AfD nach Auszählung bei neun Prozent und sechs Sitzen

SPD nach zehn Jahren wieder in Offenbach vorn

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Offenbach - Die Auszählung der Personenstimmen hat, wie erwartet, den Offenbacher Trend vom Sonntag korrigiert. Wesentliche Veränderungen: Die SPD ist nach zehn Jahren vor der CDU wieder stärkste Partei. Und die AfD rutscht um mehr als ein Prozent ab. Von Thomas Kirstein 

CDU-Vorsitzender Stefan Grüttner und unsere Zeitung haben eins gemeinsam: Wir lagen beide am Sonntagabend mit einer voreiligen Einschätzung schief. Der hessische Sozialminister meldete bereits Ansprüche der im Vergleich zu 2011 deutlich geschwächten Union als erneut stärkste Partei an. Tatsächlich liegt sie 0,7 Prozent und einen Sitz hinter den Genossen. Wir hingegen sahen die Republikaner schon komplett aus dem Stadtparlament fliegen. Jetzt haben sie dank zusätzlicher Personenstimmen doch noch einen Sitz ergattert. Damit bleibt es für die Rechte bei den sieben Stadtverordneten, die sich am Sonntag abzeichneten. Denn die AfD erhält ein Mandat weniger als am Sonntag angedeutet. Ihr Stimmenaufkommen verringert sich gegenüber der Tendenz um 1,3 auf 9 Prozent. Sie ist damit nicht viert-, sondern nur fünftstärkste Kraft in Offenbach.

Die Ehre, den neuen Stadtverordnetenvorsteher stellen und zu Koalitionsverhandlungen bitten zu dürfen, fällt nach einem Jahrzehnt wieder SPD zu. Die Genossen werden nach Verlusten von 1,5 Prozent gegenüber 2011 mit 18 statt bisher 19 Köpfen vertreten sein. Die CDU-Fraktion schrumpft – um minus 6,8 Prozent – deutlicher, von 22 auf 17 Stadtverordnete. Bei den noch stärker als die Unionschristen gerupften Grünen (minus 7,6 Prozent) ändert sich im Vergleich zum Trend wenig. Sie entsenden weiterhin zehn statt bisher 16 Stadtverordnete. Die Linken kommen nicht auf 9, sondern nach Gewinnen von 2,3 nur auf 7,8 Prozent. Das macht mit sechs Abgeordnete zwei mehr.

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Stabil und neben der AfD die Zugewinnsiegerin bleibt die FDP. Der Sprung von 5,1 anno 2011 auf 9,5 Prozent beschert den Liberalen sieben Mandate im Parlament. Das vorläufige Endergebnis ändert indes nichts daran, dass die Suche nach einem handlungsfähigen Pakt kompliziert wird. Nur wenn sich CDU und SPD zusammentun und einen Partner ins Boot holen, würde es rechnerisch für eine Dreier-Kombination reichen: Mit Freien Wählern oder Neuem Forum, jeweils zwei Sitze, wäre die Mehrheit (37 von 71) ziemlich dünn. Die Linke scheidet mindestens für die Union aus, also bleiben mit FDP und Grünen zwei auch bei Personalien anspruchsvolle Verhandlungspartner. Alternative: Man probiert’s als Parteien-Quartett. Mit der AfD will, wenig überraschend, keiner paktieren.

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Wie die Kandidaten-Ergebnisse zeigen, ist von der Möglichkeit, Personen mit drei Stimmen zu bedenken oder welche zu streichen, durchaus Gebrauch gemacht worden. Das ändert manche Ambition: Der langjährige Rep-Chef Hans-Joachim Münd, eigentlich auf Platz eins, müsste dem Kameraden Thorsten Pfannkuchen weichen. Ansonsten ist lediglich bei der SPD die Spitzenposition nicht durch die Wähler bestätigt worden. Galionsfrau Gertrud Marx rutschte auf Platz drei. Nummer eins wurde Parteichef und Stadtkämmerer Felix Schwenke (vorher zwei), gefolgt von der Landtagsabgeordneten Heike Habermann (vorher drei).

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