Feinbäckerei aus Mühlheim spürt Druck der Discounter

Konkurrenz setzt Heberer zu

Offenbach - Der deutsche Backwarenmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch: In den vergangenen Jahren haben tausende Backshops eröffnet und nun beginnen auch die Discounter wie Aldi oder Lidl massiv in dieses Geschäftsfeld vorzudringen.

Die Wiener Feinbäckerei Heberer mit Sitz in Mühlheim strafft deshalb ihr Filialnetz und baut Standorte um. „Unser Konzept ist Ende 2014 abgeschlossen. Unsere Maßnahmen greifen schon gut. Dennoch werden wir in diesem Jahr auf Grund der Restrukturierungskosten keinen Gewinn ausweisen“, sagt Geschäftsführer Alexander Heberer im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

Wie sieht die Lage auf dem deutschen Backwarenmarkt aus?

Der Markt befindet sich in einer kompletten Neuausrichtung. Das ist für die ganze Branche eine neue Situation, auf die sie reagieren muss. Ich kann das ganz gut einschätzen, denn ich vertrete als Beiratsvorsitzender beim Verband der Großbäcker die Filialisten. Nicht nur, dass tausende neue Anbieter in den Markt drängen, wir sehen uns auch mit einer langfristigen Rohstoffpreissteigerungswelle konfrontiert. Die Preise für Molkereiprodukte sind enorm hoch gegangen. Allein der Preis für Butter hat sich mehr als verdoppelt. Beim Mehlpreis gibt es gerade ein bisschen Entspannung, doch die längerfristige Entwicklung zeigt nach oben.

Wie entwickeln sich da die Preise bei Brot und Brötchen?

Wir sehen eine Polarisierung: Auf der einen Seite die niedrigen Preise beim Discounter, auf der anderen Seite wollen Verbraucher nicht nur für ihr Auto das gute Öl, sondern auch für das eigene Wohlbefinden das gute Produkt und sind auch bereit, für Qualität etwas mehr auszugeben.

Welche Folgen sehen Sie mittelfristig auf dem Backwarenmarkt?

Für viele Betriebe ist die Entwicklung existenzbedrohend, sie werden möglicherweise aus dem Markt ausscheiden. Im laufenden Jahr hat sich die Zahl der Geschäfte, die den Betrieb aufgeben, im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt und es werden damit um die 1 000 Betriebe sein.

2006 hatte Heberer noch 460 Filialen. Im nächsten Jahr sollen es noch 240 sein. Wie gehen Sie mit der veränderten Lage um?

Wir hatten gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger ein Konzept erarbeitet. Darin sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass unser Vorteil die guten Hochfrequenz-Standorte an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen und Flughäfen sind. Zudem hat sich gezeigt, dass wir gute Kirchturm-Standorte haben - Standorte im Umkreis von 100 Kilometern um unsere Produktionsstätten in Mühlheim, Weimar und Zeesen bei Berlin. In diesen beiden Bereichen sind die Geschäfte für uns rentabel. Diese beiden Vorteile werden wir künftig ausbauen. Von anderen Geschäftsfeldern haben wir uns konsequent getrennt.

Um welchen Preis?

Die Restrukturierung beschert uns erst einmal außergewöhnliche Kosten, zum Beispiel 2013 in Höhe von rund zwei Millionen Euro. Wir geben Standorte ab, schließen sie oder verkaufen die nicht mehr zu uns passenden Standorte. Wir müssen Personal abbauen, Filialen umbauen und neue Standorte aufmachen. Das sind jedoch keine Verluste, denn wir haben ein solides operatives Ergebnis. Wir hatten im Oktober das beste Betriebsergebnis der vergangenen zwei Jahre. Auch der Gewinn war im Oktober überdurchschnittlich.

Es ist aber klar, dass wir auch dieses Jahr noch außerordentliche Restrukturierungskosten haben. Zum Glück treffen uns nicht noch die höheren Kosten der Energiewende, denn wir haben vorgesorgt und langfristige Verträge abgeschlossen.

Können Sie Zahlen zum Geschäftsverlauf nennen?

