Kommentar: Gefährliche Entwicklung

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Peter Schulte-Holtey

Verluste oder Stagnation bei CDU, SPD und FDP, leichte Gewinne bei den Grünen, schnelles Wachstum bei der kleinen Piratenpartei: Der Mitglieder-Trend bei den Parteien in der Region spiegelt das wider, was auch auf Bundesebene zu beobachten ist. Von Peter Schulte-Holtey

Dass die ehemaligen Volksparteien große Nachwuchsprobleme haben, zeichnet sich ja schon seit Jahren ab. Eskapaden und Kursbestimmungen in Berlin hinterlassen halt auch in der Region Spuren. Hoffnungszeichen für sie: Junge Union und Jungsozialisten präsentieren sich - zumindest mit Blick auf die Mitgliederzahl - selbstbewusst. Ob ihr politischer Einfluss tatsächlich gewachsen ist, muss aber bezweifelt werden. Und die Liberalen? Noch hält sich die FDP in Stadt und Kreis Offenbach recht tapfer, doch die Berliner Verunsicherungspolitik zeigt bereits Wirkung.

Auffallend ist auch der Ansehenverlust. Teils ernten tatkräftige Bürger schon Kopfschütteln, wenn sie sich als engagierte Parteimitglieder „outen“. In den Parteien selbst wird jetzt zum Glück begonnen, vorsichtig zu verändern, Mitgliedern mehr Teilhabe anzubieten. So will der Vorsitzende der Main-Kinzig-SPD, André Kavai, in Zukunft auf Parteitagen jedes Mitglied abstimmen lassen, ob es um die Programmatik geht oder um Personalentscheidungen. Viele Entscheidungen würden dadurch transparenter. Ein interessanter Weg zu mehr Attraktivität.

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Weitere Reformansätze zu finden, ist schwierig. Es fehlt zwar nicht am Interesse, ehrenamtlich tätig zu sein. Die meisten Bundesbürger engagieren sich aber lieber in Vereinen, es folgen die Kirchen, Bürgerinitiativen und Einrichtungen wie die freiwillige Feuerwehr oder Elternvertretungen an Schulen. Man kümmert sich inzwischen vorrangig um eng beschränkte Themen und protestiert gegen ein bestimmtes Vorhaben - wie bei den Anti-Fluglärm-Demos.

Für die demokratische Gesellschaft ist das eine gefährliche Entwicklung. Sie zerfällt in Einzelinteressen, mehr und mehr fehlt der Zusammenhalt. Die Konsenssuche bei vielen politischen Kommunalthemen wird also bestimmt nicht einfacher.

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