Grüne Kandidaten für Kommunalwahl

Dämpfer für Fraktionschefin

+
Weichenstellung Richtung Kommunalwahl 2016: Die fünfköpfiges Führungsriege der Offenbacher Grünen bilden Brigitte Koenen, Edmund Flößer-Zilz, Ursula Richter als Nummer eins der Kandidatenliste sowie Tobias Dondelinger und Susanne Schmitt.

Offenbach - Mit der 66 Jahre alten langjährigen Gewerkschaftssekretärin Ursula Richter an der Spitze treten die Bündnis-Grünen in Offenbach zur Kommunalwahl am 6. März 2016 an. Von Harald H. Richter

Am Samstag verabschiedete die Kreismitgliederversammlung im Quartierssaal des Gründercampus Ostpol eine mehr als 40 Personen zählende Liste von Bewerbern um die 71 Mandate im Stadtparlament. Als Sitzungsleiter Wolfgang Strengmann-Kuhn das Resultat der Entscheidung um den ersten Listenplatz verkündet, ist es das beste Ergebnis eines mehr als sechs Stunden währenden Aufstellungsverfahrens. Ohne Gegenstimmen bei einer Enthaltung wird Ursula Richter auf Platz eins der grünen Kandidatenliste für die Wahl zur Offenbacher Stadtverordnetenversammlung gesetzt. Erstmals 1997 ins Kommunalparlament gewählt, hatte sie ab 2001 eine Weile pausiert und sich schwerpunktmäßig in der IG Metall engagiert. Seit 2013 ist sie wieder grünes Fraktionsmitglied, unter anderem als stellvertretende Vorsitzende. „Ich möchte mich verstärkt um die qualitative und quantitative Verbesserung der Kinderbetreuung kümmern“, bekräftigt sie die Absicht, soziale Belange in den Vordergrund ihres künftigen politischen Handelns zu stellen.

Neben Richter erreichen der 33-jährige wissenschaftliche Mitarbeiter Tobias Dondelinger – als Listenplatz-Vierter – sowie der Diplombiologe und Klimaschutzmanager Edmund Flößer-Zilz (58) auf Platz drei sowie die seit 14 Jahren im Kommunalparlament wirkende Brigitte Koenen als Fünfte der Bewerberliste die besten Ergebnisse. Die 74-jährige ist stellvertretende Plenumsvorsitzende und sieht innerhalb der Fraktion ihre Handlungsfelder auf dem Gebiet Kultur, Schule und Sport. Kalt erwischt es die amtierende Fraktionsvorsitzende Susanne Schmitt. Sie erleidet bei der Abstimmung um Listenplatz drei einen herben Dämpfer. Die Sozialpädagogin schafft mit 22 Ja-Stimmen gerade so das erforderliche Quorum und fährt das schlechteste Ergebnis aller antretenden Bewerber ein. Zehn Gegenstimmen und elf Enthaltungen werten Beobachter als Ausdruck gewisser Unzufriedenheit der Basis mit ihrer parlamentarischen Frontfrau.

Über Stunden zieht sich das Abstimmungsverfahren im Saal des Gründercampus Ostpol hin, bis zumindest die ersten 20 Plätze besetzt sind. Während die ersten fünf Listenplätze ohne Gegenkandidaten vergeben werden, treten ab dem sechsten Listenplatz unter Beachtung der Frauenquote jeweils mehrere Bewerber an. Gleich im ersten Wahlgang setzt sich der Kultur- und PR-Manager Kai Schmidt gegen Lucia Gerharz durch. Der 48-jährige taucht zum ersten Mal auf der Bewerberliste um ein Stadtverordnetenmandat auf, erzielt mit 36 von 43 Stimmen ein Spitzenergebnis. „Offenbach ist die Großstadt in Deutschland mit dem geringsten Kulturbudget. Ich möchte versuchen, etwas zum Positiven zu bewegen“, begründet er seinen Entschluss, sich um ein Abgeordnetenmandat zu bewerben. Die freischaffende Künstlerin Gerharz muss lange warten, bevor sie ihre Bewerbung schließlich als 15. der Setzliste durchbringt. Durchhaltevermögen wird auch dem ehrenamtlich engagierten Jörg Engelmann (66) abverlangt, der etliche Anläufe benötigt, um als 15. aufgestellt zu werden.

Politischer Aschermittwoch: Die besten Sprüche

Schneller geht es für die Hydrologin Sybille Schumann, die Rumpenheimer Pfarrerin Christiane Esser-Kapp, die Erziehungswissenschaftlerin Hülya Selcuk und den gut vernetzten Sozialpädagogen Zijad Dolicanin auf den Plätzen sieben bis zehn. Auf den Folgerängen reihen sich sowohl mehrjährig erfahrene Stadtparlamentarier ein als auch etliche Neulinge, wie etwa der Versicherungsmathematiker Henning Kühl oder der Journalist und EVO- Redakteur Olaf Zimmermann.

Gleichwohl es bei dieser Kreismitgliederversammlung ausschließlich um Personalien geht und nicht ums Wahlprogramm, werden die Kandidaten von den Mitgliedern auf ihre mögliche Bündnis-Präferenzen nach dem 6. März 2016 abgeklopft. „Größtmögliche inhaltliche Schnittmengen sollten ausschlaggebend sein, welche Partnerschaften wir eingehen können, wobei wir unsere Positionen selbstbewusster als vor vier Jahren vertreten müssen“, bringt Sybille Schumann das Meinungsbild vieler auf den Punkt. Zunächst aber müsse der Wähler von grünen Positionen überzeugt werden.

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare