Bei Kontrollen kein Pardon

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Ob es für die Kundschaft nun einsichtig ist oder nicht: Wer ohne gültiges Ticket in Bus oder Bahn unterwegs ist, muss bei einer Kontrolle mit der saftigen Strafe von 40 Euro rechnen. Und: Die Prüfer können kein Auge zudrücken, Diskussionen mit den ÖPNV-Nutzern sollen vermieden werden.

Offenbach ‐ Der ÖPNV ist teuer und unpünktlich, die Wagen und Stationen sind verdreckt und die Kontrolleure oft unverschämt. Viele Bus- und Bahn-Kunden denken so oder ähnlich. Unsere Leser berichten häufig von unschönen Erlebnissen. Von Simone Weil

Einigen dieser Ärger-Geschichten sind wir nachgegangen und haben die Verantwortlichen damit konfrontiert. „Man bezahlt für ein komplettes Jahr über 700 Euro und dann ist man einmal schusselig und soll fürs Schwarzfahren noch mal 40 Euro blechen.“ Oliver W. (Name geändert) war mit einer übertragbaren Jahreskarte unterwegs, als er am 2. Juni kontrolliert wurde: In der kleinen Plastikhülle, die er bei sich trug, steckten die Fahrscheine für Januar, Februar, März, April und Mai. Der Juni allerdings fehlte.

Die Kontrolleure ließen nicht mit sich reden und die 40 Euro fürs Schwarzfahren wurden fällig. Oliver W. hoffte auf Kulanz, schließlich war viel Geld für das Ticket geflossen. „Das beweist doch, das ich nicht Schwarzfahren will.“ Doch nach Auskunft eines Bahnsprechers ist es den Prüfern nicht möglich, mal ein Auge zuzudrücken. „Es gibt keinen Ermessensspielraum, wenn jemand keine gültige Fahrkarte hat. Ein kaputter Automat ist etwas anderes.“ Schließlich müssten alle Kunden gleich behandelt werden. Deswegen sei es auch nicht möglich, mit den Kontrolleuren zu diskutieren.

Eine personengebundene, nicht übertragbare Jahreskarte hätte nachgereicht werden können. Dann wäre nicht die erhöhte Beförderungsgebühr von 40 Euro zu berappen gewesen, sondern nur 7 Euro. Begründet wird dies wie folgt: Das übertragbare Ticket könnte ja zwischenzeitlich anders genutzt werden.

Schülerin „unfreundlich und frech behandelt“

In einem zweiten Fall beschwert sich die Mutter einer Schülerin, die eine sogenannte „CleverCard“ besitzt. Die 17-Jährige war am letzten Schultag (Freitag) vor den Weihnachtsferien in Frankfurt unterwegs und glaubte sich im Besitz eines gültigen Fahrscheins. Während der Ferien erweitert sich die Nutzungsraum des Tickets nämlich auf das ganze RMV-Gebiet. Deswegen musste sie 40 Euro Strafe zahlen, als sie Kontrolleuren in die Arme lief. Denn zu den Ferien zählen zwar die angrenzenden Wochenenden und Feiertage, der letzte Schultag aber nicht.

Was ihre Mutter besonders auf die Palme brachte, war die Tatsache, dass das Mädchen von der Kontrolleurin bloßgestellt und unter Druck gesetzt worden war, so dass sie die 40 Euro gleich bezahlte. In der Mobilitätszentrale der Offenbacher Verkehrsbetriebe (dort war das Ticket gekauft worden) seien sie schließlich noch so unfreundliche und frech behandelt worden, dass die Mutter zu dem Ergebnis kam: „Da kann man noch so viel Werbung für ein Unternehmen machen, so gewinnt man keine Kunden. Im Gegenteil man verliert sie.“ Für OVB-Sprecherin Tamara Süß war es nicht mehr möglich, den Vorfall aufzuklären, weil er so lange zurücklag: „So ein Verhalten darf natürlich nicht vorkommen, leider kann sich niemand mehr erinnern.“

In einem anderen Fall war ein Job-Ticket der Stadtverwaltung Offenbach handschriftlich bis zum 31.09.2010 ausgestellt worden, obwohl der Monat am 30. endet. Das brachte die Angestellte in eine peinliche Situation. Sie fühlte sich von den Prüfern der Bahn schikaniert, die schließlich ihren Fahrschein einbehielten. Der Bahnsprecher erklärt: „Wenn unsere Mitarbeiter den Verdacht haben, es sei am Fahrschein manipuliert worden, dann wird er eingezogen.“ Er rät, sich in Zweifelsfällen an die Fahrpreisnacherhebungsstelle DB-Vertrieb, Am Hauptbahnhof 2, in Frankfurt zu wenden: Tel.: 069 2400-9991, -9989.

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