Bericht über Angriff auf Rabbiner

Kommentar: Toleranz verloren?

Der offenbar antisemitische Angriff auf einen Rabbiner in Offenbach schockiert auch, weil er kein Einzelfall ist.

Auf den Straßen der Stadt werde ihr Rabbiner seit Jahren als Jude beschimpft und mit Hetzparolen gegen Israel konfrontiert, berichten Vorstandsmitglieder der Jüdischen Gemeinschaft. Was seit gestern noch mehr erschüttert: Inzwischen schrecken offenbar fanatisierte Jugendliche (niemand weiß bislang, ob sie arabischstämmig sind; ein Neonazi-Hintergrund kann wohl ausgeschlossen werden) auch nicht mehr vor körperlicher Gewalt gegen Juden, im konkreten Fall gegen einen Rabbiner, zurück. Ein Skandal!.

Lesen Sie dazu auch den Artikel:

Schock nach Angriff auf Rabbiner

Während nach den konkreten Gründen der Tat im KOMM-Center gesucht wird und die Polizei Licht ins Dunkel des Vorfalls bringt, sollten sich Politiker, Pädagogen, christliche und muslimische Gemeinschaften sowie engagierte Bürger in Offenbach die Dimensionen der Berichte klarmachen. Manche jüdische Mitbürger fragen sich inzwischen sogar, ob Offenbach noch eine tolerante Stadt ist. Ein heftiger Vorwurf, der aufzeigt, wie viel Diskussionsstoff im aktuellen Fall steckt.

So gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass der Nahostkonflikt auch in Offenbach präsenter wird. Israelfeindschaft gepaart mit Antisemitismus. Es sei ein Feindbild, das Gemeinschaft stiftet, sagen Soziologen: Jugendliche Migranten, die sich in ihrem Alltag oft als ausgegrenzt empfinden, fühlen sich plötzlich stark, weil sie jemanden haben, den sie herabsetzen können: die Juden. Daher auch die starke Identifikation der muslimischen Teenager mit den palästinensischen Opfern im Nahost-Konflikt. Ein Irrweg! Und eine Riesenaufgabe für Jugendpolitiker und Integrationsexperten.

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare