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Kommentar: Zweifel an Gerechtigkeit

Brosamen wäre schon geprahlt. Die Krümelchen, mit denen Offenbach beim passiven Lärmschutz abgespeist wird, stehen in keiner Relation zu den Belastungen, die die Stadt durch den Flughafen zu tragen hat. Von Thomas Kirstein

Gerade mal 164 Menschen auf der Rosenhöhe kommen in den Genuss von Lärmschutz-Zuschüssen für die sogenannte Tagschutzzone 1. Schon ihre nächsten Nachbarn gehen leer aus, obgleich sie ziemlich genau den gleichen Krach zu ertragen haben. Und angesichts von 30.000 von Fraport und Land Hessen förmlich unter den Lärmteppich gekehrten Offenbachern sind auch die anderen Anteile aus Fördertöpfen nur gnädige Almosen.

Vielleicht kommen 2000 Offenbacher ja demnächst wenigstens in den Genuss eines schallisolierten Schlafzimmerfensters. Ihnen sei’s gegönnt. Der geplagte Rest darf sich über eine dreiste Propagandamaschinerie ärgern, die in vielen Medien Desinformation platzieren konnte: „Gute Nachricht für alle Fluglärmgeplagten: 17 300 Haushalte in Rhein-Main bekommen mehr Geld für Schallschutz.“ Alle? Blanker Hohn!

Dies gilt auch für den Umstand, dass der Steuerzahler die Pflästerchen für eine malträtierte Region bezahlen muss. Die Verursacher kommen vergleichsweise glimpflich davon. Aber das muss niemanden wundern, der noch im Gedächtnis hat, wie das Land Hessen 600 Steuer-Millionen springen ließ, um seinem Flughafenbetreiber eine störende Chemiefirma aus dem Weg zur neuen Landebahn zu räumen.

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Kein Wunder. Dem Land gehört fast ein Drittel der Fraport-Aktien. Entsprechend hoch ist die Erwartung an eine satte Ausschüttung. Ein Fünftel der Aktien ist im Besitz der Stadt Frankfurt, was das regionale Augenmerk auf die Verteilung der Flughafen-Lasten und Flughafen-Profite lenkt. Es darf schon Offenbacher Zweifel an der Gerechtigkeit wecken, wenn Frankfurter Lärmschutzmaßnahmen vom Land gesponsert bekommen, die Stadt Frankfurt aber ungeschoren davonkommt: Sie kassiert dicke Fraport-Dividende und streicht den Löwenanteil der Flughafen-Gewerbesteuer ein.

Der Rest der Region geht leer aus, stellt „kostenlos die Einflugschneise zur Verfügung“ (Offenbachs Stadtkämmerer Michael Beseler). Weil das exakt die Lage trifft, ist es längst überfällig, die Frankfurter Gewerbesteuer-Hoheit zu brechen und den Gewerbesteuer-Kuchen neu zu verteilen.

Rubriklistenbild: © Wilhelmine Wulff/pixelio.de

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