Hanau als Vorbild

Konjunkturpaket für Offenbacher Handel beschlossen

Offenbacher Geschäfte sollen vom Hilfspaket profitieren.
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Offenbacher Geschäfte sollen vom Hilfspaket profitieren.

Was in Hanau seit Donnerstag praktiziert wird, soll künftig auch in Offenbach möglich sein: Durch ein Hilfspaket möchte die Politik den Konsum ankurbeln, die Fachgeschäfte und Gaststätten unterstützen. Mit großer Mehrheit haben die Stadtverordneten den gemeinsam von SPD und Tansania-Koalition eingebrachten Antrag zugestimmt.

Offenbach - Eine von Oberbürgermeister Felix Schwenke geleitete „Task Force“ soll schnellstmöglich mit Vertretern des Handels und der Gastronomie ein Sofortkonzept zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft erarbeiten. Kommende Woche tagt das Gremium erstmals, 100 000 Euro für entsprechende Werbungkampagnen sind schon einmal bereitgestellt. Vertreter von Koalition wie SPD betonen, dass nun so schnell wie möglich das Hilfspaket geschnürt und umgesetzt wird.

Die Eile ist nötig, denn mit Blick auf Hanau ist Offenbach spät dran: Bereits zu Beginn der Corona-Krise (März/April) wurde dort die Möglichkeit eines stadteigenen Konjunkturpaketes diskutiert, Ende August gab das Stadtparlament grünes Licht für die Umsetzung: Fünf Millionen lässt sich die Brüder-Grimm-Stadt das kosten. Mittels des bereits etablierten „Grimmschecks“ gibt es Boni für in der Stadt getätigte Einkäufe, für einen Einkauf im Wert von 50 Euro gibt es etwa einen Fünf-Euro-Gutschein. Außerdem erhalten dort etwa 14 500 als einkommensschwach definierte Haushalte einen 25-Euro-Gutschein, damit auch sie den Konsum ankurbeln können.

Etat des Offenbacher Programms muss noch festgesetzt werden

In Offenbach ist man von solch konkreten Angeboten noch entfernt. Die SPD hatte zuvor in einem eigenen Antrag das Hanauer Programm zum Vorbild erklärt und ging von einem 3,5-Millionen-Euro-Paket aus, doch in Abstimmung mit der Koalition flog diese Summe aus dem Antrag. Die „Task Force“ soll nun in Abstimmung mit der Kämmerei klären, wie teuer das Konjunkturpaket wird und das dem Lokalparlament zur Abstimmung vorlegen.

Während sich OB Schwenke auch für Offenbach ein auf Gutscheinen basierendes Modell als Kaufanreiz vorstellen kann, ist sich die Koalition darüber uneins: Dort sind Gewinnspiele, Geschenkaktionen oder eine „City Arena“, in der corona-konform Veranstaltungen angeboten würden, denkbar, um Menschen zum Einkaufen in Offenbach zu bewegen. FDP-Fraktionschef Dominik Schwagereit etwa fürchtet, dass Gutscheine zur „Abwrackprämie für Offenbach“ würden.

SPD für Gutschein-System nach Hanauer Vorbild

Ein nicht von der Hand zu weisender Vorteil des Gutschein-Systems wäre indes, dass alle teilnehmenden Geschäfte, inklusive Ringcenter und Stadtteilen, davon profitieren würden – auch dort gibt es Arbeitsplätze, deren Erhalt sichergestellt werden muss. „Es geht nicht abstrakt um ,die Wirtschaft’, sondern ganz konkret um Arbeitsplätze in Offenbach“, betont Schwenke. Im Gegensatz zu anderen Großstädten sei die Kaufkraftbindung in Offenbach eher schwach: „Oberzentren haben normalerweise eine Kaufkraftbindung von weit über 100 Prozent, wir kämpfen darum, 100 Prozent zu erreichen“, sagt er. Daher müssen weitere Anreize geschaffen werden, dass Offenbacher Bürger ihr Geld nicht im Umland ausgeben.

Andreas Brusznski von der CDU mahnt zur Geschlossenheit in der Stadt, in der Not müsse man zusammenstehen – und die Not bei Handel und Gaststätten sei durch die Folgen der Corona-Pandemie groß. „Ideen für die Hilfe gibt es viele, wir müssen sie jetzt angehen.“ Die langfristige Stärkung des Einkaufsstandortes Offenbach müsse das erklärte Ziel der Kampagne sein, betont FDP-Politiker Oliver Stirböck.

Ausgleichszahlung vom Land als Finanzierung

Wo das Geld für das Hilfspaket herkommen soll, dazu hat Sozialdemokrat Christian Grünewald genaue Vorstellungen: Vom Land werde es eine erhöhte Zuweisung aus dem Topf „Kosten für Unterkunft“ geben, damit ließen sich die von dem Gremium zu erarbeitenden Projekte finanzieren.

Nun müssten schnell Vorschläge gesammelt werden, damit nicht allein Internethändler als Gewinner aus der Krise hervorgehen, sondern auch lokale Händler, bekundet Schwenke. Und die fünf antragstellenden Fraktionen packen für die Offenbacher eine Aufforderung drauf: „Geht einkaufen!“

Von Frank Sommer

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