Komprimiert kreativ

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Offenbachs Gestaltungshochschule ruft und der internationale Designernachwuchs folgt: Die Kunde vom ersten „After School Club“ hat sich in der Szene wie ein Lauffeuer verbreitet. Nun soll der Workshop auch geografische Grenzen überschreiten.

Offenbach - „After School Club“? Tanzveranstaltung für frisch gekürte Abiturienten? Nein. Hinter dem Namen verbirgt sich ein internationaler Workshop für junge Nachwuchsdesigner an Offenbachs Hochschule für Gestaltung (HfG). Von Claus Wolfschlag

Er dauerte fünf Tage und endete am Osterwochenende mit einer Schluss-Präsentation – und, ganz „ohne“ soll’s dann halt doch nicht sein, einem Bandauftritt.

Seit Oktober ist das Gebäude Geleitsstraße 103 Teil der Hochschule. Doch die Räume stünden die Hälfte der Zeit leer, sagte HfG-Professor Eike König, weshalb sie sich geradezu für die temporäre Nutzung anböten. Die Idee für den „After School Club“ entstand vor drei Monaten. König entwickelte sie gemeinsam mit dem Frankfurter Grafiker Alexander Lis und einem Team aus sechs Studenten. Als einige Wochen später die Einladung ins Internet gestellt wurde, hatte sich die Nachricht in der Szene der Kulturschaffenden offenbar schon wie ein Lauffeuer verbreitet. 12 000 Zugriffe verbuchte die Webseite; 300 Bewerbungen gingen ein, von denen anhand der eingereichten Portfolios 100 Jungkünstler ausgewählt wurden.

Studenten aus New York, Israel, Lyon und Oslo

Ein Drittel der Teilnehmer entstammte der HfG, der Rest setzte sich international zusammen. Beispielsweise waren Studenten eigens aus New York, Israel, Lyon und Oslo nach Offenbach gereist, um Erfahrungen mitzunehmen. Die englische Sprache diente als allgemeine Verständigungsbasis.

Zwar bestehe im Rhein-Main-Gebiet eine Achse der Kunst- und Kunsthochschulen in Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Frankfurt und Offenbach. Zudem habe man einen internationalen Flughafen vor der Nase. Doch die Möglichkeiten zum kreativen Austausch und zur internationalen Vernetzung werde bislang nur unzureichend genutzt, meinte König.

Kooperationen mit Offenbacher Einrichtungen

Während der kreativen Woche ging es darum, Wissen selbst zu organisieren und mit den anderen zu teilen. „Teilen“ lautete somit auch das Motto der ganzen Veranstaltung. Ein angesichts der derzeitigen Diskussion um den Schutz geistigen Eigentums im Internet aktuelles Thema. Was sonst in einem Semester passiere, sollte nun in wenigen Tagen konzentriert erarbeitet werden.

Die Teilnahme am Club selbst war kostenlos. Und um den Angereisten auch einen möglichst günstigen Aufenthalt zu ermöglichen, kam es zu zahlreichen Kooperationen mit Offenbacher Einrichtungen. Die Planstation und die Wirtschaftsförderung unterstützten, die Initiative „Like Offenbach“ um Loimi Brautmann half durch Vergabe von Stadtkarten und eine Exkursion zum Ledermuseum. In der unteren Etage der HfG-Dependance entstand ein großes Schlaflager, Duschen fanden sich im Boxklub gegenüber. Eine Kooperation für günstiges Essen wurde etwa mit einer Pizzeria in der Kaiserstraße vereinbart. „Wir wollten gute Gastgeber sein“, erläuterte HfG-Studentin Nadine Eleni Kolodziey, Königs Assistentin.

„Es war wie eine kleine Messe“

Das Festival war unterteilt in zwei zweitägige Workshopblöcke. Dazwischen trugen sechs Referenten ihre Positionen vor. Das thematische Spektrum des Austauschs umfasste viele Bereiche der Gestaltung, von Zeichnung über Mode, von der Produktion eines Magazins bis zur Entwicklung von Mikrotypographie. Schon laufende Projekte wurden vorgestellt, ein Plattenlabel und ein Buchverlag präsentierten sich, freie Kunst wurde verkauft, zudem gab es Filmabende und Bandauftritte. „Es war wie eine kleine Messe“, meinte Nadine Eleni Kolodziey. Und zwar eine öffentlich zugängliche. Gleichwohl: Nur wenige Normalbürger dürften sich in dieses Treffen der Fach-Szene verirrt haben. Der allgemein spürbaren guten Laune unter den Teilnehmenden tat dies allerdings keinen Abbruch. Eine Buch-Dokumentation ist geplant. Und ein Student hat sich gar in jugendlicher Euphorie als Erinnerung das Veranstaltungslogo auf die Wade tätowieren lassen.

Der „After School Club“ soll nun jährlich stattfinden. Zudem ist eine internationale Ausweitung des Formats im Gespräch. „Wir sind die Paten, die Gründungsväter“, so Eike König. „Wir wollen die Region öffnen für kulturelles Schaffen. Ansonsten geschieht alles eigenverantwortlich.“

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