesellschafter, der die Richtung vorgibt, unsere Aufgabe ist, ihn mit unserem Knowhow und unserem bundesweiten Überblick zu beraten.“ Zum Beispiel bei der Elektromobilität: Nachdem der Stadt die Ehre zuteil wurde, Leitstelle für die ganze Region zu sein, sei aufzuzeigen, welcher Nutzen – Firmenansiedlungen, Arbeitsplätze – sich langfristig daraus ergeben könnten.

Zentrale Aufgabe des Stadtkonzerns wird immer sein, was Walther als „Grundgerüst der Daseinsvorsorge“ bezeichnet - Verkehr- und Beförderung, Müllabfuhr, Abwasserbeseitigung, Friedhöfe, über die assoziierte EVO die Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung. Dazu kommt als Kür das Projekt „Besser leben in Offenbach“.

„Wir sind der Problemlöser für die Stadt.“

Mit dem Magistrat und den Stadtverordneten müsse „vereinbart werden, was wir sonst noch Gutes tun können“. Die Offenbacher Projektverwaltungs GmbH OPG ist bereits mit weitreichenden Aufgaben betraut worden, auch um zu vermeiden, dass SOH-Vermögen einer Auflage des Regierungspräsidenten entsprechend in den defizitären Stadt-Etat fließt. Stattdessen kaufte die SOH städtische Grundstücke und kann sie jetzt vermarkten - unter anderem das Baugebiet An den eichen, der frühere Lohwald, und das Buchhügel-Areal, auf dem das Land das neue Polizeipräsidium bauen will. Geplant wird für Hafenviertel, Erasmus-Schule, das Sportzentrum Wiener Ring und als populärstes Projekt das neue Stadion auf dem Bieberer Berg, in das neben Landes- auch SOH-Millionen gesteckt werden.

Beteiligt ist die Stadtwerke Holding an der Energieversorgung Offenbach, der Bus-Firma Main Mobil Frankfurt und der Rhein-Main-Deponienachsorge GmbH.

Zu den Aufgaben einer steuernden Konzernmutter wird auch gehören, die im Laufe der Jahre unübersichtlich gewordenen Zuständigkeiten zu klären und künftig Doppelstrukturen zu vermeiden. „Alle kümmern sich mal um was“, hat Peter Walther erkannt. Seine Beispiele: Die SOH baute das ehemalige Gesundheitsamt zur Erasmus-Schule um; die EEG steuert die Sanierung aller Schulen, die GBO bewerkstelligt den Umbau der Hartnack-Schule zum Studentenwohnheim. Nach Walthers Vorstellung muss für die Zukunft festgelegt werden, wo solche Aufgaben gebündelt werden.

Für Peter Walther indes steht fest: „Wir sind der Problemlöser für die Stadt. Wenn der Magistrat kommt, stehen wir Gewehr bei Fuß.“ Als Team, versteht sich.

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