Kokser- und Räuber-Team verurteilt 

Offenbach (tk) - Der Jüngere wird zwei Jahre und zehn Monate sitzen, der Ältere läuft ein Jahr und neun Monate auf Bewährung frei herum.

Nach Überzeugung des Schöffengerichts unter Vorsitz von Richter Manfred Beck bildeten der 29-jährige Verkäufer und der 23-jährige Arbeitslose „eine Kokser- und Räubergemeinschaft“. Diese flog auf, nachdem sich am 21. August mitten in der Nacht ein 21-jähriger, hörbar schwer betrunkener Gymnasiast bei der Polizei gemeldet hatte: Zwei Männer hätten ihn niedergeschlagen und ihm das Handy abgenommen; mit Freunden habe er die Täter gestellt und halte sie in Schach.

Zwei Beamte sahen sich an einer Tankstelle den beiden mutmaßlichen Tätern sowie dem von einem Freund und einer Freundin (Angestellter, Krankenschwester, beide nüchtern) unterstützten Anrufer gegenüber.

Keine Beweise für einen Überfall

Zunächst gab es keine Beweise für einen Überfall, das Beute-Handy war verschwunden. Weitere Ermittlungen der Kriminalpolizei erhärteten jedoch den Verdacht gegen die Angeklagten. Erschwerend kam hinzu, dass der 29-Jährige kurz vor Eintreffen der Polizei die Handtasche der Krankenschwester aus dem Auto gemopst hatte.

Bei der Polizei gestand der Mann, in dem betrunkenen Schüler hätten er und sein Kumpel ein leichtes Opfer gefunden. Die Beamten hätten nichts finden können, weil sie das Handy schon zuvor weggeworfen hätten.

Vor Gericht Geständnis wiederrufen

Vor Gericht widerrief er sein Geständnis. Er habe einfach nur nach Hause gewollt und deshalb der Polizei etwas erzählt. Während Staatsanwalt Christoph Keller diese Version nicht ausschließen wollte und daher keine Verurteilung wegen Raubs beantragte, sah das Gericht dies anders. Es vermochte keinen Grund zu erkennen, warum der 29-jährige sich wahrheitswidrig selbst belastet haben sollte. Kriminalhauptkommissar Christian Klinger schilderte aus Sicht des Gerichts überzeugend, dass der Verdächtige tatsächlich zerknirscht erklärt habe, dass er mit seinem kriminellen Leben abschließen und zu Frau und Kind zurückkehren wolle. Die Gattin, Rechtsanwaltsgehilfin aus Frankfurt, hatte ihn nämlich vor die Tür gesetzt, weil er nicht den Umgang mit dem 23-Jährigen sein lassen wollte. Dass gemeinsame Kokainsucht den Verkäufer und den Arbeitslosen verband, ahnte die Ehefrau nur.

Richter Beck erfuhr auch, warum der 29-Jährige auf die schiefe Bahn geriet: Seine Eltern hätten ihn nie geliebt, er sei von zu Hause weg, habe auf der Straße gelebt, wisse nicht, wohin mit seinen Aggressionen. Jetzt will er eine Therapie machen. An der Verurteilung als Räuber ändert das nichts.

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