Kommentar: Ein bisschen Revolution

Spät bahnt sich in Offenbach der öffentliche Protest gegen den Ausbau des Flughafens an. Ob ein „zu spät“ hinzugefügt werden muss, wird sich erst erweisen,wenn das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig sein Urteil gesprochen hat. Von Matthias Dahmer

Deshalb ist es nur zu begrüßen, dass eine Handvoll engagierter und vom städtischen Kurs enttäuschter Offenbacher um die BIL-Vorsitzende Ingrid Wagner doch noch die Initiative ergriffen und die Politik gezwungen hat, Farbe zu bekennen.

Die hat es sich im langen, zugegeben ermüdenden und von vielen leeren Versprechungen begleiteten Kampf gegen den Moloch Flughafen und in erster Linie gegen die neue Nordwestbahn zunehmend in Justitias Schoß bequem gemacht, hat ihrer Urteile geharrt.

Dabei hat Offenbach als die am meisten vom Fluglärm betroffene Stadt der Region ein trauriges Alleinstellungsmerkmal, welches schon viel früher einen über formelle Einwendungen hinaus gehenden Bürgerprotest erfordert hätte.

Sicher: Die Kämpfe um die Startbahn-West können dabei nicht der Maßstab sein. Zum einen will niemand die seinerzeit eskalierende Gewalt, wie die SPD-Stadtverordnete Gertrud Marx zu Recht anmerkt. Zum anderen fehlt heute schlicht und einfach das Widerstandspotenzial in der Bevölkerung.

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Dass es mit einer Nummer kleiner auch noch gelingen könnte, die obersten Verwaltungsricher ins Grübeln zu bringen, zeigt der Blick auf Berlin, wo man gegen den Ausbau auf die Straße gegangen ist und das auch vom Gericht registriert wurde. „Manchmal muss man auch zur Revolution aufrufen“, fasst der städtische Flughafen-Berater Dieter Faulenbach da Costa die Grundstimmung zusammen, die auch von der evangelischen Kirche geteilt wird.

Einer, der bei diesem bisschen Revolution schon jetzt abgewunken und damit seiner Kandidatur zum Oberbürgemeister gewiss keinen Gefallen getan hat, ist CDU-Mann Peter Freier. Er und die Union setzen weiter allein auf den juristischen Kurs der Stadt, vermuten hinter den geplanten Protesten unredliche Wahlkampfstrategien der Konkurrenz. Wenn sie da mal nicht daneben liegen.

Selten war ein Vorhaben dank der klugen Vorarbeit des Initiatoren-Quartetts ferner von parteipolitischer Taktiererei.

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