Kommentar: Katastrophe für Offenbach

Die Zerschlagung von „manroland“ ist beschlossene Sache. Während für Augsburg und Plauen eine zukunftsträchtige Lösung mit dem Einstieg der Possehl-Gruppe gefunden worden ist, bedeutet die Zerschlagung für Offenbach eine Katastrophe. Von Achim Lederle

Mindestens 1000 Arbeitsplätze werden wegfallen, ein Investor für den Standort ist nicht in Sicht. Zwar betonte Insolvenzverwalter Werner Schneider gestern, dass auch für Offenbach nun eine gesicherte Basis gefunden sei. Wie sieht allerdings solch eine Basis aus, bei der bis zu 25 Millionen Euro als Landesbürgschaft notwendig sind, um den Betrieb überhaupt fortführen zu können? Bislang hat sich das Land Hessen im Fall „manroland“ nicht durch großes Engagement ausgezeichnet. Jetzt kann die Landesregierung beweisen, dass ihr tatsächlich etwas am Industriestandort Offenbach liegt. Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) hat aber bereits gestern den Ball zurückgespielt: Der Insolvenzverwalter sei weiter am Zug, konkrete Unterstützung bedarf auch konkreter Pläne, so der Minister. Es droht ein unwürdiges Gezerre...

Falls denn das Land die „Grundsicherung“ übernimmt, soll Offenbach durch ein „Management-Buy-Out“ gerettet werden, das heißt, der Betrieb wird durch die eigene Belegschaft übernommen, im Falle Offenbachs durch die Vertriebsmanager. Insolvenzverwalter Schneider bleibt als Gesellschafter vorerst mit im Boot.

Die Vertriebsmanager kennen zwar den Markt und können für Offenbach kräftig die Werbetrommel rühren. Aber dieses Konzept steht und fällt mit dem Einstieg eines neuen Großinvestors. Solange der nicht gefunden ist, ist das „Management-Buy-Out“ eine Abwicklung auf Raten.

Alles zur Krise des Unternehmens „manroland“ lesen Sie im Stadtgespräch

Jetzt ist bereits wieder die Rede von Investoren aus China, die einsteigen könnten. Die lassen sich nicht drängen, überprüfen die Marktchancen genau und waren bislang wegen der kurzen Zeit der Investorensuche nur zweite Wahl. Tatsächlich sind Investoren aus Fernost einer der letzten Strohhalme, an die sich Offenbach klammern kann.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass wenigstens ein kleiner Teil der einstmals großen und stolzen Offenbacher Druckmaschinen-Tradition weiterlebt.

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