Kontakt übern Gartenzaun

Über den Gartenzaun hinweg suchen die erfahrenen Kontaktbeamten der Polizei, Ralf Wenig und Hugo Abe, das Gespräch mit den Bürgern, wie hier im Wohnviertel am Biebernseeweg. - Foto: Richter Das Präventionsmobil der Polizei zum Einbruchsschutz stand kürzlich in Rumpenheim. Beamte schwärmten aus, um den Bewohnern Möglichkeiten aufzuzeigen, ihr Eigentum zu sichern.

Rumpenheim - Ein gekipptes Fenster, eine offen gelassene Terrassentür – meist sind es Nachlässigkeiten der Bewohner, die es Langfingern auch am Tage bei deren Suche nach Bargeld und anderen Wertsachen einfach machen, in ein Haus einzusteigen, selbst wenn jemand daheim ist. Von Harald H. Richter

Doch viele Haus- und Wohnungseinbrüche könnten durch etwas mehr nachbarschaftliche Obacht und ein paar Sicherheitsvorkehrungen vermieden werden. Deshalb sind Hugo Abe und Ralf Wenig ebenso wie sechs weitere Teams der Polizei an diesem Nachmittag unter anderem in Rumpenheim unterwegs, um Wohnungsinhaber und Hauseigentümer in persönlichen Gesprächen über einen vernünftigen Einbruchsschutz zu informieren und Tipps zu geben.

Die beiden erfahrenen Polizeioberkommissare, die während des allgemeinen Dienstbetriebs als Kontakt- und Ermittlungsbeamte – der eine für Bürgel und Rumpenheim, der andere für Bieber und Tempelsee – tätig sind, gehen den Biebernseeweg entlang und suchen an Gartenzaun und Haustür das Gespräch. Auch zu den Eheleuten Manfred und Karin Goy. „Schon mit einfachen Mitteln kann ein Mehr an Schutz erreicht werden“, wirbt Abe bei ihnen für kleine, aber wirksame Maßnahmen, um Hab und Gut zu sichern. „Licht schreckt Diebe und Einbrecher ab, Lärm ebenfalls“, weiß der 57-jährige Polizeibeamte zu berichten. Ein Aufkleber „Vorsicht! Wachsamer Nachbar“ signalisiere, dass man im Wohnviertel ein Auge auf Haus und Hof des Nächsten werfe.

Einige Bewohner der schmucken Einfamilienhäuser mit Gartenidylle, die er und Abe an diesem Nachmittag ansprechen, haben bereits unangemeldeten Besuch gehabt. Günter und Elisabeth Grunwald zum Beispiel, die kürzlich beim abendlichen Fernsehen im Wohnzimmer saßen, als ein Unbekannter versuchte, den Rollladen anzuheben. „Ich habe seine Finger gesehen und bin laut geworden, da hat er sein Vorhaben sein lassen und ist abgehauen“, schildert der Betroffene. „Ganz wichtig ist, uns auch einen gescheiterten Einsteigeversuch zu melden“, wirbt Abe dafür, lieber einmal mehr als einmal zu wenig die Polizei zu verständigen.

Am Zugang zu Joachim Sbierskis Grundstück prangt ein Aufkleber mit dem Hinweis „Nachbarn achten aufeinander“. Dabei hat er es aber nicht belassen, sondern ganz konkrete Vorkehrungen vor Einbruch und Diebstahl getroffen und die Zugänge zu seinen Kellern gesichert, genau wie ein paar Häuser weiter die Eheleute Michael und Elke Schuster. Rundum-Außenbeleuchtung sowie Bewegungsmelder auf der rückwärtigen Seite ihres Eigenheims sollen das Treiben von Langfingern im Ansatz vereiteln.

Edwin Eckert lag ebenfalls daran, es potenziellen Einbrechern so schwer wie möglich zu machen, ins Haus zu gelangen. „Wir haben im Zuge der Hausmodernisierung extra verstärkte Türen eingebaut und dazu eine elektronische Sicherung“, erklärt er und meint ein biometrisches Zutrittssystem. Denn für seine Familie gehören Hausschlüssel der Vergangenheit an. Um hinein zu gelangen, ziehen die Bewohner einfach ihren Finger über einen thermischen Sensor, der die Temperaturunterschiede an spezifischen Punkten registriert und mit bereits abgelegten biometrischen Merkmalen vergleicht. Stimmen sie überein, wird die Tür sicher geöffnet. „Sehr praktisch“, freut sich Tochter Tina Keil. Sie hat noch einen weiteren Vorteil ausgemacht. „Die Sorge, dass mein kleiner Sohn Niklas mal den Haustürschlüssel verliert, bin ich nun los.“

Während Abe und Wenig noch bis zum frühen Abend in der Wohnsiedlung unterwegs sind, stehen auf dem Parkplatz vor dem Rewe-Einkaufsmarkt in Rumpenheim im Präventionsmobil der Polizei die Hauptkommissare Stefan Adelmann und Joachim Göhlert Bürgern Rede und Antwort. Die moderne Ausstattung dieser fahrbaren Infostelle verfügt über eine geräumige Beratungszone, wo Exponate der mechanischen und elektronischen Sicherungstechnik demonstriert werden.

Anschaulich lässt sich Besuchern die Wirkungsweise der Produkte vorführen und erläutern. „Wir dürfen aus Wettbewerbsgründen zwar keine konkrete Firmen empfehlen, die Einbruchsschutz anbieten, aber nützliches Infomaterial ausgeben“, sagt Adelmann. Unterdessen ist sein Kollege dabei, mit einem Interessenten einen Beratungstermin in den heimischen vier Wänden zu vereinbaren – „zur Sicherheit“.

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