Auf Nummer sicher gehen

Kommentar: Plakateschlacht zum Super-Wahltag

Es ist ja wahr: Sie nerven, sie lenken ab, sie werden exakt am 27. September um 18 Uhr, wenn der Urnengang der Bürgermeisterwahlen und der Landratswahl endet, zum großen Teil zu Altpapier. Und keiner mag das alles wegräumen. Wahlplakate. Sind sie überhaupt zu irgendwas nutze? Sind das allzuoft langweilige, glattretouschierte Konterfei des Kandidaten, der wenig originelle Slogan am Plakatständer kriegsentscheidend im Ringen um die Wähleraufmerksamkeit und Wählergunst? Haben bunte Kugelschreiber oder Eiskratzer mit Parteiemblem manipulative oder gar argumentative Kraft? Tausende von Euro fließen - auch bei den aktuellen Wahlgängen - wieder in die Werbung. Alles für die Katz’?

Wahrscheinlich verhält es sich mit der Wirkung von Wahlplakaten so wie bei den Vitaminpillen. Sie helfen zwar nicht direkt, aber sie geben dem, der sie schluckt, ein gutes Gefühl. Kein Lokalmatador, keine Partei würde je auf all den bunten Tand verzichten. Plakatieren - nur für den Fall...

Erfreulich ist immerhin, dass alle Kandidaten im Kreis unisono die persönliche Begegnung mit dem Bürger in den Vordergrund ihrer Kampagne rücken. Hier wäre also Raum für Sachlichkeit, Austausch und Willensbildung. Hinderlich für die Lokalpolitiker ist dabei zweierlei: Das weit verbreitete Desinteresse der Bürger an politischen Belangen, das zum Teil schwache eigene Image und die Tatsache, dass es auf kommunaler Ebene immer weniger zu verteilen, das heißt zu gestalten gibt.

Die Erfahrung lehrt: Interesse und Engagement keimen besonders schnell bei Betroffenheit, wenn es zum Beispiel um die Asylbewerberunterkunft in der Nachbarschaft oder das Neubaugebiet auf dem Wiesenareal gegenüber geht, wenn Geld für die Neugestaltung der Innenstadt oder eines nahen Parks verteilt wird. Die Aufgabe, der sich die Politiker gegenübersehen, ist, trotzdem Interesse an Politik zu wecken und wachzuhalten - nicht zuletzt durch einen frischen Politikstil, Glaubwürdigkeit und Authentizität. Aufgabe der Bürger ist es, ihre Passivität zu überwinden und ein Mindestmaß an Interesse und Engagement zu zeigen. Nur so kann Demokratie lebendig bleiben - und das gilt nicht nur zu Wahlzeiten.

Rubriklistenbild: © dpa

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