Lachsalven am Fließband

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Die Lounge war eines von acht Lokalen, in denen deutsche Komik im Rotationsprinzip serviert wurde.

Offenbach - Die Premiere im Januar erwies sich als derartiger Erfolg, dass sich die Organisatoren zu einer Neuauflage noch in diesem Jahr entschlossen. Und zwar mit einem faktisch vierfach erweiterten Konzept. Von Claus Wolfschlag

So wartete die zweite „Komische Nacht“ am Donnerstag mit acht Comedians und Spielstätten auf, jeweils zwei mehr als noch vor acht Monaten. Mit von der Partie waren diesmal auch die Brasserie „Beau d’eau“ und das Kulturzentrum Hafen 2.

„Uns ist wichtig, einen Querschnitt der aktuellen Comedyszene in Deutschland zu zeigen“, hatten die Organisatoren Thomas Schulz und Kai Schmidt vom Verein Offenbach am Meer im Vorfeld verlauten lassen. Tatsächlich haben viele der auf acht Bühnen in der Stadt gastierenden Komödianten bereits einen nicht unbeträchtlichen nationalen Bekanntheitsgrad erreicht, sind etwa im „Quatsch Comedy Club“ oder bei „Nightwash“ aufgetreten.

Das interessante Konzept: Die Besucher bleiben an einem Ort, während die Komiker im Rotationsverfahren durch die Lokale wandern. Auf jeder Bühne sind im Laufe des Abends fünf Künstler zu sehen.

Komische Nacht in Offenbach

Sechs Orte in Offenbach und sechs Komiker, die die verschiedenen Lokale abklapperten: Viel Spaß hatten die Besucher des ersten Offenbacher Comedy-Marathons.

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Im restlos ausverkauften Wiener Hof machte der junge, Japan-affine C. Heiland den Anfang. Singend und in politisch unkorrekter Weise reimte er Absurditäten und sorgte für viele Lacher im Saal. Da war vom „Sambazug nach Kiel“ die Rede, der „Moscheeeröffnung in Oberbayern“ und von 24-jährigen Neuntklässlern. In der Pause grinste eine blonde Frau bis über die Ohren, als sie ihrer Begleitung zurief: „Der war toll.“

Bieten große Säle wie Wiener Hof oder Lounge immerhin noch Möglichkeiten, Nischen- oder bequeme Stehplätze zu ergattern, so ist dies bei den kleineren Lokalitäten schon schwieriger. Die intime Atmosphäre wiederum bietet Vorteile für jene, die sich rasch einen Platz sichern konnten. Sehr nah kam das Publikum den Künstlern vor allem in den ausverkauften Lokalen rund um den Wilhelmsplatz.

Wenige Zentimeter trennten Zauberkünstler Alexander Merk dort von den kritischen Augen der Gäste. Da dürfte ihm die erhöhte Bühne des KJK Sandgasse lieber gewesen sein. Nicht jeder von Merks kleinen Kartentricks brachte das Publikum zum Toben, interessant war die Verbindung von Zauberei und Comedy jedoch allemal. Ein sicher noch ausbaubares Konzept.

Witze über Offenbach

Die Freundinnen Corinna und Karin musterten die Tricks von einem abseits stehenden Bistrotisch aus. Fand Merks Auftritt bei Karin noch Gnade, so hatte sie mit dem zuvor gesehenen Act von Thomas Müller Probleme: „Der hat zu viele Witze über Offenbacher gemacht, sich nur an Checkern mit Bushido-Gehabe und Asso-Sprache aufgehalten. Das fand ich nicht passend. Dabei konnte er gut Geräusche nachmachen. Davon kam leider zu wenig.“

Zugleich bekannte sie, ein Comedy-Fan zu sein: „Das ist ein wahnsinniger Beruf. Nicht jeder schafft es, dass das Lachen einfach passiert.“ Die beiden waren bereits im Januar dabei. Damals sei es an der Sandgasse aber überfüllt gewesen, diesmal sei es besser. Dann betrat der lässige Götz Frittrang die Bühne, der selbst bei der kritischen Karin sichtlich auf Gefallen stieß – obwohl er seinen Einstand mit einem Offenbach-Witz feierte.

Hafen 2 als neue Location

Große Städte, so erzählte das schwäbische Landei, schüchterten ihn ein. Immerhin würden diese durch Maskottchen ihr bedrohliches Image zu verringern versuchen. In Berlin zeige man den Bär, in München den Löwen, und in Offenbach seien wohl die Spielotheken das örtliche Sinnbild, mutmaßte er. Höchst amüsant spielte Frittrang mit den mütterlichen Sorgen in puncto Berufslaufbahn ihrer Kinder. Als Germanist hätte er zusammen mit dem Diplom auch gleich den Hartz-IV- und den Taxischein erhalten.

Thomas Müller begeisterte als Kaffeemaschine.

Der Hafen 2 war mit zirka 80 Gästen nicht überfüllt, aber ordentlich besucht, das Geschlechterverhältnis paritätisch. Mit Horst Fyrguth betrat der selbst ernannte „älteste Nachwuchs-Comedian“ des Abends die Bühne. Er erzählte, dass er aus der Krankenkasse ausgetreten sei, weil der Mensch zu 90 Prozent aus Wasser bestehe. Und für Wasserschäden komme bereits seine Hausratversicherung auf...

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