Konfetti im Schlagloch

+
Gud Stuss, Ahoi!!!

Burgilla ‐ Bürgel, Ortseingang, 13.34 Uhr: In den Straßen und Gassen des Stadtteils ist es still. Dieser Dienstagmittag ist anders. Um eine Ecke biegen zwei junge Männer in weißen Schutzanzügen aus Papier. Von Katharina Skalli

Kichernd sind sie auf dem Weg zum Ortskern. In der Kettelerstraße herrscht für einen Tag absolutes Halteverbot. Noch ist es in Bürgel still. In einer Stunde hat die Ruhe ein Ende. Dann ziehen die Narren durch die Gassen und haben ihren Auftritt. So wie jedes Jahr bittet der Stadtteil zum Fastnachtsumzug. Die Bewohner treffen letzte Vorbereitungen. Hoftore öffnen sich und geben den Blick frei auf geschmückte Biertischgarnituren. Punsch wird in Wärmebehälter gefüllt. Fenster werden mit Girlanden versehen. Wer hat, hisst eine Flagge.

Dalles, 14.11 Uhr: Der Bürgerplatz füllt sich. In der Sonne treffen sich Cowgirls, Bauarbeiter, Indianer, Katzendamen und Krankenschwestern. Zu Trillerpfeifentönen und Trommelschlägen wartet ganz Bürgel auf den Umzug. Für einen Tag hat das Viertel sein Gesicht verändert. Ist längst nicht mehr beschauliches Örtchen, sondern Offenbacher Karnevalshochburg. Unruhig warten kleine Feuerwehrmänner, Superhelden, schwarze Ballerinas, Pilotinnen und ganze Pilzfamilien auf den Einzug der Narren.

Bilder der Kappenfahrt

Bürgeler Kappenfahrt

Strackgasse, 15.12 Uhr: Leises Trommeln kündigt die Fastnachtsgesellschaft an. Endlich. Am Straßenrand und auf den Bürgersteigen richten sich kleine und große Fastnachter auf den Süßigkeiten-Regen ein. Und dann ziehen sie ein, die Offenbacher Narren und ihre Gäste. Oberbürgermeister Horst Schneider führt den Zug an. Fröhlich grüßt das Oberhaupt in die Menge. Er muss sich eilen, denn das Musikkorps aus Erlenbach am Main ist ihm auf den Fersen. Und zwar so gar nicht leise. Im Takt sowie in Königsblau gekleidet folgen die Mozarthusaren. Dann das Prinzenpaar aus Lederanien. Die königlichen Bonbons fliegen in die Menge, die mit hoch gestreckten Armen nach den begehrten Leckereien winkt.

Mit beiden Händen mal etwas zum Fenster raus werfen, davon träumt sicher so mancher Politiker. Zumindest davon, den Gürtel der Stadt nicht immer ganz so eng schnallen zu müssen. Simon Isser, Bürgermeisterin Birgit Simon und Oliver Stierböck dürfen wenigstens mal so tun als ob und verteilen großzügig Süßes vom Wagen der Stadt.

Dass sie kreativ sein können, beweisen die Politiker fast jedes Jahr bei der Auswahl ihrer Kostüme. Die Freien Wähler schieben sich als Löcherstopfer durch Bürgel und füllen hier und da ein Schlagloch mit Konfetti. Die SPD setzt auf ihre Lieblingsfarbe und lässt die Offenbacher Genossen als Feuerlöscher aufmarschieren.

Nicht das kleinste Tütchen Popcorn bleibt zurück auf dem Asphalt

Auch der Vespa Club Bürgel hat sich Gedanken gemacht. Ganz ohne tuckerndes Gefährt, dafür aber mit politischer Botschaft sind sie als Glühbirnen unterwegs. „Fehlt bei uns das Geld fürs Licht, findet das Christkind Burgilla nicht“, ist auf ihrem Plakat zu lesen. Damit spielt der Verein auf die Diskussion um die Weihnachtsbeleuchtung im Stadtteil an, die aus Kostengründen in Zukunft auszubleiben droht. Passend zum 100. Internationalen Frauentag steckt das weibliche Geschlecht in den schönsten Kostümen. An den wartenden Offenbachern laufen rosa Bienchen mit pink-glitzernden Fühlern und pastelligen Flügeln vorbei. Außerdem die Bürgeler Sultaninen, die in ihren rot-goldenen Gewändern samt Turban für einen Hauch 1001 Nacht sorgen. Da können nur die Raga-Frauen mithalten, die sich allesamt in Rokoko-Damen mit imposanter Turmfrisur verwandelt haben. Der Frauenchor der Humoria verzaubert als Hochzeitsgesellschaft und gibt damit schon mal einen Vorgeschmack auf die bevorstehende royale Trauung in Großbritannien.

Offenbacher Straße, 16.17 Uhr: Mit vollen Tüten und prall gefüllten Taschen schummeln sich kleine Feen und Polizisten im Miniaturformat durch die Menge. Alles was Platz hat wurde zum Sammeln der süßen Naschereien verwendet. Der Hut, der Schirm, die Zipfelmütze. Nicht das kleinste Tütchen Popcorn bleibt zurück auf dem Asphalt. Dafür jedoch Konfetti-Pfützen, Luftschlangen und leere Flaschen. Bis zum frühen Abend sind die 9500 Besucher wieder verschwunden. Mit ihnen das Trommeln und die Flötenklänge. Nur die Girlanden an den Fenstern werden noch eine Weile an den Umzug erinnern.

Zwei Besucher nehmen außerdem Blessuren mit. Ein Mitglied der Stadtgarde wurde von einem Wurfobjekt am Kopf getroffen und musste im Klinikum behandelt werden. Noch vor Beginn des Zuges wurde eine Frau ins Krankenhaus gebracht. Sie war in eine Streiterei geraten.

Kommentare