Gemischte Gefühle

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Marc Kuhn

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Wie so oft ist eine Bilanz in der Wirtschaft auch eine Frage der Perspektive. Zumindest zwiespältig fällt der Rückblick auf die Arbeit der Transfergesellschaft für die Ex-Roländer nach einem halben Jahr aus. Von Marc Kuhn

Mehr als der Hälfte der Betroffenen ist der Gang zur Agentur für Arbeit erspart geblieben. Aber immerhin 48 Prozent warten noch immer auf einen neuen Job. Angesichts der eher ungewöhnlich kurzen Zeit für die Personalentwicklungsgesellschaft sind die Zahlen sicherlich positiv zu bewerten. Hinter ihnen stehen aber menschliche Schicksale. Hunderte Familien in Offenbach leiden noch immer unter der Insolvenz des Druckmaschinenherstellers „manroland“.

Und wieder einmal sind es eher die Menschen im Alter zwischen 40 und maximal 50 Jahren sowie vor allem die gut Ausgebildeten, die rasch in Arbeitsplätze vermittelt werden konnten. Verbände und Organisationen betonen hierzulande häufig, dass Ältere und ein Generationenmix in den Betrieben vor einem Facharbeitermangel schützen sollen. In der Praxis sieht die Realität oft anders aus.

Weiteren Fördermaßnahmen wichtig

Wichtig ist nun, dass Ältere ebenso wie die schlechter Ausgebildeten mit weiteren Fördermaßnahmen fit für Jobs gemacht werden - es ist wohl ihre letzte Chance. Dafür werden wahrscheinlich auch Steuergelder aus den EU-Töpfen fließen - und das ist gut so. Die Alteigentümer von „manroland“, Allianz und MAN, haben sich schließlich aus der Verantwortung gestohlen. Sie waren nicht bereit, mehr Geld für die Transfergesellschaft zur Verfügung zu stellen. Wäre ein höherer Betrag überwiesen worden, könnten die Vermittler länger arbeiten - höchstwahrscheinlich hätten auch mehr Menschen Arbeit gefunden.

So bleibt nach der Insolvenz von „manroland“ und nach einem halben Jahr Transfergesellschaft ein gemischtes Gefühl: Der unter dem britischen Käufer Tony Langley neu aufgestellte Druckmaschinenbauer profitiert von den Restrukturierungsmaßnahmen in der Insolvenz. Viele Gekündigte haben zwar eine Chance bekommen - aber Hunderte werden auf der Strecke bleiben.

marc.kuhn@op-online.de

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