Kommentar: Sieg über die Furcht

War das für Offenbach und die Region jetzt ein Sieg in Leipzig? Es ist einer. Einer mit Fragezeichen zwar, weil das Urteil noch aussteht. Von Marcus Reinsch

Und einer mit dem Makel, dass das Bundesverwaltungsgericht allem Entgegenkommen zum Trotz wohl kaum die von den Ausbaugegnern als Maximalziel definierte Aufhebung der Planfeststellung für die neue Landesbahn anordnen wird. Vor allem aber ist es erstmal ein Sieg über die Furcht, dass der von der Landesregierung von Beginn an schamlos hofierte Flughafenbetreiber Fraport der Region zumuten kann, was er will. Geld, das dürfen sich alle Kläger und Demonstranten als Verdienst anrechnen, regiert die Welt nur, wenn die Welt es zulässt.

Alles zum Prozess um den Frankfurter Flughafen in unserem Stadtgespräch

Und dabei haben sich die mächtigen Lobbyisten der Flugverkehrswirtschaft und die Volksvertreter, die erst unter dem niemals nachlassenden Druck des Volkes nicht mehr gegen selbiges intrigieren, ihr Schreckgespenst selbst erschaffen. Wer unter dem Fluglärmteppich nicht mehr schlafen oder auf der Terrasse oder dem Balkon sitzen kann, der macht eben was anderes. Protestieren zum Beispiel. Bürgerinitiativen gründen. Durchrechnen, was sein Haus seit Eröffnung der neuen Landebahn noch wert ist, falls es jetzt noch jemand kaufen wollte.

Normalbürger lehren Fraport das Fürchten

Der Wutbürger - oder wie Offenbachs Dekanin Eva Reiß letzten Herbst bei der Menschenkette unter der Anfluglinie so schön positiv wortschöpfte: Hoffnungsbürger - lehrt Fraport und die Landesregierung nun das Fürchten.

Vor allem, weil es nicht die Schubladen-Ökos sind, die da die Barrikaden stürmen. Es sind die Normalbürger. Jene, die nicht demonstrieren, weil sie demonstrieren wollen. Sondern weil sie, auch wenn das nach einer Überdosis Pathos klingt, echte moralische und selbstverständlich auch materielle Werte zu verteidigen haben. Und die sich anders als die nun allzu durchschaubar zurückrudernden Herren Minister stets ihre Glaubwürdigkeit bewahrt haben. Es ist eine Freude, das mitzuerleben.

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