In den ersten zehn Monaten 2013 hatten wir ein positives operatives Ergebnis von etwa 1,5 Millionen Euro. Das Ergebnis ist besser als im Vorjahr, obwohl wir deutlich weniger Filialen im Portefeuille haben. Da merkt man, wo die Reise hingeht. Wir sind auf dem Weg, den Plan zu erfüllen, den wir mit den Banken verabredet haben. Gottseidank sind wir den Weg frühzeitig gegangen. Andere merken das erst jetzt.

Und wenn Sie ihn nicht eingeschlagen hätten?

Würden wir heute automatisch höhere Verluste einfahren. Die Märkte werden ja nicht besser.

Wann haben Sie die Restrukturierung gestartet?

Wir haben 2009 gesagt, dass wir uns verändern wollen. Da waren die Discounter aber noch nicht unterwegs. Das hatten wir nicht eingepreist. Deshalb mussten wir noch mal nachschärfen. Wir werden den Umsatz signifikant reduzieren, weil wir Standorte schließen, die nicht profitabel sind. Wir wollen Gewinn machen. Deshalb wollen wir unsere Discounter loswerden, die keinen Profit bringen. Es geht nicht um die schiere Größe, sondern um die Rentabilität des Unternehmens. Der Umsatz pro Filiale ist im letzten Jahr um 3,3 Prozent auf durchschnittlich 37 000 Euro pro Monat gestiegen.

2002 sind Sie mit Brotbäcker Express in den Discountmarkt eingestiegen. Jetzt wollen Sie die Geschäfte verkaufen…

Wir waren damals der Entwicklung weit voraus. Inzwischen sind die deutschen Innenstädte voller Backshops. Die Bedingungen sind heute, mehr als zehn Jahre nach dem Start von Brotbäcker Express, völlig anders. Darauf mussten wir reagieren. Wir haben Premium-Standorte eröffnet, wie beispielsweise am Flughafen Frankfurt, in Berlin sowie in Halle. Parallel haben wir Discount-Standorte verkauft.

Ist der Verkauf der Discounter abgeschlossen?

Der ist erfolgreich abgeschlossen. Darüber hinaus haben wir auch Standorte in Sachsen geschlossen und setzen die Erlöse für die weitere Restrukturierung ein. Früher haben wir nach Größe gestrebt. Heute steht das Ertragsthema im Vordergrund. Das Ziel ist es, die guten und gesunden Standorte zu behalten.

Liegen die im Umkreis um die Produktionsstätten?

Ganz genau: Die Produktionsstätten sind die Kirchtürme. Im Umkreis von etwa 100 Kilometern befinden sich künftig die Standorte. Wir werden in jedem Jahr ein halbes Dutzend neue Filialen eröffnen. In die bestehenden Standorte werden Sitzplätze für eine angenehme Frühstücksatmosphäre geschaffen. Die Brötchen werden vor Ort, frisch vom Teig, gebacken. Und das Sortiment wird breiter. Nach einem Umbau haben wir in den Umbau-Filialen teilweise zweistellige Umsatzzuwächse.

Zur Finanzierung wurde eine Anleihe mit einer Verzinsung von sieben Prozent ausgegeben.

Das ist richtig. Die Anleihe läuft bis 2016 und die Anteilseigner erhalten pünktlich die zugesagten Zinsen.

Wie sieht Ihre langfristige Strategie aus?

Wir sprechen mit strategischen Partnern und Investoren, die mit Eigenkapital einsteigen möchten. Für beide Strategien sind wir mit mehreren Partnern im Gespräch. Es könnte sein, dass wir noch in diesem Jahr zu einem Abschluss kommen.

Wann ist die Restrukturierung abgeschlossen?

Unser Konzept ist Ende 2014 abgeschlossen. Unsere Maßnahmen greifen schon gut. Dennoch werden wir in diesem Jahr auf Grund der Restrukturierungskosten keinen Gewinn ausweisen.

Wie sieht die Zukunft vom Standort Mühlheim aus?

Er bleibt unser Hauptstandort. Wir wollen auch wieder in die Region investieren, um den Kirchturm herum. Wir werden uns zum Beispiel Hausen und Obertshausen sowie den Kreis anschauen, ob es dort weitere Potenziale gibt. Schon heute hat unser Unternehmen in der Rhein-Main-Region mehr als 100 Filialen.

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