Junge Leute denken vorwärts

OP-Serie: Dennis Lehmann von den Freien Wählern vorgestellt 

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Hält es für untragbar, dass die Stadtbusse nach 20 Uhr nur halbstündlich fahren: Dennis Lehmann von den Freien Wählern.

Offenbach - Junge Leute interessieren sich nicht für Kommunalpolitik? Wir treffen uns mit Nachwuchspolitikern, die auf den Listen für die Kommunalwahl zu finden sind. Wir fragen sie, was ihnen wichtig ist und wie sie ihre Generation erreichen möchten. Im siebten Teil unserer Serie: Dennis Lehmann von den Freien Wählern (FW). Von Julia Radgen 

Dennis Lehmann sieht sein Gesicht jeden Tag. Nicht nur im heimischen Badezimmerspiegel, sondern in Form eines Wahlplakats. „Eines hängt direkt in meiner Straße“, sagt der 27-Jährige. Es ist die erste Wahl, bei der er für die Freien Wähler kandidiert – auf Platz fünf der Liste. „Ich hätte gerne noch einen höheren Listenplatz ergattert“, sagt er lächelnd. „Mecker’ nicht nur, sondern mach’ mal selbst etwas.“ Das sagen seine Eltern, die ebenfalls für den Wählerverein kandidieren, vor drei Jahren zu ihm. Daraufhin notiert sich Lehmann Punkte, die ihm wichtig sind, und legt sie auf einen der monatlichen „Babbeltische“ der Freien Wähler. „Ich wollte sehen, was umsetzbar ist“. Stadtentwicklung und öffentlicher Nahverkehr sind die Themen, für die sich der blonde junge Mann engagiert, der als Schreiner bei den Städtischen Bühnen in Frankfurt arbeitet. „Dass nach 20 Uhr die Offenbacher Busse nach 20 Uhr nur alle halbe Stunde fahren, ist für junge Leute kein Zustand.“ Lehmann setzt sich für einen verlängerten Betriebsschluss von zumindest einer Linie ein. „Wir müssen außerdem den Druck erhöhen, dass der Nahverkehr pünktlicher wird“, fordert er. Viele Passagiere nähmen Verspätungen zu klaglos hin. „Um etwas erstattet zu bekommen, muss man erstmal sechs Seiten ausfüllen“, bemängelt er.

Die Freien Wähler sind in Offenbach als Verein organisiert, nicht als Partei wie auf Landesebene. „Wir können uns deshalb finanziell keinen großen Wahlkampf leisten“, sagt Lehmann. Ihre Plakate zahlen die Kandidaten selbst oder versuchen, die Kosten durch Spenden zu decken. Der Schreiner gehört zu den Jungen bei den Freien Wählern Offenbach. „ Nach mir geht es erst wieder bei Mitte 40 los“, sagt er über den Verein mit aktuell zwei Sitzen im Stadtparlament.

Dementsprechend schwierig sei es, Anliegen junger Leute in der internen Diskussion durchzusetzen. „Ich würde oft andere Sachen mit dem städtischen Geld machen“, sagt Lehmann. Zum Beispiel einen neuen Bolzplatz. „Früher kam man aus der Haustür raus und konnte direkt kicken“, sagt der gebürtige Offenbacher. Heute gebe es das nicht mehr. Auch die Sanierung von Umkleiden und Duschen im Schwimmbad und von Spielplätzen stehen ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Die Jungen hätten andere Ansichten als die altgedienten Lokalpolitiker, meint Lehmann. „Sie besitzen mehr Lebenserfahrung, aber lassen Dinge auch mal so, wie sie sind“. Im Gegensatz dazu hätten Nachwuchspolitiker keine Angst, etwas zu verändern. „Junge Leute denken vorwärts.“

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Von ihnen gebe es bisher zu wenige in der Lokalpolitik. Lehmann würde junge Offenbacher gerne auf für den bürgernahen politischen Verein aufmerksam machen – und sie motivieren, sich zu engagieren. „Es reicht ja, wenn du in der Politik bist“, sagen viele seiner Freunde. Das lässt Dennis Lehmann nicht gelten: Wer fordert, dass sich etwas verändern soll, muss seine Meinung einbringen, ist er überzeugt: „Man kann ja auch nicht von seinem Chef mehr Gehalt fordern, ohne Leistung zu bringen.“

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