Kolpingelfer nehmen begeistertes Publikum mit durch allerlei lustige Turbulenzen

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Jenny Korb von den Sprendlinger Bimmbären steuerte den Solotanz des Abends bei.

Offenbach ‐ Schade. Man hätte gern erlebt, was die Kolping-Stewardessen zum Auftakt ankündigten: „Sollte der Druck auf die Lachmuskeln zu groß werden, fallen automatisch Pappnasen von der Decke...“ Von Thomas Kirstein

Dass dies ausbleibt, liegt nicht an mangelndem Einfluss auf die Heiterkeitsorgane im ausverkauften Kolpinghaus. Die Fastnachtstruppe des katholischen Sozialvereins hat sich wieder alle Mühe gegeben, das Eintrittsgeld für eine ihrer beiden Sitzungen zur lohnenden Investition werden zu lassen. An diesem Samstag erfreuen das Auge nicht nur Tänze von Geübten - solo Jenny Korb vom Sprendlinger TSC Bimmbär, in Formation die Heusenstammer Disharmonie -, sondern besonders auch choreographische Herausforderungen an Anfänger.

Beim ersten Durchgang am 23. Januar gab Sitzungspräsident Roland Wernig dem lederanischen Prinzenpaar die Hausaufgabe mit, fürs zweite Mal mit OKV-Gefolge einen „Line Dance“ einzustudieren - Prinzessin Carolin I. ist in dieser Tanzsportart sehr versiert. Dass die Erledigung ein echter Hingucker wird, verdankt sich dann einem locker moderierenden Prinz Matthias II., der die Reihen der OKV-Granden mit von der Zwangsverpflichtung überraschten Kolpingelfern auffüllt. Ansonsten hat Sitzungs-Chef Wernig das Heft fest in der Hand, münzt wie gewohnt Witze auf die Akteure, schaut kurz aufs vergangene Jahr zurück und scheut dabei auch weder Deftiges noch humoristische Untiefen - warum Guido Westerwelle kein Umweltminister wurde? Wegen der Erderwärmung...

Politisch-wirtschaftliche Spitzen fehlen

Ebenfalls für Blicke auf die Vergangenheit zuständig ist Protokoller Jürgen Kofink. Der Gemaa-Elfer - Markenzeichen: „...des is rischtisch, nur kenne muss mers, des is wischdisch“ - gelangt vom Bundes- und Weltgeschehen zum örtlichen - Kastanien-Rabatz auf dem Wilhelmsplatz, verschobener Klinik-Umzug, Autos in den Main leitendes Navigationsgeräte und die Knöllchenhochburg Offenbach drängen sich einer Erwähnung auf.

Dem Bütten-Nachwuchs   eine Chance: Maximilian Rebell gibt den Frischling in blauer Elfer-Gala, der nicht viel ältere Ex-Prinz Thomas Isser seinen Lehrmeister. Man lernt, dass Themen für Vorträge in den Bereichen Politik, Wirtschaft oder Beziehungen zwischen Mann und Frau zu suchen seien, aber auch, was ein echtes Seniorenhandy ausmacht: die einstellige PIN-Nummer und die zehn Eingabeversuche.

Die echten alten Hasen, die dann in die Kolping-Bütt steigen, ignorieren freilich weitgehend das Themen-Gebot der Lehrstunde. Politisch-wirtschaftliche Spitzen fehlen, dafür geht’s um so häufiger deutlicher ums Verhältnis zwischen (Ehe-)Mann und (Ehe-)Frau. Und das trifft durchaus auch für Hildegard Ball zu, die aus dem Nähkästchen einer Klein-Auheimer Pfarrhaushälterin plaudert.

Wilma und Dieter Reinhardt zoffen sich herzlich garstig bei der Verarbeitung der diesjährigen Urlaubsreise, die fatalerweise mal nicht in die gewohnte Türkei, sondern auf die (Alp-)Trauminsel Mallorca führte. Man hört von der Odyssee durch Hotels und vom Fäkal-Gliding über der Bucht von El Arenal. Dass Dieter Reinhardt an diesem Tag seinen 66., also fastnachtlichen, Geburtstag begeht, bringt ihm besondere Geschenke vom Veranstaltungsleiter ein. Roland Wernig überreicht feierlich Doppelherz und Apothekenumschau.

Musikalischer Ausklang mit den „Randstaajodlern“

Hubert Ball, Kolpingbruder aus Klein-Auheim, ist seit ewigen Kampagnen der ebenso ewige Versager „Egon“. Das Feld des „Püsischiader“-Patienten ist das Absurde, der Nonsens mit kalkuliert vorhersehbarer oder verzögert ankommender Pointe - „des war en Teebeutel-Witz, den muss mer ziehe lasse.“ So wie die Nachricht vom „Katerfrühstück“, das sich der Egon mit den Kegelbrüdern gönnte: „ Mei Lisbeth, die war ganz schee bös. Die hat so an dem Vieh gehange.“

Hier ein Egon-Satz und gleich drauf der Effekt, dort die im fast klassischen Versmaß auch binnengereimten auf die Pointe hinarbeitenden Scherztiraden: Der Offenbacher Kolpingelfer Wolfgang Braun pflegt seit jeher als unbestrittener Meister der Aufzählung einen ausgefallenen Stil.

In diesem Jahr ist er der Heimwerker, den es in programmierte und überraschende Katastrophen treibt. Wo sich weibliches „lamentiern“ auf männliches „dabbeziern“ reimen darf, wird flüssig daherkommender Spaß und zäher Tapetenleim zu einem Beuysschen Kunstwerk angerührt: „Fett und Filz, die sin vergänglich, mein Kleister, der babbt lebenslänglich.“

Ähnlich fest klebt seit vielen Jahren Eberhard Wernig an seiner „Perpetua-Marie-Dietlinde“. Als „Heulsuse“, mit der unvermeidlichen Klorolle auf der Haube, zählt er zu den festen Größen der Offenbacher Fassenacht. Über seine Beziehung lässt er wissen: „Ich hab ned gewusst, was es heißt, glücklich zu sei, bis ich geheirat hab. Awwer dann war’s zu spät.“ Die „Heulsus“ weiß, wie man im Saal abräumt - mit gescheitem Witz, aber auch mit kleinen massenerheiternden Unappetitlichkeiten.

Den musikalischen Ausklang gestalten wie immer die „Randstaajodler“ um Thorsten Haag. Der ist aber nicht nur Sänger und Gitarrist, sondern auch Präsident der Kolping elfer. Als solcher zeichnet er an diesem Abend wichtige Persönlichkeiten aus, die zwar den Gästen meist verborgen bleiben, für das Gelingen der Schau aber unverzichtbar sind: Den zuvor erst achtmal verliehenen und entsprechend bedeutenden „Bruba“-(für „Brustbambler“)Orden gab diesmal gleich doppelt, für „die Madda un de Kall“. Martha und Karl Lückhardt sind als unermüdliche Helfer hinter den Kulissen die guten Seelen der Kolping-Fasse nacht.

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