Sonderkontrollen in OVB-Bussen

94 ohne Fahrschein

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Alles aussteigen bitte: Am Offenbacher Busbahnhof kontrollierten Beamte gestern die Fahrscheine ganz genau. Da das nicht an allen etwa 270 Haltepunkten möglich ist, konzentriert man sich gestern auf sogenannte Knotenpunkte.

Offenbach - Eigentlich, so versichern Fahrgäste gern, ist es eher die Ausnahme, dass Kontrolleure in den OVB-Bussen Fahrkarten sehen wollen. Pech hat, wer’s gestern in Offenbach einmal testen will. Mit erheblichem Personal wird genau hingeschaut. Von Martin Kuhn 

Das Ergebnis: 94 Mal registriert man „Erschleichung von Dienstleistungen“: 94 Schwarzfahrer erwischt. Gut 20 Polizeibeamte, drei Bedienstete der Staatsanwaltschaft, jeweils vier Mitarbeiter von OVB und RMV: Eine geballte Ordnungsmacht will Monatskarten, Wochentickets oder Einzelfahrscheine sehen – an „verschiedenen Knotenpunkten“, wie ein OVB-Sprecher es betont vage umschreibt. Einer davon ist der Busbahnhof Bismarckstraße, wo unübersehbar gegen 10 Uhr die Kontrollen in etwa 25 Bussen beginnen.

Am Ende wird’s jedenfalls teuer. „Fahren ohne gültige Fahrkarte ist kein Kavaliersdelikt“, steht auf Seite 49 des aktuellen Fahrplanbuches; gleich lautende Hinweise sind in den Bussen montiert. Ausreden wie „Ich habe mein Ticket verloren“ ziehen nicht. Wer erwischt wird, zahlt ein erhöhtes Entgelt - im gesamten RMV sind 40 Euro fällig. Wer nachweisen kann, dass er sein personengebundene Zeitticket nur vergessen hat, kommt mit sieben Euro davon.

Tägliche Kontrollen

Den anfangs erwähnten Eindruck der eher laschen Kontrolle möchte man in der OVB-Zentrale nicht bestätigen: „Wir kontrollieren täglich; sogenannte Sonderkontrollen erfolgen in unregelmäßigen Abständen.“ Als Bestrafung sehen die Verantwortlichen das alles nicht, eher als eine Art Gerechtigkeit. Schließlich zahlten etwa 10,8 Millionen Fahrgäste für die Beförderung von A nach B und mildern so das ohnehin hohe Defizit des öffentlichen Nahverkehrs.

Wer gestern ertappt wird, schaut vielleicht etwas neidisch nach Schweden. Im europäischen Norden haben sich offenbar Schwarzfahrer zusammengeschlossen und eine Versicherung („planka.nu“) für ihresgleichen gegründet: Jeder zahlt eine geringe Summe in einen Gemeinschaftstopf, von dem Geld werden die Strafen beglichen, wenn Mitglieder erwischt werden. Elf Euro kostet das – weit weniger als eine Monatskarte.

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