Gefährliche Schieflage

Kommentar zur Immobilienkrise in der Region

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Um die wachsenden Probleme auf dem Mietwohnungsmarkt zu bekämpfen, darüber sind sich alle einig, helfen nur mehr Wohnungen. Doch diese müssen auch bezahlbar sein. Von Peter Schulte-Holtey

Wer sich bei Mietervereinen erkundigt, wird schnell merken: In Rhein-Main ist zuletzt vieles in eine gefährliche Schieflage geraten. Gerne nutzen Vermieter zum Beispiel Energiesparmaßnahmen oder andere Umbauarbeiten, um die Miete erheblich in die Höhe zu treiben. Die Suche nach einer einigermaßen bezahlbaren Wohnung wird oftmals zur Herausforderung. Kein Wunder, dass die nun auf den Weg gebrachte Mietpreisbremse viele Hoffnungen weckt. Denn immer mehr Menschen mit niedrigen Gehältern bekommen es zu spüren: Hohe Mieten, die Angst, das Dach überm Kopf zu verlieren, bedrohen existenziell.

Die neuen Regelungen können zumindest den rasanten Anstieg der Mieten abmildern. Doch das allein reicht nicht. Vielmehr müssen Anreize etwa für den sozialen Wohnungsbau geschaffen und die Kommunen mehr in die Pflicht genommen werden. Denn der Markt ist in Bewegung, schafft immer mehr Härten. Bei den anstehenden Diskussionen über die sollte ein weiterer Bereich verstärkt in den Fokus genommen werden. Um 40 Prozent sind die Baukosten seit dem Jahr 2000 bundesweit gestiegen. Noch viel stärker kletterten die Kaufpreise für Immobilien vielerorts. Ausgerechnet jetzt, wo die Mieten dramatisch steigen, wird Bauen teurer. „Kostentreiber“ sind auch Baulandpreise, Grunderwerbsteuern sowie Auflagen von Bund und Ländern.

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Diskussionsstoff gibt es ja genug, wenn Experten sagen, es könne nicht verlangt werden, dass Bauträger das Klima retten, Straßen bauen und dann auch noch die Wohnungen billig vermieten. Mit anderen Worten: Es wird also höchste Zeit, bei den behördlichen Auflagen für Wohnungsbauprojekte abzuspecken. Das Motto sollte lauten: Preiswert bauen mit cleveren Lösungen ist möglich. Doch dafür werden brauchbare politische Ideen benötigt, entschlossenes Handeln von Politikern, die die Brisanz der Lage erkennen.

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