Es kommt nicht immer in die Tüte

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Ein leidiges und leider wenig appetitliches Thema: Bellos feste Ausscheidungen. Die Stadt lobt ausdrücklich viele Hundehalter, die die stinkenden Haufen vorbildlich entsorgen. Kummer bereiten diejenigen, die weniger einsichtig sind.

Offenbach - Informieren und aufklären, abholen und beseitigen. Es ist beinahe ein Mantra, das Stadtrat Paul-Gerhard Weiß herunter betet. Von Martin Kuhn

Die formelhafte Wortfolge findet Gehör, sagt der Politiker, der unter anderem für Ordnung und Sauberkeit verantwortlich zeichnet – sei’s beim Sperrmüll oder beim Hundekot. „Man darf eine Änderung nicht von heute auf morgen erwarten“, sagt der Freidemokrat. Er weiß auch, dass es mit dem Aufstellen eines Plakats nicht getan ist. Und mitunter sorgt nur eine finanzielle Strafe für ein etwas reineres Straßenbild.

Der Ärger um die Hundehaufen endet eigentlich nie. Für das stadtkonzernweite Projekt „Besser leben in Offenbach“ ist es daher stets zentrales Thema, wenn sich das Team von Sabine Süßmann um bestimmte Stadtquartiere kümmert – aktuell das Wohngebiet zwischen Bahndamm und Starkenburgring. Das geschieht konzentriert auf unterschiedliche Art und Weise: Plakatständer erinnern an den richtigen Umgang, Stadtpolizisten gehen auf Streife, Hundekotmoped beseitigt die Haufen. Ja, ein solches Gefährt gibt es tatsächlich, auch wenn einige Offenbacher schwören, dass sie es noch nie gesehen haben.

19.000 Kilometer auf dem Tacho

Da schüttelt der ESO-Mitarbeiter Norbert Seipel nur den Kopf. Etwa 19.000 Kilometer zeigt der Tachometer an; unbestechliches Indiz, dass der in Frankreich umgerüstete Yamaha-Roller häufig unterwegs war in den vergangenen beiden Jahren. Seipel hat keinen festen Tourenplan, sondern reagiert auf Hinweise am ESO-Telefon (Tel: 80 65 45 45). Allerdings kennt der Pilot mit dem scheinbar undankbaren Job diverse Ecken, die Hundehalter gerne mit ihren Vierbeinern fürs unvermeidliche Geschäft aufsuchen: ein bestimmter Fußweg in Lauterborn etwa. Oder die Bachstraße. Und natürlich der Anlagenring, der sich wie ein grünes Band um die Kernstadt zieht. Sicher fehlt das eine oder andere Tretminen-Feld. Aber wenn eins genannt wird, rollt „Rex“ an.

Norbert Seipel zieht die Bremse fest. Aus einer seitlichen Halterung holt er links oder rechts ein Saugrohr. Knopfdruck, der Kot verschwindet zunächst im Rohr und dann im Wassertank unter der Sitzbank. Bis zu 50 Hundehaufen schnappt „Rex“ von Gehwegen oder aus Pflanzrabatten, ehe es zum Betriebshof zur großen Entleerung geht. „Sonst stinkt’s auch zu sehr“, gibt der Mitarbeiter zu. Das war auch einer Gründe für die Anschaffung des weißen 125-ccm-Rollers. „Unsere Straßenreiniger fanden und finden es ziemlich eklig, mit ihren Reisigbesen die Haufen zu beseitigen. Mein erster Gedanke als zuständiger Dezernent: Da wäre mal eine technische Erfindung nötig“, blickt Paul-Gerhard Weiß zurück. Seitdem saugt „Rex“ auf, was Bello fallen lässt. In besonders hartnäckigen Fällen greift Norbert Seipel zu einer anderen Waffe: Eine Reinigungslanze, mit deren Hilfe das Exkrement per Wasserstrahl aufsaugfähiger gemacht wird.

