Kommentar zum Fall Tugce: Der Rest ist Schweigen

Der öffentliche Tod von Tugce Albayrak hat viele Facetten. Allen voran die unendliche Trauer der Familie und der Respekt davor. Von Ralf Enders

Lesen Sie dazu auch:
Trauer um Tugce: Hunderte nehmen Abschied

Das droht dem Tugce-Schläger Sanel M.

Polizei „verwundert“ über Video-Veröffentlichung

Abschied von Tugce

Zehntausende fordern Verdienstkreuz für Tugce

Trauer und Wut im und am Klinikum Offenbach

Tugce A. verliert Kampf gegen den Tod

18-Jähriger Schläger schweigt

500 Menschen bei Mahnwache

Fall Tugce A.: Heftige Kritik an McDonalds-Mitarbeitern

Daneben stehen die Begriffe Zivilcourage, Anteilnahme, mediale und kriminalistische Aufarbeitung. Bei letzterer können, ja dürfen Polizei und Staatsanwaltschaft nicht öffentlichkeitswirksam agieren. Ihre Aufgaben heißen nicht Trauer, Anteilnahme oder Spekulation, sondern das Finden juristisch belastbarer Fakten.
Gleichwohl scheint es nicht, als hätten die Ermittler in Offenbach die bundes- und fast weltweite Bedeutung des Falles erfasst. Und sie verlieren das Heft des Handelns. Informationen werden nur spärlich veröffentlicht und offenbar nur, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Anfragen erhalten die stereotype Antwort „Dazu können wir noch nichts sagen“. Eine Stunde und einige Online-Mutmaßungen großer Blätter später werden sie bestätigt oder dementiert. Wird der Druck gar zu groß, geben Polizei und Staatsanwaltschaft eine dürftige, gemeinsame Pressemitteilung heraus, kurz vor 18 Uhr. Nachfragen? Heute nicht mehr. Berichtet die Polizei wenigstens, ob die Mahnwache tausender Menschen vor dem Klinikum ruhig verlaufen ist, wie die Verkehrssituation war? Fehlanzeige.

Wie gesagt: Ermittler sollen Fakten finden und nicht Presse und Öffentlichkeit etwas zu Gefallen tun. Aber ein offensiver und souveräner Umgang mit Informationen hilft dabei, unwürdige Auswüchse und Spekulationen kleinzuhalten. Und er wird dem öffentlichen Interesse ansatzweise gerecht.

Mahnwache für Tugce vor dem Klinikum

Mahnwache für Tugce vor dem Klinikum

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion