Ein Ort der Kommunikation

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Imam Fuat Gökcebay, Vereinsvorsitzender Hüseyin Yigit und Imam Isa Öner.

Offenbach ‐ Von außen ist es ein unscheinbarer Gebäudekomplex an der Bleichstraße 56. Doch wer den Hof durchquert und barfuß das hinterste Gebäude betritt, findet sich in einem Ambiente fast wie in Tausendundeiner Nacht wieder. Von Veronika Szeherova

Auf ihre prächtige Moschee ist die Türkisch-Islamische Kultur-Gemeinde stolz. Überhaupt spielt Religion die zentrale Rolle in dem 1978 gegründeten Verein. „Dies ist der Ort, an dem wir den Islam leben, lehren und an die nächste Generation weitergeben“, sagt Vorsitzender Hüseyin Yigit.

170 bis 200 Mitglieder zählt die Gemeinde aktuell. „Doch das ist für uns gar nicht so wichtig, denn kommen darf jeder, der sich für uns interessiert“, betont Yigit. „Ob Mitglied oder nicht, Muslim oder Christ, egal.“ Nahezu 8000 Türken leben in Offenbach. An Spitzentagen versammelten sich 1500 Menschen in und um die Moschee an der Bleichstraße, eine von fünf in Offenbach.

Zwei Imame - bei den Sunniten die Vorbeter - wirken und. Und neuerdings auch eine Imamin. Erst im September vergangenen Jahres kamen Isa Öner und seine Frau Yasemin aus der türkischen Stadt Kütahya nach Offenbach. „Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und der Türkei sind groß“, findet der Imam. „Aber allgemein gefällt es mir sehr gut. Ich bin sicher, dass mir die Zeit hier wertvolle Erfahrungen bringen wird.“ Isa Öner gibt Islamunterricht und hält Gottesdienste für Jungen, Yasemin übernimmt diese Aufgaben bei Mädchen.

Anfängliche Sprachprobleme

Imam Fuat Gökcebay und seine Familie sind schon seit dreieinhalb Jahren in Deutschland und seit zwei Jahren in Offenbach. Am Anfang habe er die Sprachbarriere als größte Schwierigkeit empfunden, vor allem seine Kinder hätten viele Probleme gehabt. „Mittlerweile korrigieren sie mein Deutsch“, lacht er.

Jeweils fünf Jahre verbringen türkische Imame, die sich dazu bereit erklärt haben, an einer ausländischen Moschee. Als Beamte ihres Landes werden sie von der Türkei finanziert. „Wir sind sozusagen ein Geschenk des türkischen Staates an seine gläubigen Bürger in aller Welt“, bringt Gökcebay es auf den Punkt. Die Aufsicht über etwa 900 deutsche Moscheen, den Austausch der Imame und über die Offenbacher Türkisch-Islamische Gemeinde hat die Dachorganisation DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.).

DITIB gewährleistet auch, dass beispielsweise der Islam unterricht in geregelten, mit dem deutschen Grundgesetz übereinstimmenden Bahnen verläuft. „Fundamentalistisches Denken hat bei uns keine Chance“, versichert Vorsitzender Yigit.

Stunden werden spielerisch gestaltet

Die Kinder kommen an beiden Wochenendtagen für jeweils drei Stunden zum Is lamunterricht in den Verein. „Das ist neben dem normalen Schulalltag eine zusätzliche Belastung für die Kinder“, gesteht Yigit ein. Daher werde darauf geachtet, die Stunden spielerisch zu gestalten, mit kurzen Lese- und Konzentrationsphasen.

Der Unterricht ist lange nicht so streng aufgeteilt wie in der Schule“, bestätigt Gökcebay. Aufmerksam verfolgen beide Männer die öffentliche Diskussion um die Einführung von regulärem Islamunterricht an deutschen Schulen. „Wir vertrauen darauf, dass die Einführung in Gang kommt“, berichtet der Imam, „denn Islamunterricht sollte ein Grundrecht sein.“

Großes Interesse an Fußballspielen

Freizeitangebote wie Wanderausflüge und Schwimmbadbesuche gehören ebenfalls zum Vereinsangebot. Nachmittags erteilen ausgebildete Lehrer Nachhilfe oder betreuen die Kinder bei den Hausaufgaben. Feste Frauengruppen treffen sich regelmäßig. Vor allem bei Fußballspielen der Türkei ist der Vereins-Aufenthaltsraum dank der großen Videoleinwand restlos gefüllt.

Neben den moslemischen Veranstaltungen und Festen legt die Deutsch-Islamische Kultur-Gemeinde viel Wert auf den interreligiösen Dialog. Regelmäßig gibt es Treffen mit Angehörigen anderer Religionen. Moscheeführungen sind sehr beliebt.

Wir sind seit mehreren Generationen in Deutschland, und möchten weiter hier leben“, sagt Yigit. „Daher ist es wichtig, miteinander zu kommunizieren und offen und freundschaftlich zusammenzuleben.

Der Anlagenmechaniker sieht Deutschland als seine erste Heimat, die Türkei als zweite. „Wir sind ein Teil der deutschen Gesellschaft, möchten diese Aufgabe so gut es geht erfüllen. In diesem Denken erziehen wir auch die Kinder.“

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