„Berührungsängste nehmen“

Junger Kaufmann will Geschicke der Stadt mitbestimmen

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Atta Munawar vor seinem eigenem Elektrofachhandel am Wilhelmsplatz.

Offenbach - Junge Leute interessieren sich nicht für Kommunalpolitik? Wir treffen uns mit Nachwuchspolitikern, die auf den Listen für die Kommunalwahl zu finden sind. Wir fragen sie, was ihnen wichtig ist und wie sie ihre Generation erreichen möchten. Von Rebecca Röhrich

Im dritten Teil unserer Serie: Atta Munawar von der Bürgerinitiative Forum Neues Offenbach (FNO). Atta Munawar steht hinter dem Tresen seines Elektrofachhandels und ist zufrieden. Gerade hat er einen Reparaturauftrag für ein Smartphone entgegengenommen. Die Geschäfte laufen gut. Aber der junge Mann ist unzufrieden mit der aktuellen Politik und möchte etwas ändern. Deshalb steht er auf Platz 5 der Kandidatenliste der Unabhängigen Wählervereinigung Forum Neues Offenbach (FNO). Munawar möchte ins Stadtparlament gewählt werden.

Mit seinem kleinen Geschäft sitzt der gelernte Elektrotechniker im Herzen der Stadt. Gegenüber vom Wilhelmsplatz, an der Bieberer Straße, repariert der 29-Jährige seit zehn Jahren Smartphones, Sat-Anlagen und verkauft Zubehör. „Ich bin am Puls der Stadt“, erzählt er und zeigt aus seinem Ladenfenster. Gegenüber liegt das Markthäuschen im winterlichen Sonnenschein. Der kleine, schmale Mann weiß, was in der Innenstadt los ist. Denn zu ihm kommen Offenbacher aus allen Stadtteilen und Schichten. Oft komme man ins Gespräch. Oft höre man auch die Sorgen und Nöte. Auch mit den anderen Geschäftsleuten am Wilhelmsplatz pflege er freundschaftliche Kontakte. Sie haben viele Gemeinsamkeiten: Sie sind jung, beruflich erfolgreich und haben eine Migrationsgeschichte.

Kein Wunder: 60 Prozent der Offenbacher haben ihre Wurzeln in der Türkei, Kroatien, Bulgarien, Rumänien oder Griechenland. Munawar ist mit drei Jahren nach Deutschland gekommen. Mittlerweile hat er einen deutschen Pass. „Deutschland ist meine Heimat, Pakistan ein fremdes Land“, erklärt er und zuckt mit den Achseln. Atta Munawar, seine Nachbarn, Kollegen und Freunde stehen für eine Generation Offenbacher, die es leid ist, auf eine weit zurückliegende Herkunft reduziert zu werden. Der selbstständige Kaufmann möchte diese Gruppe nun auch politisch vertreten.

Ticker zur Kommunalwahl in Offenbach

Viele der Deutschen mit Einwanderungsgeschichte, wie es offiziell heißt, leben im Zentrum, rund um Marktplatz, Mathildenschule und im Nordend. „Aber die Innenstadt ist im Stadtparlament unterrepräsentiert“, findet der junge Mann. „In der Offenbacher Politik fehlt somit eine wichtige Perspektive“, sagt er. Dabei hat Munawar nicht nur seine Interessen im Blick, sondern sieht als Repräsentant eines großen Bevölkerungsanteils auch Chancen, gravierende Probleme der Stadt zu lösen. Zum Beispiel die mit den vielen frischen Einwanderern aus Bulgarien und Rumänien. Die vermüllten Straßenecken, der Arbeiterstrich an der Berliner Straße und die Kriminalität seien schließlich Probleme, die alle Offenbacher beträfen.

„Man muss sich in die Leute hineinversetzen können, um eine Lösung zu finden“, erklärt er. Diese Fähigkeit fehle den etablierten Parteien. Mit Kandidaten die einen bulgarische oder türkische Migrationsgeschichte haben, will die FNO dieses Defizit ausgleichen. Neben den Kontakt auf Augenhöhe zu den Neu-Offenbachern möchte der engagierte Mann auch den Dialog zwischen alteingesessenen Offenbachern aus Bieber und Bürgel und den Innenstädtern fördern. Dass er in der Hinsicht etwas erreichen kann, liegt für ihn auf der Hand. „Ich sitze an der Schnittstelle!“, sagt er und schaut wieder aus seinem Geschäft auf die Straße. Außerdem sei er über den Wilhelmsplatz hinaus gut vernetzt. Diese Vorteile möchte er gern in der Stadtpolitik einbringen. „Ich möchte beiden Seiten die Berührungsängste nehmen“, sagt er. Das ihm das gelingen könnte, führt er auf ein schlichtes Selbstverständnis zurück: „Ich bin kein Politiker, ich bin Offenbacher!“

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