Konfirmation

Ein Schritt ins Erwachsenenleben

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Eine Tradition für evangelische Jugendliche: die Konfirmation. Dabei soll es weniger um das sture Auswendiglernen von Psalmen gehen, sondern vielmehr um Erkenntnisse für das eigene Leben.

Offenbach - Zum ersten Mal einen schicken Anzug mit Krawatte oder ein tolles Kleid in Kombination mit schicken Pumps tragen: In den Wochen um Ostern feiern wieder viele junge evangelische Christen ihre Konfirmation. Von Sabrina Kristen

Etwa ein Jahr lang bereiten sich die Jugendlichen auf ihren großen Tag, der in der Regel in die Zeit zwischen Palmsonntag und Pfingsten fällt, vor. Trotz vieler Kirchenaustritte bleiben die Zahlen der Konfirmanden dennoch seit Jahren konstant. Die neuesten Angaben stammen aus dem Jahr 2012. So werden durchschnittlich jedes Jahr 17 000 Jugendliche im Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) konfirmiert. Darunter fällt auch das Offenbacher Dekanat mit jährlich zwischen 130 und 150 Konfirmanden. Dabei ist ein klarer Trend zu erkennen: Immer mehr Jugendliche lassen sich erst kurz vor der Konfirmation taufen. „Die Eltern wollen ihren Kindern so bewusst die Entscheidung für oder gegen den Glauben überlassen“, sagt Pfarrer Steffen Held. In der Evangelischen Petrusgemeinde in Langen wird er Anfang Mai 16 Jugendliche konfirmieren. „Bei uns stehen vor allem die gemeinschaftlichen Erlebnisse im Vordergrund, nicht das sture Auswendiglernen von Psalmen“, betont der Geistliche.

Auch in der Evangelischen Kirchengemeinde Heusenstamm stehen im „Konfi-Unterricht“ zahlreiche Exkursionen und Begegnungen auf dem Programm. So berichten Ehrenamtliche von Organisationen wie Diakonie oder Brot für die Welt von ihrem Arbeitsfeld. Außerdem lernen die Konfirmanden zwei Bereiche ihrer Wahl im Gemeindeleben kennen. „Für die Jugendlichen ist es wichtig, sich mit ihrem Glauben und ihrer Tradition zu beschäftigen. Gleichzeitig sind sie in der Gemeinde immer sehr beliebt, da sie frischen Wind und Fröhlichkeit in unsere Räume bringen“, betont Pfarrerin Susanne Winkler von der Evangelischen Kirchengemeinde Heusenstamm.

Die Gemeinde erleben

Jeden Dienstag steht der „Konfi-Unterricht“ unter einem anderen Motto. „Gerade in der Pubertät beschäftigen die Teenager Fragen nach den eigenen Werten und dem Sinn im Leben. Dabei möchte ich sie ein Stück an die Hand nehmen und unterstützen“, so der 38-jährige Steffen Held. Nach der Konfirmation dürfen die evangelischen Christen offiziell am Abendmahl teilnehmen und ein Patenamt übernehmen. Außerdem ist sie in den meisten Gotteshäusern Voraussetzung für das kirchliche Wahlrecht und die Übernahme kirchlicher Ehrenämter.

„Entscheidend ist außerdem, dass die Jugendlichen in ihrer Gemeinde erleben: Ich bin von Gott gewollt und darf so sein, wie ich bin“, sagt die 34-jährige Pfarrerin. In den nächsten Wochen werden in Heusenstamm insgesamt 38 Jugendliche konfirmiert.

Eine strikte Kleiderordnung gibt es in den beiden evangelischen Gemeinden nicht. Jedoch rät Pfarrer Held, sich dem festlichen Anlass entsprechend zu kleiden: „Damit meine ich nicht zwangsläufig Anzug und Krawatte. Für mich wäre auch eine schicke Jeans und Hemd in Ordnung. Aber die Teenager wollen sich so richtig schick machen“

Die erste große Hürde haben die Konfirmanden bereits gemeistert: den Vorstellungsgottesdienst in der gut gefüllten Kirche. „Die Jugendlichen sind sehr aufgeregt, vor Publikum einen Bibelvers oder ein Gebet vorzutragen, aber im Anschluss sehr stolz auf ihre Leistung“, so Pfarrer Held. In Heusenstamm übernehmen die Jugendlichen die Gestaltung des Gottesdienstes komplett.

Kommunionkinder und Konfirmanden des Jahres 2013

Kommunionkinder und Konfirmanden des Jahres 2013

„Wir wollen zeigen: Kirche ist nicht nur etwas für ältere Menschen, sondern auch Jugendliche können aktiv mitmischen“, so der Pfarrer aus Langen. In seiner Gemeinde bleiben einige Teenager auch nach der Konfirmation im Gemeindeleben aktiv. Die „Kumas“ – im Alter zwischen 15 und 17 Jahren – leiten Kleingruppen im Konfi-Unterricht oder beteiligen sich an Jugendgottesdiensten. „Das beweist, dass niemand seine Konfirmation nur des Geldes wegen feiert, sondern durchaus eine große Tradition und etwas Positives dahintersteht“, sagt Pfarrer Held erfreut.

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