Komische Nacht in Offenbach

Mit Zwangsjacke und Ukulele

+
Otto Kuhnle erstaunte, als er fünf Tischtennisbälle auf einmal aß.

Offenbach - „Offenbach ist überschaubar, im positiven Sinn. Ich fühle mich hier vertraut“, sagt Abdelkarim, bevor er zum Markthaus am Wilhelmsplatz aufbricht. So war es konsequent, dass er nicht Offenbach, sondern seine Heimatstadt Bielefeld aufs Korn nahm. Von Claus Wolfschlag

Die „Stadt mit dem gewissen Garnichts“ verfüge über einen Touristen-Informations-Point, aber man frage sich, ob das Ironie oder Optimismus sei. „Was Comedy? Mach doch Türsteher!“, habe sein Freund Ali am Anfang seiner Karriere gesagt. Doch Abdelkarims Entscheidung war richtig. Professionell zieht er seine Show durch – die dritte in Offenbach – berichtet von Flughäfen, Fußballfans, Reise nach Jerusalem und Zwangsehen, die am längsten hielten. Musikalische Einlagen gibt Mirja Regensburg zum Besten, die den Auftakt im KJK Sandgasse macht. Das hat angeblich mit ihrer Ausbildung zur Musicaldarstellerin zu tun, und so ulkt sie mit Gesang über Toilettenspiele, Solariumsitzungen, Google-Übersetzungsprogramm und Nutten mit Strichcode. Als sie ihre Versionen des Abba-Klassikers „Dancing Queen“ und des Bangles-Songs „Eternal Flame“ vorträgt, zeigt die quirlige Frau ihr Improvisationstalent. Geschickt arbeitet sie die Tätigkeit des in der ersten Reihe sitzenden Gastes René als Altenheim-Haustechniker ein, so wird von Rollatoren und Krankenbetten gesungen.

Tickets für Paul Panzer zu gewinnen

Der im Münch’s gestartete Nürnberger Gymmick versucht Ähnliches. Man rätselt, ob er wirklich über ein derart großes Improvisationstalent verfügt oder sich auf jede Eventualität vorbereitet hat. Inselnamen können ihm Gäste zurufen, er verwandelt sie in Reime. Ob mit Zeilen über Tiere, Zahnfeen, Frisuren oder Karel Gotts bitterböse „Babitschka“ – Gymmick treibt den Gästen Tränen in die Augen, ehe er sich die Gitarre greift und Richtung „Beau d’eau“ aufbricht.

Komische Nacht in Offenbach (2012)

Eine außergewöhnliche Zaubershow gibt Erasmus Stein zum Besten, bei der das komödiantische Element im Vordergrund steht. „Die klassische Zauberei hat mich nie richtig interessiert, mir ist der Blödsinn lieber“, erklärt er. „Alle Schwächen meiner Schulzeit, meiner Unruhe, Hyperaktivität und schnelle Sprache verwandle ich so auf der Bühne in eine Stärke.“ Er zeigt Tricks mit einem vielfältig teilbaren Seil, Spielkarten und Geldscheinen. Und er ist sich nicht zu schade, seinen Namen im Waldorf-Stil zu tanzen, einen Luftballon zu verschlucken und sich von der Obertshausenerin Marlene eine Zwangsjacke anziehen zu lassen. Nicht ohne sie zuvor geärgert zu haben: „Obertshausen – da ist ja vieles neu für dich. Strom und Wasser...“

Otto Kuhnle wiederum hat Auftritte im Wiener Hof, im Don Pedro’s am Pool und der Lounge hinter sich, als er zum Finale der voll besetzten Weinstube im weißen Anzug und mit roter Paillettenfliege seine Aufwartung macht. Er jodelt, spielt auf der Ziehharmonika, zupft die Ukulele, nutzt zwei leere Bierkästen als Rhythmusmaschine, isst fünf Tischtennisbälle und schmeichelt dem Publikum: „Man sagt nicht zu Unrecht, die Offenbacher sind die Brasilianer Europas.“ Dafür müssen die Gäste einen Mitmach-Tanzkurs über sich ergehen lassen. Und niemand kann sicher sein, ob das Kompliment ernst gemeint ist. „Scheiße, siehst du gut aus“, ruft er einer jungen Frau am Tresen zu. Jedoch mit dem Nachsatz: „War nur’n Witz.“

Der beste Witz der Welt - lachen Sie mit

Der beste Witz der Welt - lachen Sie mit

Die Karten zur Comedy-Nacht waren rasch vergriffen. Daniela, die in der Weinstube den Einlass kontrolliert, mutmaßt, dass sich viele Stammgäste frühzeitig Tickets besorgt haben. Selbst im geräumigen KJK Sandgasse gab es bereits eine Woche zuvor keine freien Plätze mehr. Für KJK-Veranstaltungsorganisator Joachim Veit ist das ein Zeichen für den Erfolg des Konzepts: „Da wir außer Brotschnitten nichts zu essen anbieten, sind bei uns oft noch länger Plätze erhältlich als bei den Restaurants mit warmer Küche. Doch auch wir sind voll, und man schätzt natürlich die generell familiäre Atmosphäre, den Platz und das gute technische Equipment.“ Somit verirren sich ins KJK noch am ehesten Zufallsgäste, wie die Studentin Anna: „Ich kenne zwar keinen der Künstler, aber das Programm ist sehr gut.“ Ihre Karte hatte sie von einer Freundin erhalten, die gern Comedy-Auftritte besucht: „Auch ich bin zufrieden. Und wenn nur drei von fünf Auftritten gut sind, ist das ein guter Schnitt!“

Kommentare