Fünfte Auflage

Komische Nacht: Amore mit dem Routenplaner

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Der fränkische „Liederchaot“ Atze Bauer gibt, sich selbst auf der Gitarre begleitend, Parodien oft gehörter Radio-Popsongs zum Besten.

Offenbach - Die Komische Nacht bleibt ein Publikumsmagnet. In fünfter Auflage traf die Kleinkunst-Veranstaltung auf ausverkaufte Säle. Acht Komiker betraten im Rotationsverfahren die Bühnen von acht Lokalitäten. Von Claus Wolfschlag 

„Natürlich gibt es da Unterschiede, aber ich mag die verschiedenen Situationen, habe keine Präferenz“, erläuterte Roberto Capitoni. „In einem kleinen Lokal herrscht fast intime Atmosphäre, in einem Saal mit großer Bühne besteht eher die klassische Veranstaltungssituation. “.

Capitoni lernte beide Varianten kennen. So stand er in der Brasserie beau d’eau und im Markthaus in engem Kontakt zum Publikum. Einen größeren Rahmen bildeten KJK Sandgasse und Wiener Hof, wo er den Abend beendete. Der Deutsch-Italiener spielte unterhaltsam mit den zwei Kulturen in seiner Brust. Recherchierten Italiener vorrangig nach „Amore“ im Internet, stehe beim Deutschen der „Routenplaner“. Er selbst reiße sich vor seiner Frau die Kleider italienisch vom Leib, um sie sorgfältig auf deutsche Art zusammenzulegen. Bei seiner Geburt habe man ihn nur durch schwäbische Speisen und Bausparvertrag aus der Gebärmutter locken können. Nun sei er Ehemann und damit am Ende der Nahrungskette angelangt, hinter dem Hund. Dabei sei doch 70 das ideale Alter, eine Familie mit Kindern zu gründen. Man müsse da schließlich nachts mehrfach aus dem Bett und könne sich um das schreiende Kind kümmern.

Ähnliche halbitalienische Herkunft wies Heinrich Del Core auf, ebenfalls aus Baden-Württemberg. Schwäbelnd plauderte der Dentaltechniker über Zahnarztpraxen, Urlaub in Italien, Brustvergrößerungsgutschein als Weihnachtsgeschenk und die Verrücktheiten neuer Kommunikationsmittel. So teile die Tochter dem Vater via Facebook mit, dass sie duschen gehe. Und der Vater klicke „gefällt mir“ an. Auf die Frage, ob sein Idiom regional unterschiedlich Anklang finde, antwortete Del Core: „Da erkenne ich keine Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland.“

Auf ihn folgte der fränkische „Liederchaot“ Atze Bauer, der mit Gitarre Parodien oft gehörter Radio-Popsongs zum Besten gab. Da wurde „Dragostea Din Tei“ verballhornt, Lieder der Sugarhill Gang und von Manfred Mann. Und Katy Perrys „California Girl“ wurde mittels Übersetzungsprogramm in schräges Deutsch übertragen. Wirt Reinhard Prekel war zufrieden: „Das vielseitige Programm dient dazu, Künstler für spätere Soloauftritte auszukundschaften. Ein, zwei Ausfälle steckt man bei fünf Auftritten gut weg.“

Mit dem Publikum interagierten

Mit dem Publikum interagierten der iranischstämmige Masud und der deutsch-jüdische Oliver Polak. Masud schilderte, dass er Supermärkte als Revier für billige Flirts aufsuche, als Single seine Ansprüche indes heruntergeschraubt habe. Einige erhaltene Zähne bei der Partnerin genügten mittlerweile. So verteilte er Visitenkarten an zu spät gekommene Frauen. Mit sprödem Charme karikierte er türkische Friseure und deutsche Wurstbudenbetreiber. Keiner nahm es ihm übel, als er über Lehrer im Publikum und deren hohen Altersschnitt feixte.

Roberto Capitoni reißt sich die Kleider italienisch vom Leib und legt sie deutsch zusammen.

Das war bei Polak anders, der stark polarisierte. Einerseits ermöglichte ihm seine Stellung als „einziger jüdischer Comedian Deutschlands“ besondere Freiheiten; andererseits schoss er häufig übers Ziel hinaus. Schon die Begrüßung „Guten Abend, Frankfurt“ führte zu Raunen. Von Minderheiten war die Rede – Schwarzen, Schwulen und „Ossis mit Job“. Bei einer Zigeunerin habe er nie gewusst, ob sie Petting mache oder ihn nach Wertsachen abtaste. Einer Prostituierten habe er auf die Frage nach Vorlieben mitgeteilt, dass er es „jiddisch“ wolle. Unsicher habe sie gesagt, dass sie neu sei, deshalb biete sie ihm Sex zum halben Tarif an. „Genau das ist jiddischer Sex“, so Polak. Auch wenig geschmackvolle Witze über Krebspatienten und Kinderschänder förderten Unmut. So mischten sich in den Applaus Buh-Rufe. Ein Besucher mokierte sich über „geschmacklos vorgetragene Vergewaltigerwitze“, einer versuchte, Verständnis aufzubringen: „Komik muss nicht immer politisch korrekt sein. Das war Till Eulenspiegel auch nicht.“

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