Bald keine „dürftigen Kontrollen“ mehr am S-Bahnhof Marktplatz

+
Sieht durchs Fischaugen-Objektiv ganz schön aus, ist es aber allzu oft nicht: Offenbachs zentraler S-Bahn-Halt am Marktplatz.

Offenbach - Offenbacher Stadtpolizisten sollen bald auch in der eigentlich zum ordnungsrechtlichen Hoheitsgebiet der Bahn gehörenden S-Bahnstation Marktplatz Platzverweise aussprechen, Bußgelder verhängen und widerspenstige Randalierer und Verschmutzer notfalls festnehmen. Von Marcus Reinsch

Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß hofft, mit dem Einsatz von städtischem Geld und Personal die „viel zu dürftigen Kontrollen der Station durch Bahnpersonal“ wirksam zu ergänzen.  Um die Ausdehnung des Aufgabenspektrum der Stadtpolizei auf auch juristisch stabile Beine zu stellen, sollen Magistrat und Stadtparlament der Offenbacher Gefahrenabwehrverordnung bei nächster Gelegenheit einen Passus zum „Schutz der unterirdischen Bahnanlagen“ spendieren. Der zielt vor allem darauf, „Leute, die auf den Treppen campieren und Kleinmüll, Kippen sowie verschüttete Getränke zurücklassen“, zu vertreiben und die Einhaltung des in allen S-Bahnstationen geltenden Rauchverbots „verstärkt zu kontrollieren“.

Stadtpolizei an der Station

Schon jetzt patrouilliere die Stadtpolizei an der Station. Und auch das Sicherheits- und Sauberkeitsprojekt „Besser leben in Offenbach“ mühe sich. So eine „Ordnungspartnerschaft“ gegen das „permanente Sauberkeitsproblem“ sei gut, reiche aber nicht. Allein: Verhandlungen mit der Bahn über konkrete Verbesserungen an der Marktplatz-Station seien „nicht immer einfach“, bedauert Weiß. „Offenkundig ist das Bahn-Budget für Instandhaltung und Beaufsichtigung viel zu gering. Reparaturen werden leider immer wieder hinaus gezögert und vieles läuft nur im Schneckentempo.“

Einige Vereinbarungen seien zwar umgesetzt – Reparatur des Uhrenturms, Taubenschutz am Glasdach, Grundreinigung der Beleuchtungsanlagen, eine weitere Reinigungsschicht am Nachmittag, zusätzliche Müllbehälter und deren verstärkte Leerung, der zumindest begonnene Austausch kaputter Geländer gegen vandalismusresistente Edelstahl-Lochbleche.

380.000 Euro für Erneuerung der Aufzüge

Andere, elementare Dinge aber lägen noch im Argen. Beispielsweise die laut Bahn nun beauftragte und eigentlich ja „noch für dieses Jahr“ zu erwartende Erneuerung der Aufzüge für 380.000 Euro und die Reparatur des beschädigten Bodens in der Zwischenebene, über deren Finanzierung derzeit noch gesprochen werde.

An anderen Stellen aber herrsche immer wieder Stillstand. Auch im Wortsinn. Eine der häufigsten Beschwerden von Passagieren zielt auf die Rolltreppen. Die funktionieren mal und oft funktionieren sie nicht, wobei beispielsweise Leser Andreas Karagiannis für letzteres weniger einen technischen Defekt als vielmehr „ständigen Missbrauch des Nothalt-Systems“ verantwortlich macht. In sonst keinem „Problembahnhof“ sei es möglich, die Rolltreppen mit einem diskreten Druck auf neben den Handläufen montierten Nothaltetastern zum Stehen zu bringen. Dort gebe es stattdessen viel weniger für Missbrauch anfällige Stopp-Hebel. Folge des Offenbacher Treppenmodells sei „ein für ältere Fahrgäste nicht wegzudiskutierendes Sicherheitsrisiko. Ich möchte jedenfalls nicht 80-jährig und gebrechlich auf einer plötzlich abbremsenden Fahrtreppe stehen.“ Die Bahn allerdings ignoriere solche Hinweise und Anregungen nur.

Da versuche das Ordnungsdezernat zu vermitteln, sagt Weiß. Es gebe tagesaktuelle Meldungen über Störungen an die Bahn; in der Regel werde die betreffende Treppe dann „einigermaßen zeitnah wieder in Gang gesetzt“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare