Bremer AG baut Stadion

Kommentar: Der Weg ist geebnet

Endlich, endlich geht’s los! Und Aufbruchstimmung verbreiteten gestern alle Beteiligte – allen voran Oberbürgermeister Horst Schneider. Zu Recht. Denn viele Jahre sah es so aus, als ob Offenbach allmählich von der deutschen Fußball-Landkarte verschwinden könnte. Von Martin Kuhn

Nicht nur wegen sportlicher, auch wegen baulicher Defizite. Anderenorts basteln Kommunen und Vereine schon viel länger an ihrer fußballerischen Zukunft, stemmen deswegen auch wichtige Investitionen: aktuell im Gottlieb-Daimler-Stadion Stuttgart, im Weserstadion Bremen, aber auch in Mainz, St. Pauli, Bochum, Essen, Wuppertal oder Potsdam, selbst im westsächsischen Zwickau. Und in Offenbach? Die langwierige Genese des Projekts ließ nicht immer unbedingt ein gutes Ende ahnen.

Ursprünglich war für den 8. Mai 2010, den letzten Spieltag der Fußball-Saison 2009/2010, eine große Abrissparty geplant. Schneider bejubelte bereits in der ihm eigenen Euphorie ein deutliches Signal für den Aufbruch in bessere Fußballzeiten am Bieberer Berg, der in seiner jetzigen Form als Spielstätte keine Zukunft mehr habe. Aber es wurde nichts mit der Fete: Die verkümmerte erst zu einem symbolischen Akt, am Ende wurde ganz darauf verzichtet.

„Aber es sieht schon geil aus“

Aber allen Unkenrufern, Nörglern und Gegnern des Offenbacher Stadionbaus zum Trotz, die diese Millionen lieber in andere Projekte, etwa das maroden Straßennetz, investiert sähen: Jetzt wird’s was. Und es sei daran erinnert, dass Fußball in Deutschland die Sportart Nummer eins ist und bleibt, auch wenn viele das große Geschäft ums runde Leder verteufeln. Hunderttausende pilgern an den Wochenenden in die Stadien, Vereine, Spieler und Funktionäre sind in den Medien omnipräsent.

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Daten und Fakten

Klar, in der Offenbacher Kampfbahn ist das alles seit jeher eine Nummer kleiner, bescheidener, ja vielleicht sogar provinzieller. Aber sicher auch eine Spur intimer und intensiver als in anderen, hochmodernen, multifunktionalen Sportpalästen. Das sollte sich in der neuen OFC-Spielstätte nicht ändern, in der die Anhänger noch näher ans Spielfeld rücken. Sicher: Beim erstmals öffentlich präsentierten Entwurf stockt keinem der Atem. „Aber es sieht schon geil aus“, heißt es abseits der offiziellen Floskeln. Das trifft es punktgenau, selbst wenn Computeranimationen mitunter weitaus strahlender und imposanter wirken als umgesetzte Architektenpläne.

Fest steht, der Stadionbau ist nicht allein für den OFC zukunftsweisend, sondern für die gesamte Stadt. Das positive Signal: Trotz kommunaler Finanznot und sonstiger Widrigkeiten mischen die Kickers und Offenbach weiter mit – im bezahlten Fußball vielleicht bald höherklassig. Der Neubau hat das Zeug dafür, die Fans allemal. Allerdings wäre es schön, wenn nicht nur die treuen Zuschauer, sondern auch alle anderen mal hoch gingen; jetzt noch auf den Berg, später ins „Sparda-Bank Hessen Stadion“. Auf geht’s!

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