Misere im medizinischen Notdienst

Kommentar: Große Erwartungen

Offenbach - Die weitere Zentralisierung des ärztlichen Notdienstes im Kreis Offenbach wird natürlich Folgen haben. Wer krank ist und auf den Bereitschaftsdienst setzt, wird länger warten und größere Entfernungen in Kauf nehmen müssen. Von Peter Schulte-Holtey

Doch Vorsicht! Wer jetzt voreilig über einen schlechteren Ärztedienst stöhnt, sollte beachten, dass die Entfernungen zu den Kliniken im Ballungsraum Rhein-Main großenteils noch zumutbar sind. Beachtenswert ist in der Diskussion zudem ein besonderes Phänomen in der Notfallversorgung. Denn immer wieder tauchen Menschen zu immer seltsameren Zeiten in den Ambulanzen und Notdienstzentralen auf.

Was dort passiert, ist kaum zu glauben, aber wahr: Dem ersten Patienten fällt am Samstagabend überraschend ein, dass er seit vier Tagen Ohrenschmerzen hat; der zweite klagt, er habe seit drei Wochen ein unerträgliches Ziehen im Oberarm; der dritte merkt urplötzlich, dass ihm seit einem Monat schwindelig ist. Diese Menschen halten die Ärzte in den Ambulanzen und Bereitschaftszentralen offenbar für einen permanent verfügbaren Selbstbedienungsladen. Sie machen Not-Sprechstunden unnötig voll. Sie wären oftmals die passenden Adressaten für Kritik. Aber sie sind nicht greifbar. Also wird auf die Ärzte oder auf das System geschimpft.

Übrigens: Damit soll nicht kleingeredet werden, dass sich die ärztliche Versorgung gerade in ländlicheren Bereichen verschlechtert. Was zu verbessern ist, muss verbessert werden, klar. Aber manch einer hat Erwartungen, die nicht immer jederzeit zu erfüllen sind.

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