Unnachgiebige Kontrolle am Biergarten

Hier kommt kein Wasser rein...

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Miriam Müller mit ihrem Maximilian: Wegen einer so befüllten Wasserflasche gab’s für sie kein Public Viewing.

Offenbach - Das „mainBars“ am Bürgeler Mainufer hatte sich für die WM-Zeit zur „mainBarena“ erklärt. Das Lokal auf dem Areal des Naturheilvereins zeigte alle Spiele live auf der Großbildleinwand. Besucherzahlen und Stimmung waren gut. Von Claus Wolfschlag 

Allerdings nicht durchweg. Denn gegen das leidige Phänomen, dass Gäste heutzutage gern eigene Getränke einschmuggeln, aufgebotene Türsteher überspannten den Bogen. So sieht es zumindest die Bürgelerin Miriam Müller, der zum Viertelfinale der Zutritt in den Biergarten verweigert wurde.

„Wir waren mehrmals in der Woche im ‘mainBars´ gewesen, waren dort bekannt und wurden immer freundlich begrüßt“, erzählt die Mutter des 14 Monate alten Maximilian. Es ist der Freitag des deutschen WM-Spiels gegen Frankreich, als Müller sich mit dem Kinderwagen am Eingang der „mainBars“ von einem jungen Mädchen gestoppt wird. Die Angestellte erklärt, dass jeder Besucher eine Taschenkontrolle über sich ergehen lassen müsse. Für ihr Kleinkind hat Miriam Müller ein paar Kinderkekse und ein wenig Wasser – eine knapp zur Hälfte gefüllte Halbliterflasche – dabei. Das kommt hier nicht rein, hört sie – bitte auskippen. „Wir Erwachsenen, die wir in der Bar verabredet waren, konsumieren ja dort und bestellen uns Getränke“, empört sich die Mutter, „aber bei einem Kleinkind muss man manchmal auch auf die Schnelle eine Notfallreserve mit sich führen.“

Doch das Mädchen am Einlass blieb hart, auch nachdem sie Rücksprache gehalten hat: Wasser müsse an der Bar gekauft werden. Müllers später eintreffender Lebensgefährte Ralf Düwel diskutiert kurz darauf mit dem „mainBars“-Betreiber Roland Lösel. Dabei habe Lösel gesagt, dass für ihn „nur noch Schwarz oder Weiß“ existierten.

Wirt Lösel versucht seine Türpolitik zu erklären: „Wir haben schlechte Erfahrungen gemacht, gerade während den Fußball-Übertragungen. Es ist passiert, dass Gruppen von 30 bis 40 Personen einfach ihre Getränke mitbrachten und die Reste dann bei uns liegen ließen. Die Leute haben unser Angebot also nicht nur kostenfrei in Anspruch genommen, haben nichts konsumiert, sondern uns noch zusätzliche Kosten für die Entsorgung bereitet.“

Nach dem ersten Deutschland-Spiel habe man eine komplette Mülltonne mit mitgebrachten Getränkebehältnissen und Abfall füllen müssen. Hinzu kämen weitere Kosten, zum Beispiel durch die Benutzung der Toiletten. „Wir machen ein kostenloses Angebot, aber natürlich wollen wir auch damit etwas verdienen und nicht draufzahlen“, sagt er.

In einem Restaurant, käme doch keiner auf die Idee, einfach eigene Getränke mitzubringen, so Lösel. Am benachbarten „Main-Turm“, der ebenfalls von Lösel betrieben wird, sei man weniger streng. Es gebe dort bisweilen Passanten, die sich auf die Liegestühle setzten, um mitgebrachte Döner zu essen. Obwohl die Liegestühle eigentlich für die Gäste des Kiosk seien, gewähre man dort oft auch eine solche Fremdnutzung.

Public Viewing im Hafen 2

Das Problem mit den Flaschen sei, dass Eltern bisweilen die Ausrede nutzten, dass diese für die Kinder seien, sie dann aber selbst die mitgeführten Getränke zu sich nähmen. Das wäre kaum zu kontrollieren. Würde man zudem einigen Eltern gestatten, normale Getränkeflaschen mitzunehmen, würde das zu weiteren Diskussionen mit anderen Gästen kommen, die dann fragen, warum jenen Besuchern das Mitbringen eigener Getränken erlaubt werde, einem selbst aber nicht. „Wenn wir nicht konsequent sind, müssen wir jedem Kunden eventuelle Sonderregeln einzeln erläutern“, meint Lösel.

Freilich bedauert Wirt Lösel den Vorfall mit Miriam Müller. Sicher sei das Vorkommnis ein Härtefall gewesen, da die Problemgruppe eigentlich Jugendliche zwischen 16 und Anfang 20 sind. Um Missverständnisse und Konflikte unter den Gästen zu verhindern, bestehe für Eltern von Kleinkindern aber die Möglichkeit, deren Getränke in Babyflaschen umzufüllen. Miriam Müller hingegen schüttelt mit dem Kopf: „Wir haben gar keine Babyflasche mehr, denn unser Maximilian nuckelt nicht nur noch gelegentlich am Schnuller.“ Sie ist nach dem Problem im „MainBars“ übrigens mit Kind und Familie zum nahen Bootshaus gewechselt, dort ohne Einlassprobleme.

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