Kommentar zum Maßnahmenpaket gegen Fluglärm

Glaube, Liebe, Hoffnung

Die Euro-Krise und die Versuche, den Flughafen-Ausbau für die Menschen erträglich zu machen, haben etwas gemeinsam: Es geht um Wechsel mit unsicherer Deckung. Länder wie Spanien und Griechenland können ihre Staatspapiere nur schwer am Markt platzieren. Von Michael Eschenauer

Der Grund ist simpel: Staatsobligationen sind nichts anderes als Versprechen auf eine gute wirtschaftliche Zukunft. Fehlen Glaube, Liebe und Hoffnung des Anlegers, gibt’s kein Geld.

Den Experten in Sachen Aktiver Schallschutz bei der Konfliktglättungsmaschine „Forum Flughafen & Region“ geht es ähnlich. Gestern schütteten sie Kleingeld und ein paar kleinere Scheinchen an diejenigen aus, die ihnen die Idee vom wirksamen Schallschutz abkaufen sollen. Das, was die Flughafen-Anwohner nach der ersten Bilanz in Händen halten, sind größtenteils Versprechungen, hoffnungsvolle Wechsel auf eine ruhigere Zukunft. Sind die gedeckt?

Die meisten Maßnahmen, den Fluglärm zu begrenzen, haben wenig oder kaum gegriffen, oder man weiß noch nicht so richtig, ob sie überhaupt zu etwas nutze sind. Neue Flugverfahren und Flieger sollen den Durchbruch bringen. Wann, weiß ebenfalls niemand. Umrüstung dauert: Die meisten der gängigen Flugzeugtypen Boeing 737, Boeing 747, Airbus A300 sind heute 20 bis 30 Jahre alt. Geduld ist eine schöne Tugend.

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Trotzdem tut sich was. Bei der Flugsicherung sind sie selbst baff, was sie plötzlich so alles können. Mit zähem Ringen scheint es möglich, Spitzenbelastungen abzuschleifen. Höhere Gebühren für Krachmacher hier, ein steilerer Startwinkel da und dort eine Extrakurve um einen Siedlungsschwerpunkt herum. Der in der Region verhasste „Segmented Approach“ könnte auf längere Sicht der Großstadt Offenbach eine frühere Nachtruhe ermöglichen. Über höhere Überflüge denkt man nach, und vielleicht fällt ja noch irgendwann das Credo der Unberührbarkeit der Start- und Landezahlen.

Bleiben werden der Flughafen, seine neue Landebahn, ein hohes Quantum Lärm, aber auch die positive Wirkung auf die Wirtschaft. Also: Sind die Wechsel gedeckt? Bisher nur teilweise. Es ist an Politikern und Bürgern, der Luftverkehrswirtschaft weiter auf den Zehen zu stehen und durch permanenten Druck den Deckungsgrad zu erhöhen. Vielleicht gibt es bei der nächsten Fluglärm-Bilanz außer schönen Versprechungen sogar ein paar größere Scheine.

Auch das erinnert an die Euro-Krise.

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