Die Generationen verbinden

Seniorenhilfe diskutiert mit Kandidaten

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Jung und Alt wohnen gemeinsam unter einem Dach: Ein weiteres Mehrgenerationenwohnhaus, nach dem Vorbild der Einrichtung an der Weikertsblochstraße (Archivbild), ist nur eine der Forderungen, die Senioren bei der Gesprächsrunde an Lokalpolitiker richten.

Offenbach - Was planen Lokalpolitiker, die sich zur Wahl stellen, in den nächsten fünf Jahren für ältere Bürger? Das wollte die Seniorenhilfe persönlich erfragen – und lud neun Kandidaten zur Diskussion in die Wohnanlage am Lämmerspieler Weg ein. Von Harald H. Richter

„Nicht bunte Kugelschreiber und Faltblätter sind ausschlaggebend für die Wahlentscheidung, sondern überzeugende Argumente“, sagt Sigrid Isser, Vorsitzende der Seniorenhilfe. Ob die Kandidaten letztere parat haben, will der Verein im Gespräch prüfen: Dazu sind sieben der neun im Stadtparlament vertretenen Parteien und Gruppierungen angetreten (ohne Forum Neues Offenbach und Republikaner). In darf maximal fünf Minuten darf jeder Kandidat die politischen Ideen für Offenbacher Senioren darlegen. Schnell zeigt sich, dass die Inhalte der kommunalpolitischen Parteiprogramme stärker darauf abzielen, die Generationen zu verbinden. Stadtrat Dr. Felix Schwenke, Listenplatz-Zweiter der SPD, will älteren Menschen mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen – trotz knapper Finanzen. Das sei wichtig für heutige Senioren, weiß Schwenke aus eigener Erfahrung: „Mein Opa ist 92 und fühlt sich gar nicht alt.“

CDU-Spitzenkandidat Peter Freier will vorhandene Informationsnetzwerke für Älteren erschließen und verdichten. So sollen Angebote für Senioren verknüpft werden. Für die Grünen setzt Fraktionsvorsitzende Ursula Richter („Ich gehöre als über 60-Jährige auch zu den Senioren“) große Hoffnungen auf den städtischen Inklusionsplan. „Der beschränkt sich nicht auf den pädagogischen Faktor Kind mit Behinderung, sondern will mehr!“ Gerade ältere und sozial schlechter gestellte Menschen bekämen die Auswirkungen von Bundesgesetzen oder von Sparmaßnahmen in Offenbach stärker zu spüren als andere Bevölkerungsgruppen, meint die Linke Elke Kreiss. Ihre Partei achte daher darauf, dass Wohnungen in Offenbach trotz des herrschenden Baubooms für einkommensschwache Menschen bezahlbar bleiben.

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Oliver Stirböck von der FDP ist überzeugt, dass in einer nachweislich jungen Stadt wie Offenbach die „Enkel-fitte Generation“ noch viel bewegen könne. Dass Senioren aktiv bleiben wollten, sehe man aktuell an der Flüchtlingsbetreuung, bei der sich viele ältere Menschen ehrenamtlich engagierten, lobt der Freidemokrat. Jutta Lehmann, die für die Freien Wähler kandidiert, erhofft sich vom Dialog in der Seniorenwohnanlage konkrete Anregungen für die künftige Plenumsarbeit.

Für die vorgetragenen Wünsche der Zielgruppe 60 Plus setzten sich die Piraten ein, wie Fraktionschef Gregory Engels betont: „Barrierefreie Zugänge, ein erschwinglicher öffentlicher Nahverkehr und eine insgesamt stärker seniorengerechte Verwaltung sind uns ein wichtiges Anliegen.“

Aus dem Zuhörerkreis werden die Lokalpolitiker gefragt, warum es in Offenbach trotz vollmundiger Lippenbekenntnisse aus den Reihen der Kommunalpolitik kein weiteres Mehrgenerationenwohnhaus gibt. „Es tut sich zu wenig“, beklagt Gertrud Helduser, Sprecherin der Gruppe Lebenswert, die sich für ein weiteres solches Wohnhaus in der Stadt einsetzt. „Diese wichtige soziale Wohnform muss man stärken“, fordert sie und wird von Emma Gros, der Vorsitzenden des Seniorenrats der Stadt, bestärkt: „Investitionen in soziale Strukturen kommen allen Einwohnern zugute.“

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Ihre betagten Zuhörer, das wird den Politikern schnell klar, legen wenig Wert auf Versprechungen. Die Senioren fordern Lösungen für alltägliche Probleme wie Stolperfallen auf Gehwegen und ungeeignete Sitzbänke („ohne Handgriff, auf den man sich beim Aufstehen stützen kann“). Sie kritisieren zu kurzes Ampel-Grün an Fußgängerüberwegen und die Regelung, dass Radler auf ausgewählten Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung unterwegs sein dürfen. „Ältere Menschen rechnen beim Überqueren einer solchen Straße nicht damit, dass plötzlich von der anderen Seite einer angerast kommt“, moniert das Publikum.

Auch dass die Seniorenmesse von der Stadt aus Kostengründen aufgegeben wurde, bedauert die Zielgruppe. „Wir sind für Vorschläge offen“, dieser Satz fällt mehrfach an diesem Nachmittag. Einige Impulse und Forderungen können wegen knapper Mittel nicht oder nur geringfügig von der Stadt finanziert werden. Dennoch keimt unter den Senioren Hoffnung auf – durch den Vorschlag, private Partner aus Wirtschaft, Gewerbe und Handel als Sponsoren zu gewinnen, zur Finanzierung geeigneterer Ruhebänke beispielsweise. Der Seniorenrat ist mit gutem Beispiel vorangegangen und stiftet zwei Exemplare. „Es dürfen gern mehr werden“, fordert Emma Gros zur Nachahmung auf.

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