Frankfurt liefert den Wahlkampfstoff

Die Animosität zwischen Frankfurt und Offenbach ist sprichwörtlich. Die Offenbacher CDU geht mit der traditionellen Rivalität auf Stimmenfang.

Den einen gilt das Autokennzeichen OF als Synonym für „Ohne Führerschein“. Die anderen nennen den Nachbarn im Westen nicht mal beim Namen.

Parteifreund hin, Parteifreund her. Wenn es um seine Heimatstadt geht, nimmt Peter Freier keine Rücksicht. Freier ist CDU-Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl (27. März) in Offenbach. Im September will er Oberbürgermeister werden. Er wäre der erste Christdemokrat auf dem Spitzenposten seit mehr als 30 Jahren. Aktuell sitzt der Hauptgegner aber scheinbar in Frankfurt. Die CDU reitet Attacken gegen die Nachbarstadt und bedient damit ein Gefühl der Unterlegenheit, dass das Verhältnis der Offenbacher zur Mainmetropole schon länger prägt.

Zuerst geriet Freier mit dem CDU-Fraktionschef im Frankfurter Römer, Helmut Heuser, aneinander. Auf Heusers in einer Boulevard-Zeitung veröffentlichte Klage, Offenbacher Autofahrer könnten bei Regen ihr Gefährt nicht lenken und verstopften deshalb die Straßen der Mainmetropole, folgte die Retourkutsche vom anderen Flussufer: „Völlig unqualifiziert“, „beleidigend“, „verletzend“. „Parteifreund spielt keine Rolle. Da geht's um Offenbach“, rechtfertigt Freier die klaren Worte kontra das Klischee.

Selbst wohlmeinende Gesten des finanzkräftigen Nachbarn kommen schlecht an. Weil es im rot-grün-gelb regierten Offenbacher Rathaus sowohl an Geld als auch an Mitarbeitern mangelt, hilft bei der Bauaufsicht derzeit Personal von jenseits der Stadtgrenze aus. Ausgerechnet diese Leute könnten nun über die Zukunftsprojekte entscheiden, unkt die CDU. Die Bebauung des ehemaligen Hafens etwa. Oder fast noch schlimmer, das neue Stadion für die drittklassigen Offenbacher Kickers.

Der Offenbacher Komplex scheint geschichtlich bedingt. Schon in der ersten urkundlichen Erwähnung 977 n. Chr. werde „Ovenbach“ als „Appendix“ (Anhängsel) der Frankfurter Erlöserkirche bezeichnet, so der Historiker Vicente Such-Garcia. Frankfurt hingegen glänzt seit 794 n. Chr. als Gründung des 800 n. Chr. gekrönten Kaiser Karl. Hier das arme, handfeste Offenbach, dort das reiche, bürgerstolze Frankfurt „wurde zum roten Faden des gegenseitigen Verhältnisses.“

Vor diesem Hintergrund produzierte die CDU den einzigen Aufreger des Kommunalwahlkampfs in der ehemaligen Lederstadt. Eine Plakataktion schürte die Furcht, Frankfurt könne auf dem prestigeträchtigen Offenbacher Hafenareal Sozialwohnungen bauen, um sich eigene Wohnungsprobleme vom Hals zu schaffen.

Der Haken: Der Investor ABG Frankfurt Holding und die regierenden Kommunalpolitiker beider Seiten hatten von hochwertigen Wohnungen gesprochen. Bis auf eine Ausnahme: Frankfurts CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth leistete sich einen Versprecher. Der wurde umgehend korrigiert. Trotzdem klebten die Parteifreunde in Offenbach die Plakate. „Die Gefahr bestand real, dass Sozialmieter als Klientel von Frankfurt reingesetzt worden wären“, so Peter Freier.

Ein Brief der ABG beendete die Posse; die CDU verkaufte das Ganze als Erfolg. SPD-Chef Felix Schwenke reagiert sauer: „Man kann im Wahlkampf eine Menge unsinniger Behauptungen aufstellen und sich hinterher feiern lassen, dass sie nicht stimmen.“ Das zarte Pflänzchen Kooperation sieht er nicht in Gefahr. Die Immobilienbranche ironisiert das Thema. „Kein Mitleid mit Frankfurt. Offenbach hat schönere Wohnungen“, titelte jüngst ein Unternehmen.

Von Monika Hillemacher, dpa

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