„Anfangs belächelt, inzwischen aber eifersüchtig“

Offenbach war nach ESO-Angaben vor zwei Jahren die erste Stadt deutschlandweit, die auf die in Frankreich bereits verbreitete Technik setzt. „Anfangs belächelt, inzwischen aber eifersüchtig“, schildert Weiß die Sichtweisen. Einer der Vorwürfe, mit denen Weiß sich konfrontiert sieht: Die Reinigung animiere zum falschen Verhalten. „Nein. Ziel muss es sein, den Dreck schnellstens aus dem öffentlichen Raum zu entfernen.“ Das Reinigungsmoped ist indes nur ein Baustein auf dem Weg für ein saubereres Offenbach. Etwa 60 Spender für Hundekottüten gibt’s inzwischen, rund 500 000 Gassibeutel wurden allein im ersten Halbjahr entnommen. Dass letztlich in allen auch Haufen landeten, ist nicht gesichert. Weiß: „Aber wir sind da guter Dinge.“ Die sind Gassigänger meist nicht mehr, wenn sie einmal ohne Entsorgungsbeutel erwischt werden – das kostet 10 Euro. Erheblich teurer wird’s, wenn Herrchen oder Frauchen so tun, als ginge sie das Verdauungsendprodukt nichts mehr an. „Wenn jemand den Haufen nicht beseitigt, kostet es mindestens 75 Euro Bußgeld“, so Christian Broos vom Ordnungsamt.

Dafür wäre sozusagen eine Punktlandung notwendig: Es ist einer der raren Hundstage. Der Kontrollgang der Stadtpolizei im Senefelderquartier ist schweißtreibend, aber nicht von Erfolg gekrönt. Auch den Gassigängern ist es wohl zu heiß. Feldschutzmeister Stoll und Feldschutzhauptmeister Zimmer warten, bis die junge Damen mit dem Vierbeiner vorbei gelaufen ist. „Wir haben keinen Grund, sie zu kontrollieren. Der Hund ist angeleint, die Steuermarke vorhanden“, sagt Zimmer, der mit seinem Kollegen üblicherweise mit dem Auto unterwegs ist. „Mit offenem Auge“, wie er betont, „allerdings mit anderen Schwerpunkten“.

Die meisten Hundehalter sind einsichtig

Der kleine Mischling der Frau kauert auf dem Grünstreifen im Starkenburgring, ob er einen Haufen hinterlassen hat, ist auf die Entfernung nicht zu erkunden. „Da müsste man ziemlich nah rangehen, um das zu dokumentieren. Also nee“, sagt Zimmer, der selbst einen Hund besitzt. Dem überwiegenden Teil der gut 3 000 Hundesteuer zahlenden Haltern in Offenbach stellt er ein gutes Zeugnis aus. „Falls wir tatsächlich jemanden erwischen, sind die Leute einsichtig und entschuldigen sich.“ Aber da gibt es noch die anderen, die geradezu erbost reagieren: „Klar. Wir sprechen sie auf Kleinstvergehen an. Das hat früher keiner gemacht.“ Und es ist inzwischen nahezu rund um die Uhr möglich.

Dafür hat Paul-Gerhard Weiß mit einer personellen Aufstockung der Stadtpolizei gesorgt: „Wir setzen auf Präsenz auch in den sogenannten Randstunden.“ Und auf ständige Wiederholung der Botschaften an die Hundehalter: Leinenzwang, Tütenpflicht, aber auch Freilaufzonen. Beim hochsommerlichen Gang mit den Uniformierten sind aber selbst die gut gemeinten Ratschläge nicht ans andere Ende der Leine zu bringen. Vielleicht lässt sich die Quote im Senefelder-Quartier steigern. „Demnächst sind die Kollegen in Zivil unterwegs. Das führt gewöhnlich zu einer höheren Aufklärungsquote“, sagt Weiß.

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