Spannend wird’s sicher

Kommentar zur neuen Halle am Kaiserlei

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Im Offenbacher Rathaus bekommt man eines nicht, wenn es um die Multifunktionshalle im Kaiserleigebiet geht - und das ist aufgeregtes Herzklopfen. Wenn das Ding gebaut werde, sei es okay, wenn nicht, gehe die Welt auch nicht unter, so die emotionsarme Reaktion. Von Michael Eschenauer

Ganz anders die Stimmung im Frankfurter Römer: Dort sprechen die Politiker von großen Erwartungen bei den Profi-Sportvereinen und einem „spannenden interkommunalen Projekt“. Speziell mit letzterer Einschätzung dürften sie so falsch nicht liegen. Denn spannend wird’s mit Sicherheit. Da wäre zunächst der völlig offene Ausgang der Ausschreibung. Selbst auf Frankfurter Seite ist man sich ganz und gar nicht sicher, ob nach all dem Remmidemmi am Ende des Tages eine nennenswerte Anzahl ernstzunehmender Interessenten für das 150-Millionen-Euro-Projekt übrigbleibt. Zwar könnte theoretisch schon 2019/2020 Premiere sein, doch derzeit weiß niemand, wie die Halle aussehen wird, wie das betriebswirtschaftliche Konzept aussehen soll, ob es einen Sponsor gibt oder geben muss und wie das internationale Event-Management auf eine neue Location im Rhein-Main-Gebiet reagieren wird. Top-Veranstalter wie Marek Lieberberg und Ossy Hoppe winken müde ab. Vor allem glaubt man nicht, dass der 13.000 Sitzplätze fassende Showroom an der Nahtstelle von Frankfurt und Offenbach jemals schwarze Zahlen schreiben kann. Basketball und Eishockey allein reichen jedenfalls nicht, und um die überschaubare Zahl von Veranstaltungen mit ausreichend Karat, die eine derartige Halle füllen würden, streiten sich heute schon bundesweit die gut eingeführten Locations. Es ist ein Nullsummenspiel - bei dem allerdings eine neue, attraktive Halle in einer Metropolregion auch Trümpfe auf der Hand halten dürfte.

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Sachen miesmachen kann jeder. So eine Halle würde ohne Zweifel Frankfurt und Offenbach, ja sogar die gesamte Region ein weiteres Stück zusammenwachsen lassen. Sie könnte eine Attraktion werden. Offenbach winkt Gewerbesteuer, und Frankfurt hat immerhin bereits im Ausschreibungstext sicherheitshalber festgehalten, dass man nicht daran denkt, sich auf finanzielle Abenteuer einzulassen. Die Frankfurter sollten bei allen schönen Visionen in den kommenden Monaten mit kühlem Kopf verhandeln, ihre Offenbacher Nachbarn weiter einbeziehen und Investoren, insbesondere deren Betriebskonzepte, genauestens unter die Lupe nehmen. Neue Pleite-Paläste braucht keiner. Weder in Frankfurt noch in Offenbach.

Bilder: „TGH Sportschau“ in August-Schärttner-Halle

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