Zuwanderung in Offenbach

Kommentar: Absehbare Entwicklung

Was über Offenbach und vergleichbare Städte nicht erst seit diesem Sommer hereinbricht, ist nichts wogegen irgendwelche Abwehrmaßnahmen gefordert werden könnten. Es handelt sich dank EU-Südosterweiterung um eine völlig legale Wanderung. Von Thomas Kirstein

Eine Armutswanderung freilich, die Menschen dazu bringt, in als reicher geltenden Partnerländern am Rande der Legalität den Lebensunterhalt zu verdienen. Der „selbstständige Bauhelfer“ aus Bulgarien oder Rumänien ist mit seinem Offenbacher Gewerbeschein im Grunde genommen nichts anderes als eine tragische Mischung aus Schwarzarbeiter und von dankbaren Baukonzernen ausgebeutetem Tagelöhner.

Das einzige, was an dieser Entwicklung nicht absehbar war, ist die Verzögerung, mit der sie erst seit Mitte bis Ende letzten Jahres eintritt. Eigentlich hätten die Einwanderungswellen schon früher ins Land schwappen müssen. Wer anderes erwartete, hat unter Realitätsverlust gelitten. Jedem, der diese EU-Vergrößerung begrüßte, musste klar sein, dass bitterarme Länder wie Rumänien und Bulgarien nie würden in ein paar Jahren ihre wirtschaftliche Lage derart angleichen können, dass den Unqualifizierten unter ihren Bürgern nicht eine Hungerlohn-Existenz im Westen nicht noch attraktiver als das Elend in der Heimat erscheinen sollte. Man darf wohl auch davon ausgehen, dass diese wenig zimperlichen Staaten selbst bisweilen ihnen lästige Bevölkerungsgruppen auf den Weg in die Ferne drängen.

Umkehrbar ist das momentan nicht. Auch nicht, dass es wieder mal die strukturell ohnehin gebeutelten Städte trifft, wobei es dummes Zeug wäre, deren scheinbar zu großzügige Sozial- oder Ausländerpolitik dafür verantwortlich zu machen. Die Einwanderer ziehen vielmehr dorthin, wo ihnen von Landsleuten geholfen wird, oder wo ihnen Schleuser in Komplizenschaft mit gierigen Immobilienbesitzern billigen Unterschlupf verschaffen.

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Gefragt sind jetzt in erster Linie die, die das angerichtet haben: Der Bund ist verpflichtet, den Kommunen finanziell bei der Verwaltung dieses Ansturms und seiner Folgen zu helfen; das Land muss schleunigst dafür sorgen, dass den betroffenen Städten die Zuwanderung von teils analphabetischen Kindern nicht zur Bildungskatastrophe gerät.

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