Körper kann mal regenerieren

Was Fitnessstudios und Sportlehrer für die Corona-Zwangspause raten

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Noch eine Alternative zur „Fitte“: Beim Trab oder Spaziergang am Mainufer ist aber auf Abstand zu achten.

Online-Kurse, Trainingspläne und Kontrolle per App - Fitnessstudios und Sportlehrer aus Offenbach werden während der Corona-Zwangspause kreativ.

Offenbach – „Unser Geschäft ist vorübergehend geschlossen.“ Diese Mitteilung hängt zurzeit auch an den Türen der Fitnessstudios in Offenbach. Für die Kundschaft ein harter Schlag, muss sie doch ihre freie Zeit nun vorerst ohne Hantelbank und Laufband verbringen.

Doch die Mucki- und Ausdauerbuden bieten dafür Alternativen an. Das McFit-Studio, das sonst seine Kunden am Odenwaldring willkommen heißt, bietet in der Zeit, in der es wegen der Corona-Krise nicht geöffnet hat, über eine eigene App kostenfreie Online-Kurse an, die den Mitgliedern ein Training zu Hause ermöglicht. Wer sich keine App auf sein Smartphone laden will, dem hilft das Studio mit Mitmach-Kursen weiter, die für Mitglieder gratis auf dessen Webseite zu finden sind.

Die Inhaber des Fitness-Parks in der Rowentastraße, Thomas Eisenacher und Harry Kakas, nutzen die Zeit, um den begonnenen Umbau des Studios zu beenden.

Inhaber von Fitnessstudio in Offenbach gelassen

„Wir haben vor kurzem den Spinning-Raum fertiggestellt, jetzt geht es an Feinheiten wie Wände streichen oder Geräte warten“, erzählt Kakas. Ein Fitness-Programm für ihre Kunden, das diese dann zu Hause absolvieren, ist in Planung. „Wir versuchen Cyber-Training aufzubauen“, so Eisenacher, der seinen Kunden damit auch im Netz zur Verfügung stehen möchte. Bis dahin werden allerdings noch einige Tage vergehen. „Es ist noch alles im Aufbau, wir müssen erst mal abwarten, wer sich überhaupt alles meldet“, sagt Kakas.

Der erzwungenen Pause kann er auch etwas Positives abgewinnen: „Die Sportjunkies haben natürlich daran zu knabbern, aber jetzt kann ihr Körper mal regenerieren. Es ist für sie eher besser als schlechter.“ Sorgen um möglichem Muskelschwund sieht er gelassen. „Auch wenn vorher fünfmal in der Woche trainiert wurde, lässt sich in zwei bis drei Wochen wiederaufbauen“, meint er. Um die Wartezeit zu überbrücken, empfiehlt er seinen Kunden, sich Trainingsvideos auf den gängigen sozialen Medien anzusehen und die Übungen zu Hause nachzumachen.

Die fälligen Mitgliedsbeiträge, die monatlich abgebucht werden, ersetzt das Studio nach der Beendigung der Mitgliedschaft beitragsfrei. Angst, dass die Pause den Fitness-Park finanziell in Schwierigkeiten bringt, hat Kara vorerst nicht. Zwar sei es wahrscheinlich, dass Mitglieder austreten werden, „aber einen Monat können wir das schaffen“, betont er. Für Thomas Eisenacher zählt in dieser Situation nur, „dass die Leute gesund bleiben.“

Los geht’s! Mahir Öztas hat das Foto seinem Lehrer nach Absolvierung des 50-minütigen Laufs gesendet.

Sportlehrer aus Offenbach gibt Schülern Trainingsplan

Das wünscht sich auch Lars Blumeyer für seine Schüler. Daher hat er sich für seine Schützlinge für die Zeit, in der die Schulen geschlossen sind, etwas einfallen lassen. Der Schulsportkoordinator der Stadt und Sportlehrer an der Ernst-Reuter-Schule entwickelte einen Trainingsplan damit die Schüler auch in der schulfreien Zeit aktiv bleiben. „Ich habe das im Sinne der Fachberatung gemacht. Es soll als Anregung für andere Sportlehrer dienen“, so Blumeyer. Er hat dabei alle Jahrgangsstufen zwischen der ersten und zehnten Klasse im Blick. So sollen die Erst-bis Siebtklässler unter anderem 20 Luftsprünge machen. Für alle Aufgaben hat Blumeyer Hilfen und Tipps beigefügt.

Auch für die älteren Schüler gibt es Übungen. Für alle, die den Sportkurs Fußball besuchen gilt es, in der ersten freien Woche einen 50-minütigen Lauf zu absolvieren. Zur Kontrolle nutzt Blumeyer eine App, die sich die Jugendlichen auf das Handy laden. „Ich lasse mir von den Schülern dann einen Screenshot schicken, mit dem ich kontrollieren kann, ob sie die Aufgabe auch gemacht haben“, erläutert Blumeyer. Er betont, dass er sonst keinerlei Kontakt zu seinen Schülern über das Handy habe, aber in diesem Fall sei es nicht anders möglich. Bisher ist der Sportlehrer mit den Ergebnissen zufrieden: „Sie haben gepasst.“ Er betont, dass dieses System auch auf Vertrauen basiert. „Vor allem bei Schülern, die nicht die technischen Mittel haben, sich diese App zuzulegen.“

Offenbach: OFC-Handballer trainieren individuell

Auch seine Schützlinge sind davon angetan. Der 14-Jährige Mahir Öztas, der die neunte Klasse des Realschulzweigs besucht, hat den Lauf schon hinter sich gebracht. „Ich finde das gut, solche Aufgaben zu bekommen. Wir müssen damit nicht nur zu Hause sitzen. Es ist gut, dass ich mich damit fit halten kann“, sagt er. Für ihn sei es zudem normal, solche Läufe zu machen, da er auch in seiner Freizeit Fußball spiele. Aber auch seine Mitschüler hält Blumeyer mit diesen Übungen auf Trab, denn „ich lasse das mit in die Sportnote einfließen“, betont er. Dadurch ist er sich sicher, dass seine Schüler die freie Zeit sinnvoll nutzen.

Und was machen die Vereine? Christian Seliger, Trainer der OFC-Handballer, hat zum Beispiel seinem Landesliga-Team ein straffes Programm auferlegt – obwohl die Runde offiziell beendet ist. „Wir sollten aber für alle Eventualitäten gerüstet sein, und da hilft körperliche Fitness.“ Seliger setzt auf Disziplin: Dreimal die Woche laufen, davon zweimal Intervall 4-5-6-5-4 mit jeweils zwei Minuten Pause plus zwei Beweglichkeitszirkel. Damit sollte die Fitness erhalten bleiben...

VON JOSHUA BÄR

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