Offenbachs gescheiterte Mission

Kommentar: Konsequenz für die Köpfe

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Thomas Kirstein

Offenbach - Die den derzeit Regierenden nicht wohlgesonnenen Teile des Volkes wollen Köpfe rollen sehen. Vorzugsweise führende und nicht bloß nachgeordnete. Im populistischen Idealfall fliegt trotz Bauernopfer auch ein König vom Spielbrett... Von Thomas Kirstein

Der Amtsleiter, der das nach allen bisherigen Erkenntnissen das Mission-Olympic-Finale zu einer größenwahnsinnig wirkenden Show hat ausarten lassen, ist suspendiert; straf- und zivilrechtliche Konsequenzen sind nicht ausgeschlossen. Ob die beiden von Amts wegen beteiligten Dezernenten juristisch ungeschoren davon kommen, liegt im Ermessen einer auf Betreiben der CDU ermittelnden Staatsanwaltschaft. In allen drei Fällen lautet der Vorwurf Untreue im Amt.

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Davon abgesehen gibt es die politische Verantwortung. Der können sich weder Oberbürgermeister Horst Schneider in seiner Funktion als Stadtkämmerer noch Bürgermeister Peter Schneider als Sportdezernent entziehen, selbst wenn sie durchaus glaubhaft versichern, von den Eigenmächtigkeiten des Untergebenen und deren Folgen zu spät erfahren zu haben. Es mag vorliegen, was man gern „Organisationsversagen“ oder „Verkettung unglücklicher Umstände“ nennt: Aber beides kommt nicht ohne handelnde (beziehungsweise unterlassende) Personen aus. Solche schicksalshaften Verkettungen sind in Wahrheit auch Folge mehrfachen Kontrollversagens: der eine Dezernent (gewiss durch die Klinik-Tragödie mehr als belastet) hat sich ein sündhaft teures Sport-Halligalli für einen fröhlichen Auftrieb zum Selbstkostenpreis vormachen lassen; der andere unterschreibt später ungeprüft Auszahlungsanweisungen, die ihm auf den Tisch kommen.

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Führenden Köpfe müssen wegen sträflicher Gutgläubigkeit sicherlich nicht rollen. Aber sie müssen für den Skandal hingehalten werden. Immerhin scheint es so, als habe sich in ihnen auch aufgrund früherer Desaster die Erkenntnis festgesetzt, dass die Kontrollmechanismen in dieser Stadt nicht nur geölt, sondern dringend verstärkt gehören.

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